Baku Yumemakura - Gipfel der Götter 3

Kurzbeschreibung

Zum zweiten Mal ist der Fotograf Fukamachi in Katmandu, vorgeblich wegen der geheimnisvollen Kamera, die am Everest gefunden wurde. Hier in der Hauptstadt Nepals hält sich auch der legendäre Bergsteiger Habu Yoshi auf, der mit dieser Entdeckung in enger Verbindung zu stehen scheint. Aber geht es nur um die Kamera? Ist es nicht vielmehr die Faszination, die von dem wortkargen, leidenschaftlichen Alpinisten Habu ausgeht und der Fukamachi längst erlegen ist? Als dann auch noch die schöne junge Ryoko den beiden Männern nachreist, wird es wirklich kompliziert.


Rezension

Der dritte Band der Bergsteiger-Saga beginnt mit einem Rückblick in das Jahr 1924 und erzählt, was man über die Expedition von damals und den Gipfelversuch von George Mallory und Andrew Irvine weiß. Wie auch an einigen anderen Stellen in der Geschichte baut Taniguchi Grafiken ein, die gut erläutern, wo bestimmte Lager standen, wo man Irvines Eispickel gefunden hatte oder wo einzelne Felsstufen sind, die es auf der Route zu überwinden gilt. Erst dann geht es zurück in die 1990er Jahre und zu Fukamachis zweitem Besuch in Katmandu. Fukamachi versucht, die Personen wieder zu finden, die mit dem Auftauchen der alten Kodak-Kamera im Trödelladen zu tun hatten. Auf diese Weise trifft er Naradar Rasendra wieder, der die gewünschten Informationen hat und Fukamachi stellt fest, dass Rasendra inzwischen die richtigen Schlussfolgerungen gezogen hat: Er weiß genau um den Wert der Kamera. Und er ist nicht der einzige, wie sich zeigt. Als Ryoko in Nepal auftaucht, um sich der Suche nach ihrem ehemaligen Partner Habu anzuschließen, wird sie als Tauschmittel für die Kamera entführt.

Fukamachi weiß, dass Habus Gipfelversuch unmittelbar bevorsteht und macht sich (nach erfolgreicher Rettung Ryokos) auf den Weg zum Basislager. Unterwegs trifft er auf Daewa Zanbu, als Sherpa eine lebende Legende, der drei Mal auf dem Everest gestanden hatte. Zanbu hatte Habu bei seinen Vorbereitungen unterstützt und erzählt viele Details über Habus Vorbereitungen. Da Fukamachi seit der Begegnung von Habu und Rasendra ganz nah an der Auflösung zu der Frage steht, wie Habu Yoshi an die Kamera gekommen ist, lernt er von Zanbu nun Details dazu: Hätte man Habu die Kamera nicht gestohlen und wäre sie auf dem Markt nicht in Fukamachis Hände gefallen - nie hätte jemand davon erfahren. Denn zu Habus Vorbereitungen gehörte es nicht nur, sich unter falschem Namen als Sherpa bei Everest-Expeditionen zu verdingen, um Wetter und Berg studieren zu können und im Training zu bleiben. Er unternahm zudem Alleinbegehungen ohne Gipfelgenehmigung. Eine Enthüllung seiner Strategie hätte jeglichen Gipfeltraum für Habu runiniert. Habu muss die Kamera bei einer ungenehmigten Everestbegehung gefunden haben.

Jetzt, in der Mitte der Geschichte, wird endgültig deutlich, was Habu Yoshi ausmacht, wie er denkt und handelt. Der Eroberergeist in ihm brennt nach all den Jahren immer noch und er hat sich seit seinem Verschwinden 1985 penibel auf seinen großen Traum vorbereitet. Rasendra erkennt in Habu den Kampfgeist und den absoluten Willen. Er erkennt, auf was Habu verzichtet hat, um seine Jagd nach dem Absoluten möglich zu machen, was er alles hinter sich gelassen hat. Eine Besteigung des Everest ist und bleibt etwas Besonderes: "Es ist das größte Wagnis, das ein Mensch unternehmen kann. Man braucht dazu die Gunst der Götter. Denn man dringt in ihre Welt ein ... man legt sein Leben in ihre Hände." Ob man nun an Götter glaubt oder nicht, wer ein so großes Vorhaben plant, weiß nicht nur um die Bedeutung einer guten Vorbereitung, er weiß auch, dass es Demut braucht, das Wissen darum, dass das eigene Leben durch die Vorbereitung alleine nicht gesichert ist. Das ist wohl auch das Faszinierende an Habu Yoshi, der die bedingungslose Hingabe, das Unterordnen alles anderen, die Demut verkörpert wie kein anderer.

Die Serie ist und bleibt fesselnd. Sie erzählt in großartigen Bildern von der Faszination der Berge und der Extrembergsteiger, die sich absolut auf die Regeln am Berg einlassen. Der Leser kommt ebenfalls näher an die karge Landschaft und die Lebensumstände in den Hochtälern, es gibt so einige Einblicke in ihre Geschichte und man stellt fest: Das Leben in einer der faszinierndsten Regionen der Welt ist eines, das gleichzeitig am meisten abverlangt.

Für diese vielversprechende Kombination aus Grafik und verschiedenen Storyelementen erhielt die Serie 2001 beim Festival für Kunst und Medien des japanischen Kultusministeriums den 1. Preis für den besten Manga (und zu diesem Zeitpunkt wusste das Ministerium noch nicht, dass die Serie noch zulegen würde). Bis hierher hat die Geschichte übrigens einen so großen Sog entwickelt, dass ich tatsächlich unter einem Vorwand Zeit abzwackte, um mir schleunigst die letzten beiden Bände aus der Bibliothek besorgen zu können.

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: Schreiber und Leser
ISBN: 978-3-93710-286-3
Originaltitel: Kamigami no itadaki, 神々の山嶺, かみがみのいただき
Erstveröffentlichung: 2000-2003
Deutsche Erstveröffentlichung: 2007
Schauplatz: Japan, Nepal

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