Menena Cottin - Das schwarze Buch der Farben

Kurzbeschreibung

»Das schwarze Buch der Farben« ist ein außergewöhnliches Bilderbuch. Die Farben werden mit einem Satz beschrieben: wie sie riechen, wie sie schmecken, wie sie sich anfühlen. Dieser Satz wird in Braille-Schrift wiederholt. Auf der anderen Seite sind die beschriebenen Dinge reliefartig abgedruckt und mit den Fingerspitzen erfühlbar. Ein Buch, das alle Sinne sensibilisiert und erahnen lässt, was es heißt, blind zu sein.


Rezension

Dieses Buch begleitete eine Ausstellung über 200 Jahre Braille-Schrift und fiel mir sofort ins Auge durch seine Ausstattung: Welcher Verlag würde ein schwarzes Buch mit schwarzem Aufdruck ins Rennen schicken? Doch: Gut gemacht! Zum Einen bekommt das Buch eine sehr edle Ausstrahlung und zum Anderen unterstreicht die Farbwahl das, was das Buch vermitteln möchte, nämlich eine Antwort auf die Frage, wie Blinde Farben wahrnehmen.

Die tolle Aufmachung verleitet gekonnt dazu, das Buch einmal in die Hand zu nehmen. Klassisch in Braille-Schrit verfasste Bücher habe ich als großformatige Kladden aus beigem Karton kennengelernt. Wenig reizvoll für einen Sehenden doch Cottins Gestaltung macht aus dem Buch ein Schmuckstück und lädt sofort zur Erkundung einer anderen Wahrnehmungswelt ein.

Ein Satz beschreibt kurz, was eine Farbe für einen Blinden bedeuten kann. Rot zum Beispiel als Farbe, die schmerzt, wenn sie aus dem Knie quillt. Schwarz fühlt sich an wie die langen Haare von Mutter, wenn sie einen in den Arm nimmt. Und Braun riecht manchmal schlecht. Der Satz ist parallel auf weiß lesbar und in Braille-Schrift tastbar. Auf der gegenüberliegenden Seite gibt matter schwarzer Lack, erhaben gedruckt, die Formen vor: Wellen für Mamas Haar, Erdbeeren oder Küken-Flaum. Ein vollständiges Braille-Alphabet am Buchende zeigt alle Buchstaben im Überblick.

Kaum zu glauben, wie sensibel Fingerspitzen sind - wenn man diese Fähigkeit wirklich nutzt oder nutzen muss. Mich hat das Buch absolut überrascht, denn der Lesetest fiel bei Braille-Schrift und Mustern ziemlich mager aus. Die Kunst, einzelne Punkte unterscheiden zu können, hat mich etwas Zeit gekostet. Dafür allerdings hat mir das Buch gezeigt, was ich dank meiner Augen wahrnehmen kann und welche alternativen Wege Sehbehinderte beschreiten. Die Farben sind alle da und doch sind sie es nicht; einzig Weiß hilft den Sehenden, sich über die Farbenwelt zu informieren. Farblos, aber fantasievoll. Das schwarze Buch der Farben ist, wie ich finde, hervorragend dazu geeignet, einen Einblick in das tastende Lesen der Blinden zu geben und die Optik des Buchs macht dieses Erfahren zu einem Erlebnis.

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: Fischer Schatzinsel
ISBN: 978-3-59685-305-2
Originaltitel: El libro negro de los colores
Erstveröffentlichung: 2006
Deutsche Erstveröffentlichung: 2008

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Es gibt für mich nichts Schöneres, als abends um halb neun mit einem Buch ins Bett zu gehen.

Emma Thompson

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