Glaub ja nicht, Leser, dass dieses Buch dich aus den Augen verliert.
unbekannt
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ISBN-10: 3-492-04198-1 |
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Am Morgen des Tages, an dem Lajos zurückkehren soll, geht Eszter in den Garten, um Dahlien zu pflücken, die sie in Vasen auf der Veranda und im Salon arrangiert.
Zwanzig Jahre ist es her, dass er mit seinem unverschämten Charme, seiner betörenden, so unberechenbaren Präsenz die ganze Familie in Bann geschlagen hatte: Ihren Bruder Laci, die Schwester Vilma und am leidenschaftlichsten sie selbst - Eszter. Bis heute ist Lajos ihre einzige große Liebe geblieben, und bis heute ist sie unheilbar verletzt darüber, dass er damals spontan Vilma und nicht sie geheiratet hat. Nun aber taucht er wieder auf, dieser verführerische Lügner im weißen Leinenanzug, und mit ihm drei geheimnisvolle Briefe, die eine schreckliche Wahrheit zutage fördern.
Originaltitel: Eszter hagyatéka (1939)
Schauplatz: Ungarn
Marai erzählt von einer großen, starken Liebe; so stark, dass sie auch nach zwanzig Jahren noch ihre volle Kraft entfaltet. Wie romantisch, scheint es. Aber weit gefehlt! Diese Liebe sorgt ausschließlich für Zerstörung und hinterlässt nichts, aber auch gar nichts Positives.
Eszter lebt zwanzig Jahre nach der überraschenden Heirat von Lajos und Vilma mit der alten Nunu zusammen in dem Haus, das ihr Vater ihr hinterlassen hat. Die beiden sind arm und leben von dem, was der Garten unter den Händen von Nunu hergibt und von dem, was Eszter unter anderem als Klavierlehrerin bekommt. Sie hat zwei Heiratsanträge ausgeschlagen, in der gärenden Hoffnung, Lajos könnte zu ihr zurück kommen. Lajos kommt in der Tat und die Kommentare der weisen Nunu warnen: Sie ahnt, dass Lajos in der Lage ist, während der kurzen Zeit seines Besuchs wieder kräftig Unruhe zu stiften. Sie ahnt, dass der rücksichtslose Opportunist dieselbe Wirkung entfalten wird, wie vor zwanzig Jahren.
Eszters Geschichte ist durch den Verlust ihrer großen Liebe ohnehin bitter und beim Erscheinen Lajos' erfährt sie von einem bösen Verrat ihrer Schwester. Lajos stellt unverblümt Forderungen und auch Éva, seine und Vilmas Tochter, scheut sich nicht, ihre Forderungen der fast unbekannten Eszter zu überbringen. Beide setzen Eszter unter Druck, sie sei für alles, was geschehen ist, verantwortlich.
Das Buch steckt voller Leidenschaft und doch kann man sie nicht genießen. Eszter kann und will nicht Nein sagen und geht mit offenen Augen in eine ärmere und ungewisse Zukunft; Lajos ist ein Spieler, der sein Leben leichtfüßig als Abenteuer sieht und nie Verantwortung gelernt oder begriffen hat, weder für sich noch für andere. Nur eines hat er begriffen: Wen er zu seinen Gunsten beeinflussen kann und wie er es anfangen muss. Eszter und Lajos sind beide auf ihre Art schwach; Lajos aber ist klug genug, von seiner Schwäche abzulenken und andere dafür zur Rechenschaft zu ziehen. Und Eszters Schwäche ist, dass sie alles ergeben erträgt.
Die Geschichte ist ungeheuer traurig und hoffnungslos, aber so gut erzählt, dass ich das Buch vor seinem Ende nicht aus der Hand legen wollte. Nur Nunu versteht Eszter am Ende; ich werde Eszter nie verstehen.