Schreib den ersten Satz so,
dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will.
William Faulkner
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ISBN-13: 978-3-55206-127-9 |
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Durch einen Sturz über die Stiege stirbt Roland Mathis, der widerwärtige Schnüffler, der Anton Galba und seine heimliche Geliebte mit ihrem Verhältnis erpresst hatte. In Panik lässt Galba, Leiter der Abwasserreinigungsanlage Dornbirn, die Leiche im Häcksler verschwinden. Der den Fall untersuchende Polizist Nathanael Weiß verdächtigt Galba von Anfang an. Allerdings gibt es auch in seinem Umfeld einen Widerling, den er gerne loswerden würde. Galba muss notgedrungen mitmachen, doch für Weiß ist das erst der Anfang: Es gilt, Schädlinge der Gesellschaft auszurotten.
Erstveröffentlichung: 2010
Schauplatz: Dornbirn, Österreich
Anton Galba, Leiter der städtischen Abwasserreinigungsanlage ARA, amüsiert sich außerdienstlich mit seiner Laborantin. Das stößt seinem rassistischen Mitarbeiter Roland Mathis bitter auf, denn er glaubt, die einheimische Helga vor dem vermeintlich slawischen Chef schützen zu müssen. Die Erpressung, um die "unpassende" Liaison zu beenden, geht jedoch gründlich schief. Galba ist gar nicht schockiert von der Idee, die heimlich geschossenen Bilder doch gleich seiner Ehefrau zuzumailen. Ein kurzes Handgemenge später und Mathis liegt tot am Fuß der Treppe. Da der Unfall unter diesen Umständen schwer als solcher deklarierbar ist, lässt Galba die Leiche kurzerhand in einem Zerkleinerer enden, der auf dem Gelände der ARA installiert ist.
Um den Vermisstenfall Mathis kümmert sich Galbas alter Schulkamerad Nathanael Weiß - der ahnt sehr schnell, was wirklich vorgefallen ist, nur nachweisbar ist es kaum. Für Weiß kein Problem: Er bleut Galba ein, dass er sehr wohl Bescheid weiß und damit gerät Galba vom Regen in die Traufe. Denn Weiß denkt über "unpassende" Individuen nach und will Galbas Methode für eigene Zwecke nutzen. Den "Schädlinge der Gesellschaft" soll es an den Kragen gehen, allen voran dem Mann, der Weiß einst die Frau ausspannte und diese nun nach Kräften hintergeht. Damit beginnt eine irrwitzige Kette von Selbstjustiz, die sich aus alten Femeregeln speist und unerwartete Unterstützung erhält.
Eine rabenschwarze und bitterböse Geschichte entspinnt sich um Werte, Gesellschaft und Moral sowie die Frage, wer sich um deren Wahrung kümmern soll. Wer darf Fehltritte bestrafen und wie weit darf man gehen? Immerhin ist die "Methode Galba" eine absolute und folglich diskutieren die Beteiligten mehr als einmal, dass man schnell halb Dornbirn in die ARA locken müsste, wenn man die selbst gewählten Regeln der Feme konsequent anwende. Ziemlich willkürlich fällt die Auswahl, wer sich auf die Liste der Verschwundenen einreiht und reichlich obskur fällt die Begründung aus, weshalb ausgerechnet die mittelalterliche Feme zu Rate gezogen und ausgeübt wird. Obskur muss sie wohl sein, wenn sich die private Feme auf einen König beruft, den schon seit Jahrhunderten nicht mehr gibt.
Galba will sich zu Recht von den skrupellosen Säuberungsaktionen distanzieren und versucht, Weiß und seine ominöse Helferin zu stoppen. Aber Galbas Mittel sind nur zu Beginn makellos; auch er wird dreister und man fragt sich zunehmend, wo die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen. Die Geschichte endet völlig anders als gedacht und deutet an, dass die Diskussionen weder für Galba noch für den Leser je zu Ende sein werden.
Das Buch ist sehr klug geschrieben. Viele Denkanstöße bemerkt man nicht sofort, dafür aber ist eine latente Gesellschaftskritik stets spürbar. Die Wut über einzelne Menschen mag berechtigt sein und bei Mähr dürfen die Protagonisten stellvertretend für andere Betroffene fehlbare Menschen für ihre Vergehen strafen und ihr individuelles Gerechtigkeitsempfinden ausleben. Bei Mährs Gedankenexperiment darf es bis zum äußersten gehen; es geht so weit, dass sich das endgültige Urteil des Lesers über Selbstjustiz ziemlich schnell einstellen dürfte.
Sehr clever finde ich die doppeldeutige Titelwahl. "Alles Fleisch ist Gras" stammt aus einem Bibelvers (was recht schnell erläutert wird) und erhält über eine besondere Prozesstufe in der ARA einen Hintersinn ... und wieder was zum Nachdenken ...