Glaub ja nicht, Leser, dass dieses Buch dich aus den Augen verliert.

unbekannt

Das Buch

Jacques Berndorf - Die Raffkes

ISBN-10: 3-894-25283-9

Über den Autor
• auf den Seiten von Bleisatz
• auf der Autorenwebsite

Bestellen bei
Amazon

Kurzbeschreibung / Klappentext

Auf Bitte von Tante Ichen verabredet sich Jochen Mann, Staatsanwalt für Jugendkriminalität, zu einem informellen Gespräch mit Walter Sirtel. Worum es geht? Tante Ichen kann oder will es nicht sagen. Mann weiß nur, dass Sirtel ebenfalls Jurist und Politiker ist. Mann macht sich auf den Weg zu einem Treffen - und erreicht einen Schauplatz, auf dem soeben eine Katastrophe stattgefunden hat. Im fraglichen Restaurant ist eine Bombe hochgegangen, es gibt zahlreiche Tote und Schwerverletzte, es herrscht das reinste Chaos. Wenigstens ist dem israelischen Botschafter, der ebenfalls hier zu Gast war und dem vermutlich der Anschlag galt, nichts passiert. Allerdings ist Sirtel unter den Opfern. Mann trifft auf Kriminalrat Ziemann, der den jungen Staatsanwalt eigenartigerweise sofort in die Ermittlungen mit einbezieht. Ziemann ist sich bewusst, dass er den Fall schnell wieder los sein wird, weil die Amerikaner und die Israelis ihn für sich beanspruchen werden. Und der Kriminalrat ahnt, dass nicht der Botschafter das eigentliche Ziel der Bombe war. Wenig später ist Ziemann tot, angeblich Selbstmord. Der Staatsanwalt verbeißt sich in den Fall und merkt nicht, dass er längst in ein Geflecht aus Bankgeschäften und Politik eingedrungen ist, in einen Sumpf aus Korruption, Betrug, Erpressung und Mord.

Erstveröffentlichung: 2003
Schauplatz: Berlin

Mein Leseeindruck

Jochen Mann ist gut erzogen, gut geschult und bei der Staatsanwaltschaft für Jugendkriminalität zuständig. Daher erstaunt es ihn ungeheuer, dass ihn Tante Ichen zu einem Gespräch mit dem Juristen Sirtel bittet, der für ein Bankhaus arbeitet - überhaupt nicht seine Sektion und Sirtels Sohn passt auch schon lange nicht mehr in das Raster von Manns Abteilung. Doch Sirtel stirbt am Abend des Treffens bei einem Bombenanschlag. Mann verschafft sich als Staatsanwalt Zutritt und steckt plötzlich mittendrin: Tatortanalyse und Bestandsaufnahme. Ziemann, der Mann von der Kripo, adoptiert Mann für seine Arbeit und bekommt dafür sogar das OK von Manns Chef. Seltsam! Aber die Arbeit beginnt, Mann zu interessieren und je mehr Unstimmigkeiten er findet, desto intensiver macht er mit. Dafür trifft er sich sogar mit einem Boss aus der halbseidenen Welt Berlins, mit dem alle möglichen Mächtigen zu tun haben, mit dem sich aber keiner sehen lassen will.

Das Buch war rasant, die bösen Überraschungen häuften sich und einer der Strippenzieher schien mehr und mehr die Nerven zu verlieren. Jochen Mann entwickelte sich in kurzer Zeit zum lonely cowboy, der statt Aktendreikampf mit dem Revolver umzugehen lernte, Einbrüche verübte und sich allzu intensiv ausgerechnet mit einer Hauptverdächtigen befasste. Und die resolute Tante Ichen mischte ohne große Fragen immer wieder mit, wo sie konnte und stellte ihren Neffen Jochen genau den mächtigen Bankern vor, die vermutlich die Auslöser der ganzen Misere waren.

Doch kaum hatte ich das spannende Buch zugeklappt, nagten die Zweifel. Jochen wird in drei Tagen vom Aktenwälzer zum Superermittler? Jochen bekommt einfach so von jetzt auf gleich die Gelegenheit vom Chef, seine Sonderaufgabe wahrzunehmen? Ausgerechnet der Ahnungslose findet alle losen Enden? Irgendwo stiftet Berndorf Verwirrung mit einem Immobilienhai, der nahezu sein komplettes Unternehmen (fast 2000 Mitarbeiter) fast ausschließlich mit homosexuellen, aber inkompetenten Kollegen bestückt haben soll. Das Thema wird ausgewalzt und bleibt dann ohne weiteren Zusammenhang in der Luft hängen.

Am Ende spielen nicht nur die Banker ihre Spielchen und setzen die Leute so ein, wie sie ihnen nutzen können. Ich musste feststellen, dass auch unter den Guten ein kleiner Staat im Staat entstanden war, ein Zirkel, der sich der Gerechtigkeit verschrieben hatte, sich in den Hinterzimmern von Kneipen traf, um die Bösen zu verfolgen. Und dieser Zirkel packte den Zufallsfund Jochen am Schopf und setzte ihn für seine Zwecke ein - erfolgreich zwar für die Aufklärung, aber Jochen steht eine beruflich völlig ungewisse Zukunft bevor, weil er sich naiv mit unvorteilhaften Helfern umgeben hat. Übrig bleibt der schale Beigeschmack, dass alle nur benutzt worden sind und wohl keiner der Wegbegleiter Jochen Mann nach Abschluss des Falls beistehen wird.

Meine Bewertung