Hansjörg Schneider - Hunkeler und der Fall Livius

Kurzbeschreibung

Hörbuch Der Basler Kriminalkommissär Peter Hunkeler wird mit einem Mord konfrontiert, der länderübergreifend zu einer sensiblen Sache für die Ermittlungsbehörden wird. In einer Schrebergartenanlage am Stadtrand von Basel, deren Boden auf französischem Hoheitsgebiet liegt, wird am Neujahrsmorgen eine männliche Leiche gefunden. Der Tote wurde erschossen, man fand ihn jedoch aufgehängt an einem Fleischerhaken am First seines Gartenhäuschens, so, wie Schlachter die Kadaver ihrer toten Tiere aufhängen. Die Basler Polizei kann vor Ort nicht ermitteln, dafür ist die französische Kriminalpolizei vom elsässischen Colmar zuständig. Bald stellt sich heraus, wer der Tote ist. Er ist Schweizer, wohnhaft in Basel, doch handelt es sich auch tatsächlich um den ermittelten Anton Flückiger? Spuren führen ins Elsass, aber auch in die behäbige Landschaft des bernischen Emmentals. Unvermittelt tauchen Ereignisse aus den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs auf, dessen Wunden im Elsass nicht verheilt sind...

gesprochen u.a. von Ueli Jäggi, Peter Kner, Charlotte Schwab und Hansrudolf Twerenbold


Rezension

Meine erste Rezension zu einem Hunkeler-Fall endete mit dem Fazit: "Überzeugt bin ich vom Flattermann nicht so richtig. Was mich unerklärlicherweise aber auch dazu provoziert, mit einem zweiten Hunkeler-Roman herauszufinden, wie die anderen Werke sind..." Nun war es endlich soweit und ich hatte einen zweiten Hunkeler-Fall in den Händen, diesmal als Hörbuch. Ob durch die Bearbeitung der Fall im Vergleich zum Buch gewonnen hat, kann ich nicht sagen. Aber ich weiß, dass Hunkeler wieder auf meinem Tisch landen wird und dass sich die zweite Chance gelohnt hat. Denn der Fall Livius hat mir sehr gut gefallen.

Hunkeler -in der Vergangenheit immer wieder mit den Vorgesetzten aneinandergeraten- ist freigestellt für besondere Aufgaben. Im Rentenalter ist er eigentlich ohnehin und genießt Silvester mit Freundin Hedwig in seinem elsässer Haus. Bis ein Anruf kommt, unpassend wie sonst selten im Jahr: In einer Kleingartenkolonie wurde ein Mann ermordet. Dabei gibt es zwei Besonderheiten. Zum einen wurde Anton Flückiger erst erschossen, dann an einem Fleischerhaken aufgehängt. Zum zweiten ist die Kleingartenkolonie zwar vorrangig an Basler Einwohner vermietet, aber sie liegt auf französischen Gebiet. Eine Zusammenarbeit mit der federführenden französischen Police Nationale ist nötig und ohne Reibereien geht das nicht ab.
Flückigers Vergangenheit gibt Rätsel auf: Könnte er ein SS-Mann sein, der im Elsass für den Tod von 18 jungen Männern verantwortlich war und der heute deswegen zur Verantwortung gezogen wird? Oder kommt der Täter aus der Schrebergartenkolonie? Flückiger hatte Schlag bei den Frauen weg und immer irgendeine Affäre oder Beziehung; sicher gibt es jemanden, dem eine Affäre zu viel war. Auch sonst herrscht Kleinkrieg - Ärger, der sich an Kleinigkeiten hochgestachelt hat. Es brennen Hütten ab, Nachbars Enten oder Kaninchen werden nächtens erschlagen und Grills verwüstet. Wie weit sind die Kleingärtner in ihrem Ärger womöglich gegangen?

Die schweizer Polizisten würden gerne selber ermitteln, dürfen aber nicht. Das vergrätzt einige von ihnen und die gemeinsamen Rapporte fallen stets durch Biestigkeiten auf; Kollege Madörin stänkert grundsätzlich und tut gleich gar nichts anderes. Die Franzosen sagen nicht alles sofort und noch dazu mischt sich ein ziemlich erfolgreicher Zürcher Boulevard-Journalist ein, der einige Erfolge noch vor der Polizei zu verzeichnen hat.
Solche Zwistigkeiten fand ich sehr gut präsentiert, lebensecht und nicht von einer meckernden Petze. Hunkeler reist zum Beispiel ins Emmental, hockt sich zu den Bauern in Flückigers Heimatort und kehrt mit nützlichen Informationen zurück. Bardet, der französischen Chefermittler jedoch beißt sich an den halsstarrigen Dörflern beim Telefonverhör die Zähne aus. Bardet stört sich ein wenig daran, dass Hunkeler auch im Elsass aktiv wird, kann aber nicht viel tun: Da Hunkeler dort ein Haus hat, lässt sich alles als Besuch in der Nachbarschaft erklären. Überhaupt retten Bardet und Hunkeler, die Genießer unter den Kommissaren, den Fall, weil sie sich bei manch einem gemeinsamen Essen absprechen und Unstimmigkeiten unter den Kollegen bei einem Glas Rotwein auffangen.

Der Fall Livius lässt ein wenig Geschichte Revue passieren: Am Beispiel des Geschehens von Bassersdorf bekommt der 2. WK noch einmal ein Gesicht, wie es die typischen Geschichtsfakten nicht vermögen. In der Region ist die Erschießung der jungen Männer zum Teil noch sehr präsent und die Erzählungen zeugen davon, dass der Schrecken noch immer sitzt. Details wie dieses machen den eigentlichen Schrecken für die Bevölkerung deutlich und erklären, warum vieles noch immer gärt.
Das Hörbuch gefiel mir zudem besonders gut, weil manchmal die Dialekte umgesetzt werden. Ausgerechnet die Schweizer aber sprechen wenig Mundart; da waren die Hörbuchmacher wohl zu vorsichtig, während die Elsässer öfter ihr Elsässisch sprechen durften - und ich aufpassen musste, sie auf Anhieb richtig zu verstehen. Das aber verpasst dem Fall Livius eine tolle Portion Authentizität.

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: Christoph Merian Verlag
ISBN: 978-3-85616-314-3
Erstveröffentlichung: 2007
Schauplatz: Basel, Emmental, Elsass

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