Glaub ja nicht, Leser, dass dieses Buch dich aus den Augen verliert.
unbekannt
|
ISBN-10: 3-492-27045-X |
Über den Autor Bestellen bei |
"Kein einziger Augenzeuge, aber siebzigtausend verdammte Ohrenzeugen!" Die Polizei in der nordschwedischen Kleinstadt ist ratlos, als der Produzent des beliebten Frühstücksfunks bei laufender Sendung ermordet wird. Es gibt keine Spur von einem Täter, dafür aber jede Menge Tatmotive. Schließlich hätten manche aus dem skurrilen Redaktionsteam gute Gründe gehabt, dem selbstbewußten Frauenhelden den Tod zu wünschen. Und das Praktikum, das die junge Stockholmerin Malla in der Redaktion des Lokalsenders macht, verspricht spannender zu werden, als sie jemals erwartet hätte.
Originaltitel: Tyst! Du är död! (2001)
Deutsche Erstveröffentlichung: 2003
Schauplatz: Schweden
Groß ist Mallas Praktikumsplatz zwar nicht, aber gerade dieser Mikrokosmos könnte unterschiedlicher nicht zusammen gesetzt sein. Gerade zehn Kollegen hat Malla bei Radio Nordost und das reicht, um für richtig dicke Luft zu sorgen. Schwer zu erklären, was eigentlich in der Luft liegt. Aber Malla hat ohnehin andere Probleme, denn Bengts Lieblingarbeit ist es, die "faulen und nutzlosen Praktikanten" zu Außenreportagen bei minus siebzehn Grad vor die Tür zu schicken. Also rettet sie sich vor den Praktikantenschinder-Aufgaben von Bengt mit dem Tippen von Emails an ihren guten Freund Jonas; denn Tippen sieht nach intensiver Arbeit aus. Die Stimmung kippt, als eines Morgens der Produzent Richard Malmström während einer Livesendung erschlagen wird - ein Locked-Room-Mystery ist geboren. Richard saß alleine im Studio, doch die Tür konnte von drei Personen eingesehen werden. Man findet Blutspuren, aber niemand scheint sie hinterlassen zu haben.
Das gesamte Buch wechselt von Kapitel zu Kapitel die Erzählperspektive. Oft sind es Emails von Malla an Jonas, in denen sie von ihrer Arbeit berichtet. Der zweite Erzähler ist Haqvin, der Musikredaktuer des Senders. Er sitzt in einem gläsernen Büro und versteht es, speziell für seine Kollegen die richtige Musik zu deren Stimmungen auszusuchen. Mitunter sitzen sie bei ihm im Büro und lassen sich von Haqvin mit der passenden Musik beruhigen. Haqvin kann noch mehr als Stimmungen erkennen, er liest auch Gedanken. In letzter Zeit empfängt er mit seiner Gabe bitterböse Gedanken - aber von wem? Weitere Informationsquellen sind Zeitungsausschnitte, Mitschriften von Tonbandaufnahmen oder Mallas Tagebuch.
An das Spiel der Erzählperspektiven habe ich mich schnell gewöhnt. Aber ich fand die Methode gleichermaßen originell wie auch im Maß etwas überrissen. Mit dieser Patchwork-Methode allerdings gelingt es, ein richtiges Puzzle zu entwerfen. Von Malla erfahre ich etwas, nach Haqvins Kommentaren denke ich mir meinen Teil und nach einem Zeitungssausschnitt dämmert's richtig. Am Ende liefert Mazetti eine Wendung ab, die Sein und Schein noch einmal gründlich auf den Kopf stellt.