Richard Stark - Fragen Sie den Papagei

Kurzbeschreibung

Parker ist nach einem Banküberfall auf der Flucht, verfolgt von einer Meute Polizisten mit Spürhunden. Reiner Zufall, dass er auf Tom Lindahl stößt, einen Außenseiter mit Papagei, der ihm eine Fluchtmöglichkeit und ein Dach über dem Kopf bietet. In dem tristen kleinen Ort in Massachusetts schmieden die beiden einen nicht ungefährlichen Plan, und jeder, der diesem in die Quere kommt, scheitert an Parkers Skrupellosigkeit.


Rezension

Um dieses Buch schlich ich schon eine ganze Weile herum. Nachdem ich dem Buch nun erneut in kurzer Folge auf einer privaten Website und in der Bibliothek begegnete, musste ich es kurzerhand ausleihen. Kein Zweifel, es hat sich gelohnt und ich frage mich, warum ich manchmal so lange schleiche, wenn der Instinkt schon lange zur Lektüre rät.

Ohne Umschweife ist man schon auf der ersten Seite auf der Flucht. Parker flüchtet mit denkbar ungeeigneten Schuhen einen bewaldeten Hügel hinauf und läuft Tom Lindhal in die Arme. Der hat vom Banküberfall gehört, den Parker mit zwei Komplizen verübt hat und ist daraufhin in den Wald gefahren - weil er ernsthaft auf die Begegnung mit einem der Flüchtigen gehofft hat. Während die meisten Mensch eher versuchen würden, Leuten wie Parker aus dem Weg zu gehen, will Lindhal mit Hilfe eines Profiverbrechers einen Racheplan in die Tat umsetzen. Sein ehemaliger Arbeitsplatz, eine Rennbahn, soll um ihre Wochenendeinnahmen erleichtert werden. Parker improvisiert was das Zeug hält, denn Lindhal ist ein Laie mit einem fehlerhaften Plan und die anderen Ortsansässigen interessieren sich teils allzu sehr für den Gast, den der kauzige Einzelgänger Lindhal plötzlich aus dem Hut zaubert.

Parker wirkt über lange Strecken fast wie ein Gentleman-Gauner. Geradezu souverän beteiligt er sich an einer Suchaktion nach sich selbst, wohl wissend, dass ihn inmitten einer Horde hilfsbereiter Amateurpolizisten keiner vermuten würde. Auch die Tatsache, dass ihn gelegentlich Menschen erkennen, bringt ihn nicht ins Schwitzen. Keine unüberlegte Reaktion; er hält sie sich scheinbar spielend vom Hals, bis Plan B steht. Parker dirigiert die Einwohner von Pooley geradezu in seinem Schachspiel gegen die Polizei, weil er den harmlosen Mitmenschen mit seiner Durchtriebenheit weit überlegen ist. Er denkt voraus und sorgt dafür, dass seine Schachfiguren richtig ziehen.

Die etwas mehr als 250 Seiten des Buchs sind ungeheuer flott erzählt und ich habe selten ein Buch in der Hand, durch das ich förmlich durchrase, weil ich das Erzähltempo mithalten will. Übertreiben braucht Stark bei seiner Geschichte aber nicht, denn er schaft es, dass man ihm jede einzelne Person abkauft. Keine unwahrscheinlichen Wendungen, keine hahnebüchenen Zufälle, sondern schlicht eine Story mit Eigendynamik, die selbst Parker nicht komplett in der Hand hat. Parker kann auf seiner Flucht nur auf das reagieren, was ihm als Knüppel auf den Weg fällt; wenig vermag er selbst zu steuern. Das macht ihn für mich - Verbrecher hin oder her - zum Sympathieträger: Diese Fähigkeit, schnell zu reagieren und dabei mehrere Fallvarianten abzuschätzen, diese Aura des gewitzten Strategen, der in komplexen Situationen Ruhe bewahrt, besonnen seine Schritte wählt, um in sich verändernden Rahmenbedingungen ebenso besonnen seine neuen Ziele zu stecken.
Wäre da nicht die Abgebrühtheit und die Distanz im Umgang mit anderen Menschen. Er lässt sich auf niemanden ein, benutzt jeden einzelnen zu seinen Zwecken und auch, wenn er sehr dosiert und sparsam tötet, er tut es. Selbst, wenn man eine Begegnung mit Parker überlebt, bedeutet das noch lange nicht, dass man ungeschoren davon kommt. Eine Handovll Menschen läuft nach der Begegnung mit Parker regelrecht aus dem Ruder und verliert die Unschuld.

Die Reihe um den kriminellen Parker startete 1962 und machte nach 1974 lange 23 Jahre Pause. Von 1997 an gab es wieder neue Romane, die inzwischen peu à peu auf Deutsch erscheinen. Gut so, denn von Parker möchte ich gerne mehr lesen.

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: Zsolnay
ISBN: 978-3-55205-446-2
Originaltitel: Ask the parrot
Erstveröffentlichung: 2006
Deutsche Erstveröffentlichung: 2008
Schauplatz: USA
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