Marjane Satrapi - Huhn mit Pflaumen

Kurzbeschreibung

Teheran, 1958. Nasser Ali Khan, ein sagenhafter Tar-Spieler und der Grossonkel von Marjane, will sterben, weil seine Frau im Streit sein unersetzliches Instrument zerbrochen hat. Er beschließt, sich hinzulegen und auf den Tod zu warten. Nicht einmal seine Lieblingsspeise, Huhn mit Pflaumen, kann ihn davon abhalten. Es vergehen acht Tage, bis sich Nasser Alis Wunsch erfüllt.


Rezension

Nasser Ali Khan hat einen ungewöhnlichen Wunsch: Er will sterben, weil sein Lieblingsinstrument im Streit zerbrochen wurde und kein ebenbürtiger Ersatz aufzutreiben ist. Acht Tage dauert es, bis der Tod ihn mitnimmt. In diesen Tagen erinnert sich Nasser Ali an verschiede Stationen in seinem Leben und auch Marjane erzählt aus ihrer Sicht vom Grossonkel, seiner Frau und seiner Familie. Selbst der Tod schaut vorbei und erklärt Nasser Ali, wie seine Arbeit abläuft.

Positive Erinnerungen vermag Nasser Ali in seinen letzten Tagen allerdings keine zu finden. Seine große Liebe Irane durfte er nicht heiraten, weil deren Vater einen Künstler und Musiker nicht als Schwiegersohn akzeptieren wollte. Während seine spätere Frau Nahid selig war, dass sie Nasser Ali heiraten durfte, war sie umgekehrt für ihn immer nur die Frau, die er auf Drängen der Eltern hin heiratete. Es kommt, wie es vielleicht kommen musste, er sagt Nahid im Streit auf den Kopf zu, dass er sie nie geliebt hat. So wie er etwas zerbricht, was ihr viel bedeutet hat, die Liebe zu ihrem Mann, zerbricht sie, was ihm wichtig ist: Sein Instrument. Nicht wissend, dass er damit immer dann am besten Musik spielte, wenn er sehsüchtig an Irane dachte. Damit nimmt das Unheil seinen Lauf.

Satrapi erzählt in einem plakativen Schwarz-weiß-Stil, der mich teils an Linolschnitte erinnerte. Daran musste ich mich, die selten Comics liest und von diesen wenigen andere Grafik kennt, erst einmal gewöhnen. Dafür passt der Stil aber gut zum missmutigen Nasser Ali, der sein Leben offensichtlich nicht besonders glücklich findet und - mit Ausnahme seiner Musik - auch sonst wenig Freude zu finden scheint. Seine drei Kinder findet er lärmig, die Frau ist ihm zu selbstbewusst und aktiv. Er erkennt aber nicht, dass sie das werden musste, weil sie Geld hinzu verdienen muss und ansonsten das komplette Leben der Familie regelt. Nasser Ali ist viel zu abgerückt von den alltäglichen Dingen, um seinen Beitrag leisten zu können. Satrapi findet sogar, dass es besser ist, dass er beispielsweise die zukünftige Entwicklung seines Sohnes nicht miterleben muss. Es wäre ihrer Meinung nach zuviel für ihn.

So poetisch Satrapi über die letzten Tage ihres Großonkels erzählt, so richtig mitgerissen hat mich die Geschichte trotzdem nicht. Nasser Ali ist mir zu depressiv und negativ an sein Leben herangegangen, als dass er mich rühren könnte.

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: Edition Moderne
ISBN: 978-3-03731-006-9
Originaltitel: Poulet aux prunes
Erstveröffentlichung: 2004
Deutsche Erstveröffentlichung: 2006
Schauplatz: Iran

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Es gibt für mich nichts Schöneres, als abends um halb neun mit einem Buch ins Bett zu gehen.

Emma Thompson

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