Patrick Quentin - Puzzle für Schwindler

Kurzbeschreibung

Theaterregisseur Peter Duluth und seine Frau Iris müssen einen Mord im Haus einer reichen Amerikanerin aufklären. Lorraine hat in ihr Haus für ein versöhnliches Wochenende geladen: Unter ihren Gästen befinden sich gleich drei Ehefrauen sowie deren Männer, von denen sie sich jeweils scheiden lassen wollen. Der Plan der selbst glücklich verliebten Lorraine, von ihrem Glück den anderen abgeben zu können, scheitert allerdings schrecklich. Innerhalb kürzester Zeit gibt es unnatürlich viele Tote. Die Duluths haben alle Hände voll zu tun, um dem Täter das Handwerk zu legen.


Rezension

Der zweite Weltkrieg verschlägt den Regisseur Peter Duluth und seine Frau Iris nach Kalifornien. Auf dem Broadway gab es nicht mehr gar so viele Engagements für Iris und so sagte sie Hollywood zu. Während Peter Duluth mit der Marine monatelang auf See war, wurde Iris zum Filmstar. Nun liegen zwei Wochen Urlaub vor ihnen, die sie mit einer Einladung der Millionärin Lorraine Pleygel beginnen wollen. In deren Anwesen am Lake Tahoe hoffen sie auf Entspannung und Ruhe. Doch Lorraines skurrile Gästeauswahl macht der Ruhe einen Strich durch die Rechnung. Sie hat nicht nur drei scheidungswillige Damen eingeladen, sondern deren Noch-Ehemänner gleich mit dazu. "Einfach himmlisch", die Idee, dass sich alle wieder versöhnen und auf Wolke Sieben schwebend wieder abreisen könnten.

Bereits das gemeinsame Frühstück von Dorothy Flanders mit Peter und Iris Duluth reicht allerdings für das Wissen, dass Flanders sehr viele Feine haben dürfte und dass sich um ihren Tod niemand grämen wird. "Nach fünfzehn Minuten mit ihr fragte ich mich, wie sie es all die Jahre über geschafft hatte, stets knapp einem Steakmesser zu entgehen." Flanders wird den ersten Ausflug der Gruppe nicht überleben und dass um die Vergiftungssymptome nicht viel Federlesens gemacht wird, lassen die meisten Gäste stillschweigend geschehen. Dorothy Flanders kannte einige der anderen Gäste bereits zuvor und die Details, die vom Noch-Ehemann bzw. Witwer nachgereicht werden oder über ihre Affären bekannt werden, lassen fast Dankbarkeit bei den Betroffenen aufkommen. Hätte es keine weiteren Todesfälle gegeben, wäre das Wochenende vermutlich anders zu Ende gegangen und trotz ihres Gerechtigkeitssinns wären die Duluths vielleicht nicht eingeschritten. Sie greifen umso beherzter ein, als am darauffolgenden Abend erneut eine Tote gefunden wird. So viele Zufälle kann es nicht geben.

Leicht werden ihnen die ersten Schritte aber nicht gemacht. Lorraine Pleygel ist eine herzliche Gastgeberin, die vor lauter Geld keine Probleme zu kennen scheint und das in jeder Hinsicht. Jedes Zimmer im Haus wurde von einem anderen Innenarchitekten gestaltet, an Geld fehlt es also auch in Kriegszeiten nicht. Kleine Konflikte werden von ihr mit bedingungsloser Lebensbejahung sofort unterdrückt, indem den frustrierten Geistern umgehend eine neue Ablenkung präsentiert wird. Wenn es zwischen den Scheidungsgegnern rappelt, geht es schnell zum Roulette nach Reno, zum Baden an den Lake Tahoe oder zum Mitternachtsplantschen in den Pool. Lorraine scheint sich nicht einmal dann schockieren zu lassen, als sich die Todesfälle innert weniger Tage häufen. Für sie ist das Leben eine riesige unkomplizierte Spielwiese und für alles muss es folglich eine unkomplizierte Erklärung geben. Es dauert eine Weile, bis die Duluths bei so viel Naivität den Besuch der Polizei durchsetzen können.

Die Charaktere in diesem Roman sind ebenso vielfältig wie gut facettiert: Die überkanditelte Millionärin, der skrupellose Vamp, die verräterisch kalten Augen der sanften Nymphe oder die sich treu ergebenen, aber sprachlosen Eheleute, die sich wegen fehlendem Mutes fast zur Scheidung treiben lassen. Eingebettet in eine Atmosphäre, die an den Humor vom dünnen Mann von Dashiell Hammett erinnert. Erzählt wird diese Geschichte aus der Sicht von Peter Duluth, der seine berühmte Frau nicht nur ohne Reporteraufgebot, sondern auch lebend aus diesem Wochenende bringen möchte. Wie dankbar ist er, als endlich die Polizei eintrifft und Inspektor Craig sich seiner Unterstützung versichert. Nicht natürlich, ohne Iris aufs Zimmer zu schicken, weil sie eine Frau ist. Und doch müssen sich die beiden Männer am Ende ausgerechnet von ihr erklären lassen, wer hinter der verworrenen Geschichte die Fäden gezogen hat. Es ist Iris mit einem finalen Kniff, die ein letztes Verbrechen verhindern kann.

Quentin führt mit eleganter Leichtigkeit durch dieses Puzzle aus Hinweisen, falschen Fährten, Indizien und schlechten Beziehungen. Er skizziert wunderbar eine Gesellschaft, die sich weit weg vom Weltkrieg und seinen Auswirkungen glauben möchte. Peter Duluth und besonders Bill Flanders zeigen die Kehrseite der Hochglanzgesellschaft, die Lorraine Pleygel quasi von Natur aus und Iris Duluth so perfekt inszeniert darstellen. Dieses Miteinander paralleler Welten und Lebensentwürfe so nahtlos im Wochenendhaus zu kombinieren, macht die Faszination des Titels aus. Patrick Quentin gehört zu den Klassikern und Gesellschaftschronisten, die eine Wiederentdeckung wert sind.

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: Diogenes
ISBN: 3-257-22797-3
Originaltitel: Puzzle for Wantons
Erstveröffentlichung: 1938
Deutsche Erstveröffentlichung: 1949
Schauplatz: Reno

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Es gibt für mich nichts Schöneres, als abends um halb neun mit einem Buch ins Bett zu gehen.

Emma Thompson

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