Glaub ja nicht, Leser, dass dieses Buch dich aus den Augen verliert.
unbekannt
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ISBN-10: 3-442-73436-3 |
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Mitten im Unterricht verlässt der Lateinlehrer Raimund Gregorius seine Klasse und macht sich auf den Weg mach Lissabon, um der Spur des geheimnisvollen portugiesischen Autors Amadeo de Prado zu folgen. Dessen Ausführungen zu Leben, Liebe und Tod, Einsamkeit, Endlichkeit und Freundschaft lassen ihn nicht mehr los. Auf seiner wundervollen Reise dringt er immer tiefer in dessen sagenumwobene Geschichte ein. Langsam meint Gregorius zu ahnen, wer der Schriftsteller war. Doch was hat das für Konsequenzen für sein eigenes Leben? Kann man denn einfach so ausbrechen und alles Gewohnte hinter sich lassen?
Erstveröffentlichung: 2004
Dieses Buch habe ich nach nur 44 Seiten vor die Tür gesetzt. Auf den 44 Seiten passierten eine Reihe von Dingen, die ich einfach nicht unter meinen Hut bringen konnte. Und je länger ich das Buch ruhen ließ, um vielleicht doch nochmals anzufangen, umso mehr störten sie mich. Dazu kam der Eindruck von gähnender Langeweile. Ich wollte einfach nicht mehr und versuche hier, meine Irritationen zu erläutern.
Raimund Gregorius ist ein waschechter Gelehrter: Minutiöser Tagesablauf, keine Abweichungen. Nichts, was mich stören würde. Dann begegnet er auf dem Weg zur Schule einer Frau auf einer Brücke, die er für eine Selbstmörderin hält. Er will sie vor dem vermeintlichen Tod bewahren. Statt irgendetwas zu sagen, schreibt sie ihm nach vollbrachter Tat eine Telefonnummer auf die Stirn, weil sie die Nummer nicht vergessen dürfe. Ach, man hätte sie sich ja auch selbst auf die Hand schreiben können! Das fällt ihr ein bisschen spät ein - zumal sich der fremde Mann ja einfach hätte umdrehen können und dann wäre die schöne Nummer ebenfalls weg gewesen. Die Szene war merkwürdig und ich fand die Frau nicht schlüssig. War es ein Sprungversuch? Falls ja, hätte ihr die Nummer nicht viel bedeutet und sie hätte erst einmal mit dem Misslingen gehadert. War es keiner, hätte sie sich deutlich ausdrücken können. Die Aktion mit der Telefonnummer wirkte auf mich wie eine theatralische Kunst-Performance.
Gregorius ist so platt, dass er die Frau in die Schule mitnimmt - und sogar ins Klassenzimmer. Und schwupps fällt der Entschluss, dass man das ganze Leben plötzlich umkrempeln könnte, weil die Frau so schön das Wort português gesagt hat, als er sie nach ihrer Muttersprache gefragt hat. Er kauft sich ein portugiesisches Buch, obwohl er die Sprache gar nicht kann - und fängt an, mit Hilfe von Wörterbuch und Grammatiktafeln zu übersetzen. An dieser Stelle war schon ziemlich Schluss und die fehlerfreien, in Sinn und Ausdruck korrekten Übersetzungen eines philosophischen Textes, ausgeführt von einem totalen Sprachneuling, fand ich mehr als merkwürdig. Gregorius schreibt eine Art Abschiedbrief und setzt sich in den Zug nach Lissabon. Ich dachte nur noch "Hä?".
Obendrein nehme ich Gregorius den Aufbruch nicht ab. Er ist meiner Meinung nach nicht der Typ, der von heute auf morgen alles fallen lassen kann - so kompromisslos, wie es im Buch geschildert wird. Einen wie Gregorius bekommt man nur über eine persönliche Schiene, damit er etwas überdenkt - so jedenfalls wird Gregorius in meinen Augen dargestellt. Nicht, dass er grundsätzlich nie was ändern würde. Aber mein Gefühl sagt mir, dass speziell solche Spontanaktionen einen anderen Menschenschlag brauchen.
Das ist vielleicht in anderen Augen nicht viel, aber ich hatte kein Interesse, das Buch weiterzulesen. Ich nehme durchaus Konstruktionen in Kauf, damit "ein Buch was wird", aber hier hatte ich das Gefühl, ausschließlich über Konstruktionen zu stolpern, damit Philosophie erzählt werden kann.