Glaub ja nicht, Leser, dass dieses Buch dich aus den Augen verliert.
unbekannt
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ISBN-10: 3-257-22759-0 |
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Mord, Selbstmord oder Unfall? Wenn es in einer der ältesten Adelsfamilien von Florenz einen Toten zu beklagen gibt, kann es nichts anderes als ein Unfall gewesen sein. Ein Selbstmord würde den Ruf der Familie ruinieren und den Verlust der dringend gebrauchten Versicherungssumme zur Folge haben. Wachtmeister Guarnaccia glaubt aber nicht, daß das, was im Palazzo Ulderighi geschehen ist, ein Unfall war. Doch darf er nichts von seinem Verdacht verlauten lassen, will er seine Stelle nicht riskieren.
Originaltitel: The Marshal makes his report (1991)
Deutsche Erstveröffentlichung: 1995
Schauplatz: Italien
Die Ulderighi blicken auf neunhundert Jahre Familiengeschiche zurück. Die Marchesa strotzt deshalb nur so vor Standesbewusstsein und hält im Palazzo verbissen an ihren Traditionen fest. Wachtmeister Guarnaccia kommt zufällig vorbei, als gerade der Ehemann tot gefunden wurde und er muss die Nachricht überbringen. Der offensichtliche Selbstmord ist in den Augen Guarnaccias nicht so astrein, wie es aussehen soll. Aber die eiskalte Marchesa ist mit dem Oberstaatsanwalt befreundet und daher steht das Ergebnis fest: Es muss ein Unfall gewesen sein. Guarnaccia, ein kleines Rädchen im Polizeigetriebe, ist aus diesem Grund genau die richtige Person, um so einen einfachen Fall schnell abzuschließen. Aber der misstrauische Wachtmeister forscht auf eigene Faust ein wenig nach. Guarnacci hält sich auf seinem Weg an die einzigen Leute, die ihn - im Gegensatz zu den adligen Palazzo-Bewohnern und ihrem Personal - ernst nehmen: Die Mieter im Palazzo Ulderighi, die aus Geldmangel notgedrungen aufgenommen werden mussten. Und kaum sickert durch, dass jemand die Sache nicht auf sich beruhen lässt, kommt Hilfe aus ungeahnter Richtung.
Mit den Ulderighi möchte man nicht einmal entfernt etwas zu tun haben, so rücksichtslos versucht die Marchesa, die Familie getreu ihrer historischen Bedeutung an der Spitze der Gesellschaft zu halten. Dabei klebt die Gute nicht nur an der mittelalterlichen Pracht, sie klebt auch an mittelalterlichen Lösungen, um sich in ihrem Feudalsystem zu halten. Eine ihrer rigidesten Lösungen kommt am Ende ans Licht und die lässt einen schütteln.
Das Buch ist schön ruhig erzählt und auch reichlich traurig. Nur wenige Leute brauchen die Marchesa nicht zu fürchten und ausgerechnet die Familienmitglieder zählen nicht dazu. Selbst die Marchesa kann einem fast Leid tun, wie sie in ihrer selbst geschaffenen Zeitkapsel gefangen ist.
Einer wie Guarnaccia ist mir bisher noch nicht begegnet. Ein leicht trottelig wirkender Polizist, der an seine Ängste denkt, dem Ermittlungen durchaus zuwider sind. Guarnaccia hätte eigentlich jeden Beruf haben können; dass er Polizist geworden ist, war wohl einfach eine Möglichkeit, die da war - keine, die er unbedingt wollte. Und so tut er seinen Dienst zwar ordentlich und gewissenhaft, aber man wird den Eindruck nicht los, dass er in einem anderen Beruf vielleicht besser aufgehoben gewesen wäre. Schön, dass er auf diese bemerkenswerte Art von seinen literarischen Kollegen abweicht.