Glaub ja nicht, Leser, dass dieses Buch dich aus den Augen verliert.

unbekannt

Das Buch

Leonardo Padura - Ein perfektes Leben

ISBN-10: 3-293-20344-2

Über den Autor
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Kurzbeschreibung / Klappentext

Teniente Mario Conde kuriert seinen Kater von der Silvesterfeier aus, als er von seinem Chef den Auftrag erhĂ€lt, ein verschwundenes hohes Tier aus der kubanischen Nomenklatura zu suchen. Bei dem Verschwundenen handelt es sich um Rafael MonrĂ­n, einen Schulkollegen. Schlagartig kommen Conde die Erinnerungen an die gemeinsame Schulzeit zurĂŒck: Der Mann mi der blĂŒtenweißen Weste, der zuverlĂ€ssige Genosse, war schon damals ein MusterschĂŒler, der immer das bekam, was er wollte - auch Condes Freundin Tamara. Aber in Rafael MorĂ­ns perfektem Leben gib es ein paar verdĂ€chtige Momente, die genauer zu untersuchen sich lohnt.

Originaltitel: Pasado Perfecto (2000)
Deutsche Erstveröffentlichung: 2003
Schauplatz: Cuba

Mein Leseeindruck

Ein perfektes Leben ist genau das, was Rafael MorĂ­n seit seiner Kindheit fĂŒhrt: Schulsprecher, Klassenbester, immer engagiert, immer die richtigen Worte parat und stets die richtige Geste seinen Angestellten, Freunden und Bekannten gegenĂŒber. Als MorĂ­n plötzlich verschwindet, kann keiner dem Ermittler Mario Conde eine ErklĂ€rung liefern. So perfekt ist dieser Mann, dass es einfach keinen Grund geben kann, ihm etwas anzutun. WĂ€re da nicht MorĂ­ns Posten: Er ist ein hoher Kader im Industrieministerium, ein Posten, der vielleicht doch einen schwarzen Fleck auf der Weste hinterlassen kann. Conde gerĂ€t bei den Ermittlungen in arge BedrĂ€ngnis, denn ausgerechnet MorĂ­ns Ehefrau Tamara war wĂ€hrend der Schulzeit Condes absolute Traumfrau, ein Traum, den er bis heute nicht vergessen hat.

Teniente Mario Conde taucht in diesem Buch tief in seine Vergangenheit; der Kriminalfall wird mehr zum AufhĂ€nger und Spiegel fĂŒr die cubanische MentalitĂ€t und Kultur, als dass er das Buch dominiert. Mit Conde geht es in RĂŒckblicken wieder in die Schulzeit oder zu freiwilligen ArbeitseinsĂ€tzen - und immer dabei: MorĂ­n, der Tamara im Arm halten darf, der die Jugendlichen auf die cubanischen Ideale einschwört und Disziplin und Respekt fĂŒr die Revolution anmahnt. MorĂ­n hat scheinbar alles richtig gemacht. Der Sohn aus armem Haus heiratet die Diplomatentochter und öffnet sich geschickt die TĂŒren zum gesellschaftlichen Aufstieg. Sogar Auslandsreisen sind drin, wĂ€hrend Conde und seine Freunde wie alle anderen den Alltag des kommunistischen Cuba meistern mĂŒssen.

Conde kann zutiefst melancholisch werden. Er und seine Freunde sind einfĂŒhlsam beschrieben und die Mischung aus Lebenslust und Melancholie ist Teil der gesamten Gesellschaft, die Padura beschreibt. Die Personen im Buch spiegeln alle jeweils eine Facette des Landes, das ein gesellschaftliches Ideal erfĂŒllen soll und dafĂŒr gleichzeitig einen kaum zu bewĂ€ltigenden Spagat meistern muss. Padura beurteilt diese Traumwelt nie, ĂŒberlĂ€sst es aber den Lesern mit der geschickten Auswahl der Charaktere, sich ihren Teil dabei zu denken.

Meine Bewertung