Richard Stark - Keiner rennt für immer

Kurzbeschreibung

Bankenfusion in einer amerikanischen Kleinstadt. Das schreit geradezu nach einem Überfall, findet Parker, und seine Komplizen sind derselben Ansicht. Doch von Anfang an ist der Wurm drin bei diesem Bankraub. Jeder will an das Geld, aber keiner hält sich an die Abmachungen, sodass der Aktionsplan ständig korrigiert werden muss. Ein schwieriger Job für Parker, der für Präzision berüchtigt ist, aber auch dafür, dass er keine Skrupel kennt und kein Erbarmen mit Pfuschern.


Rezension

Parkers neuer Job zerschlägt sich schneller, als er sich an jenem Tag angezogen hat. Ein heimliches Treffen mehrerer Verbrecher platzt, weil einer von ihnen Informationen nach außen bringen will. Zum Glück muss er nicht lange auf einen neuen Coup warten: Nick Dalesia weiß von einem lohnenden Geldtransport. Der Haken an der Sache ist nur, dass außer den Räubern alle weiteren Beteiligten Laien sind, die im Zweifelsfall wohl kaum die nötige Ruhe bewahren werden. Für diese ist Raub keine Einkommensquelle, sondern Rache, Chance oder Flucht. Und emotionale Motive bedeuten in der Regel nichts Gutes. Dennoch holen sich Parker und Dalesia den Teilzeitwirt McWhitney an Bord, um das Beste aus der Sache zu machen.

Parkers Spürnase trügt offensichtlich nie, denn die Probleme tauchen nicht nur schnell auf, sondern zum Teil auch in unterwarteter Form. Die Krimi-Couch vergleicht Parker mit einem Jongleur, der ohne Vorwarnung immer mehr Bälle in der Luft halten muss und wie ich finde, passt dieser Vergleich perfekt. Auf Informantenseite häufen sich Angst und unüberlegte Aktionen, nervöses Huschen und akute Rechtschaffenheit. Auf der gegnerischen Seite tummeln sich Kopfgeldjäger und verblüffend hartnäckige und clevere Polizistinnen. Parker und Dalesia, die eigentlich nur dann unterwegs sein wollen, wenn es nötig ist, müssen mehrfach spontan ausrücken, um ihre Mitwisser in der Spur zu halten. Diese unvorhersehbaren Brüche im Plan halten Parkers Raubzüge spannend.

Mich fasziniert bei Parker immer wieder, wie er sich jeder neuen Situation flink anpassen kann - und noch dazu in einer Art und Weise, die ihn später nicht in die Bredouille bringt. Er überlegt keine Sekunde, welchen Job er "ausübt", als die Polizei bei einer Mitwisserin auftaucht: Als Landschaftsarchitekt parkt er sein Auto selbstverständlich vor der Tür, ist aber nirgends zu sehen und kann irgendwann unauffällig verschwinden. Da spielt Stark eine Professionalität aus, die die Leser von so ziemlich jedem regulären Job kennen und die nun einen Mann erleben, der sie vollendet als Krimineller umsetzt. Zudem blickt Parker meist sehr schnell durch, auf wessen Konto Kurzschlussreaktionen gehen oder warum bestimmte Entscheidungen gefallen sind. Das hilft ihm natürlich bei seinen Ausweichmanövern.
Zum sympathischen Gentleman-Gauner macht Stark seinen Parker übrigens dennoch nicht. Sein Job ist harte, riskante Arbeit, absolut kein Traumberuf mit hohen Renditen. Parker tötet nicht oft, zögert aber keine Sekunde, wenn jemand wirklich zur Gefahr wird.

Nichts scheint ihn ins Schwitzen zu bringen, nicht einmal eine Polizeisperre. Parker bringt noch die Coolness auf, nach einem Schnellrestaurant zu fragen. Mehr davon! Für mich heißt das in diesem Fall, dass es mit "Das Geld war schmutzig" weiter geht, denn die letzten drei Parker-Bände bilden eine Trilogie (auch, wenn die Bücher grundsätzlich solo lesbar wären). Der Raub aus diesem Buch spielt in den kommenden zwei Büchern noch eine Rolle, bevor Parker leider von der literarischen Bildfläche verschwindet. Wer also ebenfalls Lust auf Parker und einen der späteren Titel im Auge hat, sollte sich diesen Band zuerst vorknöpfen.

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: dtv
ISBN: 978-3-42321-266-3
Originaltitel: Nobody runs forever
Erstveröffentlichung: 2004
Deutsche Erstveröffentlichung: 2009
Schauplatz: USA
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