Eric-Emmanuel Schmitt - Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran

Kurzbeschreibung

Momo, gerade elf Jahre alt geworden, wächst ohne Mutter in der Rue Bleue in Paris auf - und hat auch bald keinen Vater mehr. Monsieur Ibrahim, der Gemischtwarenhändler in der Straße, nimmt sich seiner an, und von ihm lernt Momo, worauf es wirklich im Leben ankommt.


Rezension

Die Geschichte um Momo, einen Pariser Buben, startet mit einem spektakulären Satz: Der gerade Elfjährige knackt sein Sparschwein, um die Prostituierten des Viertels zu besuchen. Was wie eine frühreife Eskapade anmutet, entpuppt sich in Wirklichkeit als Flucht in eine andere Welt, in der Momo Liebe finden will (die er gar nicht anders definieren kann). Die Mutter hat er nie kennengelernt und der Vater vergräbt sich hinter seinen Büchern; ein staubtrockener Rechtsanwalt, der laufend von einem älteren, perfekten Bruder schwärmt und mit Momo nicht zurecht kommt. Aber Momo hat Glück und findet im "Araber um die Ecke", dem Gemischtwarenhändler Ibrahim, einen lebensklugen Tutor - der sich auch um Momo kümmert, als der Vater stirbt.

Die Geschichte insgesamt ist oft traurig, aber Schmitt nutzt eine lebendige Erzählweise, die zwar mitleben lässt, aber nie in Hoffnungslosigkeit endet. Die Erzählung teilt viele kleine Weisheiten fast nebenbei mit und erklärt das Leben auf eine sehr selbstverständliche Art. Zudem ist die Geschichte zeitweise doppelbödig - mitunter erst auf den zweiten Blick - und trotz aller kleinen Widrigkeiten beweist Ibrahim Momo, dass das Leben durchaus Pfiff hat und Überraschungen bereithält. Unter anderem lässt Schmitt Brigitte Bardot im Laden erscheinen, die von Ibrahim "abgezockt" wird, ohne Probleme, da er es charmant begründen kann. Ibrahim schafft es, Momo auf eine lebensnahe Art und kein bisschen "pädagogisch" offen für das Leben zu machen, etwas, was der in Erinnerungen und Theorien versunkene Vater nie auch nur annähernd geschafft hat (und der auch sein eigenes Leben irgendwann als sinnlos beendet).

Genau das hat mir am Buch gefallen: Dass es nicht belehrend daherkommt, sondern gelassen seine Geschichte erzählt und auf den erhobenen Finger völlig verzichtet. Das Nachdenken darüber bleibt jedem selber überlassen.

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: Reclam
ISBN: 3-150-09118-7
Erstveröffentlichung: 2001
Deutsche Erstveröffentlichung: 2003
Schauplatz: Paris, Türkei
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Es gibt für mich nichts Schöneres, als abends um halb neun mit einem Buch ins Bett zu gehen.

Emma Thompson

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