Paolo Roversi - Die linke Hand des Teufels

Kurzbeschreibung

Im idyllischen norditalienischen Dorf Capo di Ponte Emilia geschieht ein Mord. Dem Opfer wurde vorab als Warnung eine menschliche Hand geschickt. Die Carabinieri des Dorfes stehen vor einem Rätsel - denn die Hand wurde zuvor jahrzehntelang heimlich in einem Kühlhaus aufbewahrt. Der junge Mailänder Journalist Enrico Radeschi wird zu den Ermittlungen in seinem Heimatort hinzugezogen und stößt bald auf Hinweise, die ihn weit in die faschistische Vergangenheit des Dorfes zurückführen.


Rezension

Auf dem Dorf passiert nie was, deshalb ist Enrico Radeschi auch lieber in Mailand für die Reportagen über sämtliche spannenden Dinge des Lebens zuständig. Doch kaum hat er Urlaub, findet man just in seinem Heimatort Capo die Ponte Emilia eine abgehackte Hand in der Post. Urlaub hin oder her, der Chefredakteur weiß, wen er vor Ort hat und lässt Radeschi recherchieren. Dank seiner zahlreichen Bekanntschaften hat der Journalist recht schnell einen aufsehenerregenden Artikel beisammen. Als wäre das nicht genug, wird er schon bald nach Mailand zurückbeordert: Dort hat er in Gestalt des stellvertretenden Polizeipräsidenten Sebastiani einen sehr guten Freund, der ihn für eigene Ermittlungen einspannen will. In Mailand wurde eine junge Frau tot in einem Park gefunden und ein Restaurantbesitzer ist verschwunden. Und so pendelt Radeschi zwischen zwei Fällen und zwei Städten hin und her.

Flüssig geschrieben ist der Roman und er "flutschte" mir in einem Tag durch die Finger. Für einen richtig guten Krimi aber fand ich es zu hektisch. Radeschi jagt zwischen Capo und Mailand hin und her, mal pfeift ihn der Chefredaktuer wohin, mal Sebastiani. Da muss man auch als Leser dran bleiben, was nicht immer sofort funktioniert. Als wäre der Krimi nicht genug, macht Radeschis Freundin in seiner Abwesenheit Faxen. Hinzu kam, dass italienische Titel und Namen munter vermischt wurden, aber der im italienischen Polizeiwesen unbewanderte Leser eine Zeit brauchen dürfte, um herauszufinden, dass zum Beispiel der Comandante Boskovic gleichzeitig der Mareschiallo, oder kurz Marescià, ist - es hat auch mich ein paar Seiten gekostet.

Insgesamt bot sich ein rasch durchlebtes Abenteuer, das - gespickt mit chaotischem Ablauf - nicht allzu arg hängen bleiben wird. Für mich eine nette Unterhaltung nebenher, geüwrzt mit interessanten Informationen zur italienischen Geschichte im zweiten Weltkrieg, aber ein Muss wird die Serie nicht unbedingt.

Der Roman liest sich, als wäre er zwar der erste Radeschi-Krimi, der ins Deutsche übersetzt wurde, aber als wäre er bereits der zweite oder dritte einer Serie. Es gibt Bezüge zu Radeschis Vorgeschichte, in der er zum Beispiel bei einer Schießerei das Leben gerettet bekam und wie er einer Betrügerin das Handwerk legte. Das wäre interessant zu wissen.

P.S. ein paar Tage später: Ein Blick bei der krimicouch verrät, dass es in der Tat noch einen Radeschi-Krimi namens Blue Tango gibt, der wahrscheinlich die Handlung enthält, die ich in einem Vorgängerband vermutete.

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: List
ISBN: 978-3-54860-990-4
Originaltitel: La mano sinistra del diavolo
Erstveröffentlichung: 2006
Deutsche Erstveröffentlichung: 2011
Schauplatz: Italien

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Es gibt für mich nichts Schöneres, als abends um halb neun mit einem Buch ins Bett zu gehen.

Emma Thompson

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