Meine literarischen Arbeiten sind kleine Fische
- aber Goldfische sind auch nicht groß.
Hans Hollweg
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ISBN-10: 3-596-14313-6 |
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Eigentlich wollte Anastasija Kamenskaja, die erfolgreiche Moskauer Kriminalistin, im Sanatorium ihr verschlepptes Rückenleiden auskurieren und Ordnung in ihr verworrenes Gefühlsleben bringen. Doch in dem trügerischen Idyll der Kleinstadt, fernab der russischen Metropole, gehen seltsame Dinge vor sich. Merkwürdige Fremde kommen für ein, zwei Tage ins Sanatorium, die Kurgäste scheinen dort mehr zu suchen als nur Erholung: Nastja registriert merkwürdige Annäherungsversuche von Männern, verdächtige Geräusche am Telefon, verräterische Veränderungen in ihrem Zimmer. Als schließlich ein Mord geschieht, ist sie mehr als überrascht, dass es nicht die örtliche Polizei ist, die um ihre Mithilfe bei der Aufklärung des Verbrechens bittet, sondern die Mafia, die wahren "Ordnungshüter" der Stadt.
Originaltitel: Igra na chuzhom pole (1997)
Deutsche Erstveröffentlichung: 1999
Schauplatz: Russland
In der STADT, weitab vom Moskauer Arbeitsplatz, will sich Anastasija Kamenskaja auf Anraten ihres Chefs eine Weile erholen und ihre Rückenschmerzen behandeln lassen. Mit dabei für die freie Zeit hat sie eine schwere Reiseschreibmaschine, verschiedene Wörterbücher sowie einen amerikanischen Krimi, den sie übersetzten will. Aus der Ruhe allerdings wird nicht viel, denn sie wird von Männern angegraben, will sich die eigentlich ganz nette Nachbarin auf Distanz halten und zu allem Überfluss findet man einen der Anbaggerkünstler ermordet in seinem Bett. Die Polizei der STADT (die übrigens nie einen anderen Namen bekommt und stets in Versalien geschrieben wird) löchert Anastasija verständlicherweise, allerdings ohne sich ihre Gedanken zum Fall anzuhören. Ein Fehler, denn nun schaltet sich der wahre Herr über die STADT ein und erbittet Hilfe.
Nicht nur für die Polizei ist Nastja eine merkwürdige Person. Für den vernehmenden Beamten ist der Fall klar, Frauen haben in dem Job nichts zu suchen. Weitab von Moskau herrschen andere Regeln. Für die anderen rückt mehr ihre Weigerung in den Vordergrund, dass sie sich im Sanatorium sämtliche Männer vom Hals hält. Dabei ist ein Sanatorium durchaus für solche Vergnügungen da - für was sonst. Dabei würde ihr der Neffe der Nachbarin eigentlich ganz gut gefallen. Wenn sie nicht schon auf Anhieb gemerkt hätte, dass der etwas verbirgt. Die gnadenlose, unbestechliche Analytikerin in ihr wird Nastja auch angesichts des attraktiven Damir nicht los.
Genau diese Analytikerin jedoch ist bei Eduard Petrowitsch Denissow gefragt. Denissow ist der heimliche Herrscher der STADT, der mit seinen Leuten für Ordnung, Sicherheit und Wohlsstand sorgt. Dass irgendwo eine unbekannte kriminelle Bande tätig ist, macht ihn unruhig. Das ist Kriminalität, die nicht von ihm kontrollierbar ist. Nastja ist die richtige Ansprechpartnerin für ihn und obwohl ihr mulmig wird bei dem Gedanken, der lokalen Mafia dienlich zu sein, willigt sie ein.
Das Buch teilt die Handlung nach den ablaufenden Tagen ein und schildert in kleinen Passagen, was den verschiedenen Personen im Lauf des Tages passiert. Stück für Stück tun sich kleine Rätsel auf, Ahnungen werden bestätigt oder verworfen und allmählich wird klar, was sich hinter den merkwürdigen Vorgängen in der STADT verbirgt. Insgesamt eine prima Puzzlearbeit, allerdings könnte vielen - wie mir auch - recht schnell klar werden, wie das Puzzle zusammen gehört. Dafür aber blieb die Geschichte unterhaltsam; ich mochte es, Nastjas Überlegungen zu verfolgen, die sie immer wieder führt und die sie schrittweise zur Lösung führen. Wenn man als Leser allerdings vieles vorausahnt, ist es hin und wieder merkwürdig, wenn ausgerechnet die scharfsinnige Nastja lange nicht hinter das Geheimnis kommt.
Ein bisschen problematisch zu Beginn sind die russischen Namen, von denen die Russen gleich drei haben, sie aber nicht immer alle nennen und die in verschiedenen Varianten als Kosenamen auftauchen können. Anastasija Pawlowna Kamenskaja ist zum Beispiel mal Anastasija Pawlowna, mal Anastasija Kamenskaja, mal Nastja. Und das Spielchen findet bei vielen Namen statt - man gewöhnt sich allerdings nach einer gewissen Zeit daran.