Meine literarischen Arbeiten sind kleine Fische
- aber Goldfische sind auch nicht groß.
Hans Hollweg
|
ISBN-10: 3-446-20210-2 |
Über den Autor Bestellen bei |
Manchen Schriftstellern gehen sie aus, ihm fliegen sie unablässig zu: Geschichten. Schon in der Schule beginnt er einen schwunghaften Handel damit: Klassenaufsätze gegen Süßigkeiten, später gegen weibliche Zuneigung. Die Erfahrung, dass Frauen überhaupt Geschichten schätzen, bleibt ihm fürs Leben. Dennoch erscheint ihm der Gedanke, selbst Schriftsteller zu werden, absurd. Es drängt ihn einfach nichts ins Licht der Öffentlichkeit. Er entscheidet sich für eine Karriere hinter den Kulissen des Literaturbetriebs, wird Geschichtenverkäufer. Die Geschäftsidee ist neu, der Erfolg überwältigend. Voraussetzung dafür ist äußerste Diskretion. Seine Kundenkartei reicht vom Gelegenheitsdichter bis zum internationalen Großschrifsteller, doch keiner ahnt, dass er nicht der einzige Kunde des Geschichtenverkäufers ist. Eines Tages aber tauchen Gerüchte auf. Von der "Spinne" ist die Rede, einem geheimnisvollen Manipulator ganzer Autorenbiografien. Ist man ihm auf die Schliche gekommen? Wenn ja, wozu sind hinters Licht geführte Erfolgsschriftsteller fähig? Gar zu Mord? Urplötzlich findet er sich in eine Geschichte verstrickt, die von ihm selbst stammen könnte. Doch sie ist bitterböse Wirklichkeit. Und das Ende liegt ausnahmsweise nicht in seiner Hand.
Originaltitel: Sirkusdirektørens datter (2002)
Deutsche Erstveröffentlichung: 2002
Schauplatz: Oslo
Viel Phantasie steckt nicht nur in Petter, dem Geschichtenverkäufer, sondern auch in Gaarder, der meiner Meinung nach ein poetisches Puzzle rund um seinen Ich-Erzähler herum gebaut hat. Petter sprüht nur so vor Ideen und Einfällen, hat aber nie den Wunsch mehr zu tun, als diese stichwortartig festzuhalten. Die Meriten heimsen bereits zu seiner Schulzeit andere ein. Denen ist es mitunter zwar peinlich, wenn sie aufgrund der gesponsorten Leistungen besonders gelobt werden. Aber Petter reicht völlig zu sehen, dass seine Ideen mit fremden Sprachrohren umgesetzt werden und erfolgreich sind. Petter ist sich selbst genug.
Petter ist in gewisser Weise ein Sonderling, aber ein sympathischer mit einer gehörigen Portion Cleverness. Aber auch einer großen Portion Überheblichkeit. Er hält sich für übermäßig brillant und genial und ein richtig großes Licht und die Art, wie er das über sich selber schreibt, hat mich hin und wieder zum Schmunzeln gebracht. Beipiele gefällig?
Solche Ratschläge erteilte ich dem Lehrer niemals während des Unterrichts. Ich musste den anderen in der Klasse nicht beweisen, das ich mehr wusste als sie, und manchmal sogar mehr als der Lehrer. Meine freundschaftlichen Tipps bekam er auf dem Schulhof oder dann, wenn er die Klasse betrat oder verließ.
Meine Vorschläge an den Norwegischen Rundfunk sandte ich nie ab. Sie hätten sie natürlich angenommen, aber ich hatte gar nicht das Bedürfnis [...] Also behielt ich meine großartigen Ideen für mich. So zurückhaltend sind nicht alle. Wie die Entwicklung des Fernsehens beweist.
Wer den Originaltitel sieht, Sirkusdirektørens datter, der ahnt bald, wo der Hase der Geschichte hinläuft. Mehr brauche ich nicht zu sagen - auch wenn eine Vorahnung dem Interesse am Buch keinen Abbruch tut. Das Ende war der Geschichte zurecht offen, aber trotzdem recht spröde für das ansonsten erzählerisch fließende Buch.