Schreib den ersten Satz so,
dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will.
William Faulkner
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ISBN-10: 3-735-10053-8 |
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Lord Singelworth erregt Aufsehen in Venedig, da er permanent mit einem Heissluftballon unterwegs ist. Nun kursieren zahllose GerĂŒchte, warum der Lord einem so ungewöhnlichen Zeitvertreib frönt. Bis einige Herren um den tatsĂ€chlichen Grund wetten und beim Lord vorsprechen. Doch der Lord bestĂ€tigt keine der wettenden Parteien, sondern trumpft mit einer ganz neuen Schrulle auf.
Originaltitel: Tajemnica lorda Singelworth (1883)
Deutsche Erstveröffentlichung: 1989
Schauplatz: u. a. Venedig, Paris
Diese Novellen von Cyprian Norwid waren ein Zufallsfund aus einer Kiste, die lĂ€ngere Zeit ungeöffnet bei mir stand. Beim Durchforsten fiel mir der Band auf, weil der Autor Pole war und ich einen ReprĂ€sentanten fĂŒr meine literarische Weltreise brauchte. Kurzerhand sollte das also Norwid sein. Doch nur wenige Seiten nach LektĂŒrebeginn wollte ich schon nicht mehr. Die ersten beiden Novellen erzĂ€hlen von Bekannten des ErzĂ€hlers, die kurz nach einer Begegnung sterben und der ErzĂ€hler betrauert den Freund und bedauert, dass er den Betreffenden zuvor nicht noch einmal sehen konnte. Doch so sehr diese Menschen dem ErzĂ€hler vielleicht am Herz gelegen haben, so kommt in den Novellen nichts davon bei mir an. Schlaglichtartig werden Namen, GesprĂ€chsfetzen und einige Details genannt - das war's.
TagebĂŒcher anderer Leute sind langweilig, finde ich, wenn sie so blutleer daherkommen und bei der LektĂŒre nur dem Schreiber nutzen. Bei dem werden tatsĂ€chlich Erinnerungen wach, bei mir erlahmte schnell das Interesse. Da rettet es auch nicht, dass Norwid in einem Abschnitt der zweiten Novelle erklĂ€rt, er habe Chopin gekannt und mehrfach in Paris getroffen. Auch ĂŒber den berĂŒhmten Komponisten erfĂ€hrt man nicht mehr als die Tatsache, dass Norwid ihn trifft, von einem Umzug Chopins in eine andere Wohnung erfĂ€hrt und kurz darauf ist auch Chopin nur mehr einer der verstorbenen Bekannten.
Also machte ich mich an die LektĂŒre der titelgebenden Novelle, aber auch die wĂ€rmte das Essen nicht mehr auf. Norwid erzĂ€hlt von Lord Singelworth, der zur damaligen Zeit Aufsehen mit seinem Fortbewegungsmittel erregt: Ein HeiĂluftballon, den er absolut regelmĂ€Ăig jeden Tag besteigt und damit quer durch Europa reisen soll. Nun kursieren freilich zahllose GerĂŒchte, warum der Lord einem so ungewöhnlichen Zeitvertreib frönt. Bis einige Herren um den tatsĂ€chlichen Grund wetten und unter FĂŒhrung von Norwid, dem neutralen Wettbeobachter, beim Lord vorsprechen. Doch der Lord bestĂ€tigt keine der wettenden Parteien, sondern trumpft mit einer ganz neuen Schrulle auf. Er hat eigentĂŒmliche Vorstellungen von Reinheit und der Ballon ist in seinen Augen das einzige Mittel, um diese Reinheit zu erlangen und zu bewahren. Das mag einst witzig oder belehrend gewesen sein, der Ballonfahrer mag aufsehenerregend gewesen sein und seine BegrĂŒndung fĂŒr die Fahrten ist hanebĂŒchen. Aber wieder eine ErzĂ€hlung, mit der ich gar nichts anfangen konnte.
Ein Buch also, das ich schnell wieder beiseitegelegt habe. Mögen sich andere Leute mit diesem Autoren befassen.