Glaub ja nicht, Leser, dass dieses Buch dich aus den Augen verliert.

unbekannt

Das Buch

Petros Markaris - Hellas Channel

ISBN-10: 3-257-23282-9

Über den Autor
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Kurzbeschreibung / Klappentext

Er liebt es, Souflaki aus der Tüte zu essen, dabei im Wörterbuch zu blättern und sich die neuesten Amerikanismen einzuverleiben. Seine Arbeit bei der Athener Polizei dagegen ist kein Honigschlecken. Besonders schlecht ist Kostas Charitos auf die Journalisten zu sprechen, und ausgerechnet auf sie muss er sich einlassen, denn Jenna Karajorgi, eine Reporterin für Hellas Channel, wurde ermordet. Wer hatte Angst vor ihren Enthüllungen? Um diesen Mord ranken sich die wildesten Spekulationen, die Kostas Charitos' Ermittlungen nicht eben einfach machen. Aber es gelingt ihm, er selbst zu bleiben - ein hitziger, unbestechlicher Einzelgänger, ein Nostalgiker im modernen Athen.

Originaltitel: Nychterino Deltio (1995)
Deutsche Erstveröffentlichung: 2000
Schauplatz: Athen

Mein Leseeindruck

Markaris' Kommissar Charitos ist eine Figur, die gnadenlos gegen den Strich gebürstet wurde. Gleich zu Beginn bekommt er die Charakteristik eines sehr schwierigen Menschen: Die morgendlichen Blicke, die er mit seinem Mitarbeiter tauscht, interpretiert er als tägliche Zurechtweisung und dessen Unterwerfung. Sein Frühstücks-Croissant ist wichtiger noch als der Chef. Charitos buckelt fleißig nach oben, tritt kräftig nach unten - wie alle anderen im Buch auch - und macht dieses Gehabe zu einem ganz alltäglichen Ritual. Seiner Frau gegenüber schwankt er zwischen überlegenem Macho-Gehabe und dem Eingeständnis, dass ohne sie etwas fehlen würde.
Und dennoch funktioniert die Gut-Böse-Definition nicht ohne weiteres. Weder bei Charitos noch z.B. bei dessen Chef, der sich zwar zugunsten seines Vorteils winden kann wie eine Schlange, der aber Charitos dennoch braucht (und das auch genau weiß): Als guten Polizisten, der endlos stur mit dem Kopf durch jede Wand will und im Ernstfall jede Menge Scherbenhaufen in Kauf nimmt.

Der Fall entpuppt sich als vielschichtig und verworren - und wird durch voreilige Schritte der so verhassten Presse mal behindert, mal beschleunigt. Charitos liegt mit seinen Vermutungen nicht immer richtig, aber er kapiert schnell, dass der Fall stinkt und will folglich erst recht herausbekommen, wie die Zusammenhänge liegen - da heizen ihn die Bremsversuche einflussreicher Beteiligter eher an als dass sie den von ihnen gewünschten Effekt haben.

Ich finde den Fall schlüssig konstruiert und so gut geschrieben, dass ich zwar manches zu erahnen glaube, aber trotzdem gibt es genug Überraschungen und Wendungen, die unvorhergesehene Aha-Effekte hervorrufen. Letztlich greifen mehrere Stränge ineinander und bis sich Leser und Kommissar endgültig Entwirrung geschaffen haben, bringt eine Reihe der Beteiligten ihre Schäfchen ins Trockene. Besonders die letzten Seiten bieten eine ungewöhnliche Wendung und verstärken das Bild eines Krimis, der aus dem Alltag gegriffen ist: Nicht alles ist so wie es scheint und fast nichts passt in die Schublade, in die wir es gerne stecken würden.

Meine Bewertung