Baku Yumemakura - Gipfel der Götter 4

Kurzbeschreibung

Acht Jahre lang hat sich Habu Yoshi auf seinen Alleingang auf den Everest über die Südwestflanke im Winter und ohne Sauerstoff vorbereitet. Er hat die Route bis ins kleinste Detail geplant, die Wetterverhältnisse am Berg studiert, an der Ausrüstung herumgetüftelt. Habu weiß, mit welchem Fuß er in eine Wand einsteigt, und mit welchem Fuß er oben ankommt. Jetzt ist es soweit. Der Fotograf Fukamachi Makoto hat immer wieder Habus Nähe gesucht und es tatsächlich erreicht, dass der ihm gestattet, Aufnahmen von seinem Gipfelversuch zu machen. Doch unter einer Bedingung: „Jenseits des Basiscamps treten wir nicht mehr in Kontakt.“ Und damit das ganz klar ist, setzt Habu hinzu: „Glaub ja nicht, dass ich dir helfe, wenn du in Schwierigkeiten gerätst. Und du kümmerst dich nicht um mich, wenn ich vor einer vereisten Wand im Seil hänge.“


Rezension

Der japanische Fotograf Fukamachi ist zu Fuß unterwegs ins Basiscamp am Everest. Die Winterbegehung von Habu Yoishi steht in diesem Jahr bevor. Da nur wenig Trekking-Gruppen unterwegs sind, wartet Fukamachi alleine auf der Fläche vor dem Khumbu-Eisbruch, wo sonst Dutzende von Expeditionszelten stehen. Am 28. November 1993 ist es soweit: Ang Tshering und Habu kommen ins Basislager und machen sich bereit.

Habu muss mit dem Abmarsch bis zum 1. Dezember im Basislager warten, damit sein Versuch als Winterbegehung zählt. Die Tage bis dahin verbringen die beiden Männer damit, sich intensiv über das Bergsteigen auszutauschen. Sie diskutieren eindringlich über den Sinn des Bergsteigens, seine Faszination. Sie besprechen die Ausrüstung, teilen ein in sinnvolles Gewicht und unnütze Dinge, die richtige Qualität von Unterwäsche. Habu verrät Fukamachi endgültig, wie er an die Kamera während eines Trainingsaufstiegs gekommen war und sie überlegen, ob mit Habus Fund bewiesen werden kann, dass George Mallory den Gipfel erreicht hat. Habu verzichtet auf den Ruhm, den ihm die Entdeckung der Kamera bringen könnte: "Sponsoren sind unwichtig, ebenso Geld, Ausrüstung, ein Team, Sauerstoff. Der Everest ist keine Vergnügungsreise. Schon gar nicht die Südwestflanke. ... Es ist eine Lebensaufgabe, die jahrelange Opfer erfordert. Große Körperkraft, solide Technik und Erfahrung, aber auch gute Kondition und Anpassung an die Höhe sowie hervorragende Kenntnisse des Everest und seines Klimas. Zusätzlich braucht man etwas, das unabhängig von allen menschlichen Bemühungen wirkt: Glück. Nur wenn all dies zusammenkommt, gelingt ein Aufstieg allein und ohne Sauerstoff, im Winter über die Südwestflanke."

Fukamachi erhält die Erlaubnis, Habu bei seinem Aufstieg zu fotografieren. "Fotografiere mich. Damit ich mich nicht verflüchtige." Eine nachvollziehbare Ansage, denn Habu weiß genau, auf was für ein Unterfangen er sich einlässt: Zu dem Zeitpunkt, als Autor Baku Yumemakura die Geschichte entwickelte, hatten sich seit 1969 bereits 23 Expeditionen aufgemacht, um die Südwestflanke in Angriff zu nehmen. Nur vier Bergsteigern war der Aufstieg gelungen, keiner aber kam vom Gipfel zurück.

Am 12. Dezember geht es nach einer Wetterverzögerung los, Habu und Fukamachi steigen auf. Damit beginnt der furiose Hauptteil der Saga. Für Fukamachi wird es eine enorme Belastungsprobe, sowohl an Habu halbwegs wegen der Fotos dran zu bleiben, geschweige denn, überhaupt mit den Strapazen der Winterbesteigung zurecht zu kommen. Die Höhe macht ihm zu schaffen, die großen körperlichen und psychischen Belastungen haben Konsequenzen. Das Wetter spielt letztlich auch nicht perfekt mit. Atemberaubend gute Bilder zeigen, was Fukamachi beim Aufstieg erlebt, wie er zweifelt, halluziniert, aufgeben will und doch weiter macht. Wie er den Vergleich mit dem einzigartigen Kletterer Habu sucht und daran fast zu scheitern droht. Diese intensive Auseinandersetzung mit den Grenzen menschlicher Fähigkeiten, bildlich hervorragend umgesetzt, setzt für mich in der bisherigen Titelfolge den vorläufigen Höhepunkt der Serie.

Band 4 endet mit einem bösen Cliffhanger; die Story unterbricht mitten in einem Gespräch, das Habu und Fukamachi im Biwak am grauen Turm auf rund 7500 Metern führen. Wer das Buch bis hierher gelesen hat, hängt schon lägst am Haken und wird umgehend mit Band 5 beginnen wollen. Mit der Story um Fukamachi und Habu läuft es letztlich im übertragenen Sinn so wie beim Bergsteigen: "Wer einmal auf Leben und Tod in einer Wand gehangen hat, wer davon gekostet hat, für den schmeckt alles andere schal."

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: Schreiber und Leser
ISBN: 978-3-93710-290-0
Originaltitel: Kamigami no itadaki, 神々の山嶺, かみがみのいただき
Erstveröffentlichung: 2000-2003
Deutsche Erstveröffentlichung: 2008
Schauplatz: Japan, Nepal

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