Kathy Reichs - Totenmontag

Kurzbeschreibung

Hörbuch Tempe Brennan, forensiche Anthropologin in Montreal, wird an einem tristen Montagmorgen zu einem Fundort gerufen, der ihr das Blut in den Adern gefrieren lässt. Verscharrt in einem Kellergewölbe liegen die Leichen dreier junger Frauen. Nicht eine Gewebefaser, kein Fetzen Kleidung geben Aufschluss darüber, wann und warum diese Mädchen sterben mussten. Dank akribischer Ermittlungen und weiblicher Intuition kommt Tempe einem Verdächtigen auf die Spur.
gelesen von Hansi Jochmann


Rezension

Diese ist eine der Geschichten, bei denen man sich am Ende fragt, warum der Protagonist in seinem Beruf bleibt. Die Antwort ist wahrscheinlich: Genau deshalb. Zwar tappt Tempe Brennan lange im Dunkel, aber als klar ist, worum es sich bei den Leichen dreht, bekommt man Gänsehaut. Der Start in die Ermittlungen ist nicht einfach, denn die Knochen geben viel zu wenig Hinweise auf das, was mit ihnen passiert ist. Nur mit Hilfe eines externen Labors, das sich mit Altersanalysen auf 14C-Basis befasst, kann Tempe die Polizei davon überzeugen, dass die Skelette keineswegs "historisch" sind. Dennoch bleiben die Ermittlungen schleppend und nur durch nächtliche Internetrecherchen kann Tempe Hypothesen aufstellen und festigen.

Erst bei der fünften von sechs CD's fällt der Schlüsselbegriff, mit dem das Geheimnis um die Skelette ein Gesicht bekommt. Aber die Rätsel werden zunächst nicht weniger. Nicht zuletzt überrascht die Ermittler noch eine weitere, unerwartete psychologische Eigenheit - und die bringt Tempe in Gefahr.
Irgendetwas ahnte ich am Ende selber und wunderte mich sehr, dass sich Tempe Brennan am Ende reichlich unüberlegt ins Getümmel wirft. Da ist ein Hauch Unglaubwürdigkeit, zumal sie die Untiefen menschlicher Handlungen selber recherchiert hat und um die Lücken im Indiziennetz wusste.

Reichs gibt sich viel Mühe, die Arbeit von Tempe zu erklären und schickt sie zu Beginn beispielsweise als Sachverständige vor Gericht, wo sie ausführlich erläutert, was ihr Jobprofil bedeutet, was sie leistet und welche Ergebnisse ihre Arbeit zutage bringt. Auch während der Ermittlungen kommen immer wieder - bisweilen sehr lange - Passagen mit Erklärungen und Hintergründen. Mich hat es sehr interessiert, aber für einige werden solche Passagen viel zu langatmig sein: Sie bringen die Handlung nicht voran. Die Erläuterungen zum oben erwähnten Schlüsselbegriff, der eigentlich alles ins Rollen bringt, fallen im Vergleich dazu kurz aus, aber besser portioniert.

Die Stimme der Sprecherin passt gut zu Tempe. Auch ihr lapidarer Tonfall trifft's oft sehr gut: Distanzierte, antrainierte Ruhe, um trotz der Schauergeschichten einen kühlen Kopf zu bewahren, um zu vermeiden, dass die Realität viel zu sehr zusetzt. Die Lesart konnte aber auch zum Problem werden, denn einige Male wusste ich vor lauter Mangel an Betonung nicht, wer was spricht und ob bestimmte Sätze überhaupt laut gesagt oder lautlos gedacht wurden. Wirklich störend waren lediglich die langen Pausen zwischen den einzelnen Stücken, die fast schon glauben machten, die CD sei beendet. Insgesamt aber fast sieben Stunden gute Unterhaltung - irgendwann hielt ich es nicht mehr aus, auf Autofahrten zu warten und hörte den Krimi zu Hause auf dem Sofa zu Ende.

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: Random House Audio
ISBN: 3-898-30919-3
Originaltitel: Monday mourning
Erstveröffentlichung: 2004
Deutsche Erstveröffentlichung: 2004
Schauplatz: Montreal, Kanada

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Es gibt für mich nichts Schöneres, als abends um halb neun mit einem Buch ins Bett zu gehen.

Emma Thompson

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