Schreib den ersten Satz so,
dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will.

William Faulkner

Das Buch

Gemma O'Connor - Wer aber vergisst, was geschah

ISBN-10: 3-492-25689-9

Über den Autor
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Kurzbeschreibung / Klappentext

Holy Retreat, ein Nonnenkloster hoch über einer Bucht von Dublin, muss renoviert werden. Die verarmten Schwestern lassen sich deshalb dazu überreden, das Friedhofsgelände zu verkaufen. Die junge Rechtsanwältin Tess Callaway soll die heikle Angelegenheit abwickeln. Doch bei der Umbettungsaktion taucht plötzlich ein Sarg zuviel auf. Tess wittert skrupellose Machenschaften, Geldgier und Verrat. Sie beginnt, viele unangenehme Fragen zu stellen - und setzt eine Katastrophe in Gang.

Originaltitel: Farewell to the flesh (1998)
Deutsche Erstveröffentlichung: 1999
Schauplatz: Dublin

Mein Leseeindruck

Nach rund hundert Seiten fühlte ich mich so schlau wie nach dreißig Seiten. Und jetzt, am Ende der Lektüre, frage ich mich, warum ich nicht einfach irgendwann das Buch genommen und durch ein anderes ersetzt habe.
Der Start des Buchs gerät umständlich und verwirrend, weil sehr viel erklärt und erzählt wird: im Prolog der überzählige Sarg bei der Umbettung, Tess Callaway und ihre Geschichte, Jeddies Geschichte, die ersten Gänge ins Kloster und keine Ahnung, was daraus gestrickt werden soll. Da treibt eher die Neugier an als das tatsächliche Lesevergnügen. Und es bleibt über weite Strecken leider dabei.

In der eigentlichen Handlung kommt der Sarg erst sehr spät - fast gegen Ende - wieder. Bis dahin wird in vergangenen Zeiten gestöbert, es tauchen verwirrend gleiche Namen auf, merkwürdige Hinweise auf Bücher, immer wieder Jahreszahlen und all das soll ein spannendes Puzzle sein. Tess Callaway, die Anwältin, ist misstrauisch, aber das Gefühl fand ich in der Handlung nicht wirklich wieder - außer darin, dass sich der zuständige Mitarbeiter aus der Kanzlei nicht ein einziges Mal bei ihr meldet, um nach dem Fortschritt ihrer Arbeit zu fragen. Gleichzeitig kämpft Tess mit dem kürzlich geschehenen Unfalltod ihres Lebensgefährten, muss sich damit arrangieren, wie sie sich um das kurz darauf geborene gemeinsame Kind kümmern soll, stellt eine neute Beziehung zu ihrer Mutter her und hat eigentlich genug eigene Probleme am Bein.

Das Misstrauen sagt Tess, dass etwas nicht stimmt und sie sucht, ohne zu wissen, was. Auf diese Weise kommen unzählige Hinweise aus den verschiedensten Bereichen zusammen, die am Ende irgendwie alle einen Sinn ergeben müssen. Am Ende sitzen alle beisammen, die sich zuvor nur je die Hälfte erzählt haben, die sich ein bisschen misstraut haben, die den anderen eine unangenehme Story ersparen wollten. Plötzlich steuert jeder seinen Anteil an der Geschichte bei, macht sich fleißig Selbstvorwürfe, und damit auch die letzten Lücken erschöpfend erläutert werden, stehen von verschiedenen Beteiligten, die aus verschiedenen Gründen nicht anwesend sind, Briefe und schriftliche Darlegungen zur Verfügung, die unter anderem unter einem Abfalleimer zum Vorschein kommen. Hauptsache, sie sind da und erklären haarklein, was das alles sollte.

Es gab nur keine schriftliche Erklärung dafür, warum ich soviel Geduld mit dem Buch hatte. In dem Buch steckte viel zuviel und es war viel zuviel konstruiert, sodass es ohne all die Briefe am Ende wahrscheinlich nicht ging. Das Etikett "Psychothriller" rubble ich von meiner Ausgabe jedenfalls runter.

Meine Bewertung