Hansjörg Schneider - Das Paar im Kahn

Kurzbeschreibung

Hörspiel Im Basler St. Johann-Quartier ist eine Frau ermordet worden, Aishe Aydin, eine sehr hübsche Türkin. Man hat ihr das Gesicht zerschlagen. Um den Hals trug sie ein exotisches Amulett, ein Paar im Kahn darstellend. Der alte Kommissär Hunkeler, eine Art Schweizer Maigret, glaubt nicht, dass es der eifersüchtige Ehemann war. Der verzweifelte Ehemann wurde gleich nach der Tat von der Polizei verhaftet und hat sich in seiner Zelle erhängt. Gegen den Willen der Staatsanwaltschaft und gegen die Überzeugung der Mehrheit seiner Mitarbeiter ermittelt Hunkeler weiter. Er hat keine vorgefasste Meinung und keine 'Theorie' zu diesem Mord, aber er befragt mit der ihm eigenen Eindringlichkeit und Ausdauer all die Leute, die mit der jungen Türkin Kontakt hatten. Und am Ende wird er -durch Zufall- den Mörder entlarven.

gesprochen u.a. von Franziskus Abgottspon, Ueli Jäggi, Peter Kner, Ernst Sigrist, Irina Schönen und Gilles Tschudi


Rezension

Hunkeler steigt in den Fall um die ermordete Aishe Aydin ein, als es eigentlich schon vorbei ist: Den Fall leitete der Kollege Madörin, der von Beginn an den Ehemann für den Täter hielt. Die Sache wird für Madörin, Staatsanwalt Suter und die anderen Kollegen klar wie Kloßbrühe, als sich Herr Aydin in seiner Zelle erhängt. Was sollte das anderes sein als ein Schuldeingeständnis? Hunkeler bleibt seinem Ruf treu, gegen den Strom zu schwimmen und fängt mit seinen Ermittlungen an, als die Akte geschlossen wird und in Madörins Aktenschrank verschwindet.

Wüsste ich nicht genau, dass das Paar im Kahn dem Kommissär Hunkeler in seinem dritten Fall begegnet und es noch eine ganze Menge Fälle mehr gibt, könnte ich fast glauben, es wäre einer seiner letzten überhaupt. Hunkeler gibt seinen Kollegen in diesem Fall so viel Gegenwind und steckt irgendwann einmal derart fest in der Bredouille, dass die drohende Frühpensionierung ausgemachte Sache zu sein scheint. Erschwert wird die Situation, als plötzlich Beamte der türkischen Botschaft auftauchen und unangenehme Fragen stellen. Damit geraten die außerplanmäßigen Fragereien endgültig in die Schusslinie und Hunkeler fängt schon von sich aus an zu überlegen, ob die Pensionierung nicht die schönere Wahl wäre.

Zwei Spezialitäten von Hunkeler sind - zugegebenermaßen - das Talent, Ermittlungsfehler zu riechen und abseits der offiziellen Spuren zu schnüffeln sowie das Talent, rechtzeitig Hilfe durch rettende Zufälle zu erhalten. Dieses Mal hatte ich zwar durchaus Gefallen an dem Hörspiel, die kräftige Portionierung von Zufall und Starrsinn aber fiel mir trotzdem negativ auf. Fünf Menschen sterben im Lauf der Geschichte, doch die Ermittler irren durch die Basler Gassen, ohne einen Schritt weiter zu kommen. Gelöst wird der Fall erst, als Hunkeler sich ein freies Wochenende ertrotzt und dabei (zufällig natürlich) auf die Lösung stößt. Wie sich herausstellt, kreuzen sich zwei Verbrechen, die die Basler Polizei kaum sortieren kann.

Immerhin denkt sich der Kommissär bei seinen kleinen Fragestunden seinen Teil, wenn die Gesprächspartner ihn über Aishe und ihren Mann informieren. Was andere da zu wissen glauben und wie sehr sie ihre eigentliche Ahnungslosigkeit über das fremde Ehepaar durch vorgefertigte Meinungen überspachteln, grenzt an Verleumdung. Hunkelers Gedanken zu einem Nussbaumtisch sprechen Bände (kleiner Tipp an spätere Hörer des Hörspiels). Wenigstens ist Hunkeler, wenn er seine Kollegen schon widerspenstig findet, im Groben und Ganzen nett, unvoreingenommen und offen seinen Mitmenschen gegenüber ...

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: Christoph Merian Verlag
ISBN: 978-3-85616-387-7
Erstveröffentlichung: 1999
Schauplatz: Basel / Schweiz

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