Schreib den ersten Satz so,
dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will.
William Faulkner
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ISBN-10: 3-442-45627-4 |
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Die junge Alice Jones lebt seit dem Selbstmord ihres Verlobten Lenny zurückgezogen auf dem Land in Oxfordshire. Bis Lennys ehemaliger Partner plötzlich bei ihr auftaucht und sich einquartiert. Eine vage Bedrohung geht von ihm aus, die Alice zunehmend in Angst versetzt. Als auch noch das Skelett einer jungen Frau gefunden wird, deren Identität Alice zu kennen glaubt, verdichtet sich die Bedrohung zu einer tödlichen Gefahr.
Originaltitel: Hello bunny Alice (2003)
Deutsche Erstveröffentlichung: 2004
Schauplatz: Oxfordshire, GB
Alison Conway arbeitet als Serviererin "Bunny Alice" in einem Londoner Klub. Während ihrer Zeit dort verliebt sie sich - zunächst nicht ahnend, dass der Traummann Lenny Maxted, ein bekannter TV-Entertainer ist. Die beiden werden ein Paar; die Beziehung steht unter keinem guten Stern, denn Lenny ist Alkoholiker. Nach einem Streit verlässt Alice ihren Freund, um ihn nur wenig später bei einer besorgten Suche tot in einem Cottage zu finden.
Nach einer gescheiterten Ehe lebt sie inzwischen zurückgezogen als Alice Jones auf dem Land. Eines Tages stellt die Post einen anonymen Brief mit einem Zeitungsausschnitt über einen Leichenfund zu. Für Alice ist klar, wer die Leiche ist: Eine Ex-Kollegin, die sich damals an Lenny herangemacht hat. Kurz darauf steht Lennys ehemaliger Partner Jack Flowers vor der Tür. Um der alten Zeiten willen lässt Alice ihn bei sich übernachten, obwohl sie ein ungutes Gefühl hat. Jacks Benehmen und seine Erklärungen verstärken das Unbehagen, aber Alice versucht zu spät, wieder Herrin im Haus zu werden.
Für den Leser ist nur klar, dass Alice ins Chaos stürzen wird, ohne zu wissen wieso. Jack trinkt zu viel Alkohol, nimmt Medikamente und wird für Alice zu einer Wiederbegegnung mit allem, was sie in der Beziehung mit Lenny schon erleben musste: Emotionale Achterbahnfahrten mit Prügeln und Phasen sentimentaler Entschuldigungen. Sie findet heraus, dass Jack sich heimlich im Haus umsieht und ihre Post abfängt, in der noch mehr Zeitungsausschnitte auftauchen.
In einem Zusammenschnitt aus Erinnerungen und aktuellem Geschehen puzzelt sich im Lauf des Buchs eine Tragödie zusammen. Lenny will seinen Job sehr gut machen und weil es nun mal ein Bühnenjob ist, nimmt er dessen Annehmlichkeiten gerne mit. Die umschwirrenden Mädchen teilt er sich mehr oder weniger mit Jack. Der wiederum identifiziert sich mit dem lockeren Lebensstil, der Prominenz und ordnet sich das Leben so, wie es für ihn die meisten Wünsche erfüllt. Dazu gehört auch seine Frau Val, die während einer Affäre mit ihm schwanger wird und im Gegensatz zu anderen Mädchen einen Vater hat, der den Braten rechtzeitig riecht und Jack zur Hochzeit zwingt. Nun ist Val zwar objektiv versorgt, aber für Jack ist sie nur das Alibi, wenn eines seiner Spielchen zu weit geht.
Erst mit dem Auftauchen von Alice wackelt das eingefahrene Team, denn Lenny und Alice wollen ganz offensichtlich gemeinsam und deutlich familiärer leben. Alice muss sich Jack vom Hals halten, der sich auch Alice mit Lenny teilen will; Lenny kommt nicht wirklich aus seiner Spur raus. Alices Job sorgt dafür, dass ihre Beziehung und ihre Gefühle ohnehin nicht sonderlich ernst genommen werden. Sie nimmt zwar durchaus das eine oder andere Bonbon des Londoner Lebens mit, bleibt aber insgesamt recht bodenständig.
Wilson beschreibt, wie ich finde, sehr gut, wie sich die Hilfsbereitschaft von Alice langsam aber sicher in einen Alptraum für sie verwandelt. Manchmal fragte ich mich wirklich, warum Alice Jack nicht härter anpackt und vor die Tür setzt. Aber sie tut es nicht, weil es sich um Jack dreht, den besten Freund ihres geliebten Lenny. Lenny versuchte sie damals schon aus dem Schlamassel zu helfen und Jack spielt ebenfalls den Hilfsbedürftigen, bis es zu spät ist. Die Gutmütigkeit kennt Jack noch gut genug und nutzt sie aus. Irgendwann wird auch klar, warum das Buch um 1970 spielt; 2003, als das Buch geschrieben wurde, hätte die Konstellation nicht mehr funktioniert.
Am Ende bleibt das Buch fesselnd, aber ich trage auch nach zwei Tagen noch die Frage mit mir herum, ob das Finale nicht zu dick geraten ist. VerblĂĽffend viele Tote insgesamt, verblĂĽffend viele Ausraster. Dennoch guter Lesestoff.