A book is to me like a hat or a coat - a very uncomfortable thing until the newness has been worn off.

Charles B. Fairbanks

Das Buch

Halldór Laxness - Die glücklichen Krieger

ISBN-10: 3-882-43996-3

Über den Autor
• auf den Seiten von Bleisatz

Kurzbeschreibung / Klappentext

Island vor eintausend Jahren: Thorgeir Havarsson und Thormod Bessason haben einen Traum. Ruhm wollen sie erlangen, der eine als unerbittlicher, grausam-stolzer Krieger, der andere als Skalde, als Hofdichter eines großen Königs. Doch in den Westfjorden Islands gibt es niemanden, der kühner Taten wert wäre. So folgen sie macht- und raubgierigen Eroberern in ihre Schlachten: nach England, Frankreich, Norwegen. Und verlieren alles - sogar ihre Illusionen.

Originaltitel: Gerpla (1952)
Deutsche Erstveröffentlichung: 1990
Schauplatz: Island, Norwegen, Dänemark, Grönland, Russland

Rezension

Thormod und Thorgeir erleben ihre Jugend stets begleitet von alten Heldensagas, in denen unbeirrbare, kraftvolle und furchtlose Kämpen um jeden Preis für ihre Ziele eintreten. Ruhmreich sind die Kämpen wegen ihrer Taten und ruhmreich die Skalden, die über sie kunstvolle Gedichte machen dürfen. Im ärmlichen Island gibt es nicht viel zu holen - die beiden Schwurbrüder machen sich lediglich einen unrühmlichen Namen, weil sie sich willkürlich mit jedem anlegen, der ihnen nicht gefällt und für ein paar Lebensmittel töten. Thorgeir muss deshalb das Land verlassen und schließt sich Olaf Haraldsson an, der König von Norwegen werden will.

Wie schön könnte es sein: Zwei junge Männer haben einen Traum von Ruhm und Ehre und wollen ihn unbedingt verwirklichen. Doch sie nehmen ihr Ziel recht verbissen ins Visier und sind der Umwelt gegenüber blind. Mehr als einer erklärt ihnen, dass Heldentum in Island gegen Hunger nicht hilft oder dass die Heldensagas nicht sonderlich wahrheitsgetreu sind. Kämpe Thorgeir erlebt zwar viele Kämpfe, aber stets in bunt zusammen gewürfelten Haufen, mit schlechten Waffen und nie für große Könige, sondern für einen Halunken, der einen verlgeichbaren Traum wie Thorgeir hat: Vom Nichts zum König.

Thormod ergeht es nicht besser. Er erinnert sich an den alten Schwur, als er von Thorgeirs Ermordung erfährt und will ihn rächen, aber er gibt ein erfülltes Leben mit seiner Familie auf und begreift nur sehr langsam, dass die Rache die Aufgabe nicht wert war. Der einst so verehrte Olaf ist überall geächtet und Thormod stößt mit seiner beharrlichen Bewunderung nur auf Unverständnis. Er begreift die Veränderung so langsam, dass es ihn letztlich das Leben kostet. Aber eine Rückkehr käme für ihn ebenso wenig infrage, wie sie für Thorgeir denkbar war.

Das Buch demontiert den alten Glauben an Heldentum und zeigt die Sagas als das, was sie vermutlich wirklich waren: Prachtvolle Märchen, die lange, harte Winter und ein entbehrungsreiches Leben erträglicher machen sollten. "Glückliche Krieger" gibt es im Buch keine und Krieg erweist sich als das denkbar schlechteste Mittel, um Wohlstand für König und Bevölkerung zu erzielen. So wichtig und interessant die Botschaft ist, so umständlich war für mich die Umsetzung - daher auch meine niedrige Einstufung. Ich mag den Saga-Stil, in dem das Buch geschrieben ist, aber ich hatte einige Schwierigkeiten.
Allen vorweg der Punkt, dass das Buch eigentlich nicht nur - wie im Klappentext beschrieben - von Thormod und Thorgeir handelt, sondern auch von Olaf, dem König, dem sie sich bedingungslos verschreiben. Bis das klar war, hatte ich schon 3/4 des Buchs gelesen, mich über die ellenlangen Texte über Olaf gewundert und allzu oft den Faden verloren. Die drei Geschichten über Thormod, Thorgeir und Olaf schneiden sich oft nicht oder werden von parallelen Begebenheiten garniert, die mit ganz anderen Personen zu tun haben und deren Bedeutung nicht immer schnell genug klar wird. Zudem habe ich meist so meine Probleme mit Hauptpersonen, die ganz und gar nichts begreifen wollen und sich ein Buch lang nicht entwickeln. Thormod war nur knapp eine Ausnahme.

Meine Bewertung