Meine literarischen Arbeiten sind kleine Fische
- aber Goldfische sind auch nicht groß.
Hans Hollweg
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ISBN-10: 3-499-42965-9 |
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Am denkwürdigen 25. Oktober 1854 schlagen sich die Männer der Elften Husaren von Lord Cardigan erfolgreich gegen die Russen bei Balaclava. Jahrzehnte später, im Jahr 1893, bekommt Inspector Lestrade den Auftrag, nach Cornwall zu reisen, um das wilde Treiben einer geheimnisvollen Bestie aufzuklären. Etliche Schafe wurden von einem wolfsähnlichen Tier zerfetzt. Lestrade ist verstimmt, denn jeder Dorfpolizist könnte diesen Fall klären. Aber sein neuer Vorgesetzter beim Yard, Nimrod Frost, will ihn offensichtlich ein wenig traktieren. Doch kaum hat Lestrade die Ermittlungen aufgenommen, wird ein Schäfer übel entstellt und tot aufgefunden. Dass dieser Routinefall der Anfang einer umfangreichen Mordserie werden könnte, wird dem Inspector erst im Lauf der Ermittlungen klar. Sholto Lestrade wird das Geheimnis lösen, nachdem er seine Mission als erster Undercover-Agent der Kriminalgeschichte erfolgreich beendet hat.
Originaltitel: Brigade. Further adventures of Inspector Lestrade (1986)
Deutsche Erstveröffentlichung: 1990
Schauplatz: England
Für Inspector Sholto Lestrade verbindet sich der Amtsantritt von Assistant Commissioner Nimrod Frost mit einer frostigen Atmosphäre. Frost übernimmt die Leitung des Criminal Investigation Departement und schickt Lestrade erst einmal weit weg, weil ein wildes Tier Schafe reißt und zu allem Übel auch einen Schäfer tötet. Es wird kaum besser, auch wenn beim kurz darauf folgenden Tod eines Leuchtturmwärters aus taktischen Gründen immer offizielle Stellen eingeschaltet werden müssen und Lestrades Reise daher wenigstens irgendwie den Amtsaufgaben näher kommt. Frost scheint Lestrade ärgern zu wollen und lässt ihn zudem Kontakt mit einem pensionierten Polizisten aufnehmen, der dem vermeintlich natürlichen Tod seines Freundes misstraut.
Als Lestrade während einer Untersuchung dem deutschen Kaiser begegnet, missverstehen die Kollegen einer Spezialabteilung die Unterhaltung der beiden Herren über Würgemale und Lestrade wird kurzerhand suspendiert. Offiziell jedenfalls, denn bevor Frost Lestrade aus dem Yard verbannt, gibt es Anweisungen: Nicht rasieren, armselig rumlaufen und sich in einem Arbeitshaus einquartieren. Über Wochen hinweg soll Lestrade verdeckt im Land ermitteln und einen merkwürdigen Todefall recherchieren.
So unterschiedlich all die Todefälle scheinen, Lestrade wird ebenso wie der Leser irgendwann drauf kommen, dass sie zusammen hängen. Sholto Lestrade wechselt zwischendurch die Namen und Verkleidungen, um an den verschiedensten Orten Informationen zu erhalten: Alle Toten sind Veteranen der Balaclava-Schlacht von 1854; aber warum müssen sie so viel später, erst 1893, sterben?
Wenn es "intelligente" Krimis gibt, dann gehört Trows Lestrade-Reihe für mich definitiv dazu. Nicht nur, weil er den von Sherlock Holmes so arg geschundenen Inspector Sholto Lestrade rehabilitiert. Sondern auch, weil Trow sehr geschickt das Zeitgeschehen und dazugehörige Personen einbaut und damit Fiktion und Wirklichkeit phantasievoll, aber liebenswert mischt. Oft auch mit einer gehörigen Portion Humor. Ganz zum Schluss taucht zum Beispiel ein 13 Monate alter Junge auf, "ein sehr kluges Kind", der laut Lestrade "genau die richtigen Fährigkeiten besitzt, den großen Detektiv zu spielen." In der Tat: Lestrade und Watson unterhalten sich gerade darüber, dass die Geschichten um Sherlock Holmes verfilmt werden sollten und just in diesem Augenblick begegnen sie Basil Rathbone, der später als der Holmes-Darsteller schlechthin gefeiert wird.
In einem Bordell amüsiert sich der Kolonialminister bei einer frühen Version des Telefonsex, Dr. Watson füttert Conan Doyle regelmäßig mit Holmes-Geschichten für das Strand Magazine, währenddessen der Punch den Detektiv genüsslich mit Parodien durch den Kakao zieht. Ein Mitarbeiter von Lestrade ist Constable Walter Dew, der Nimrod Frost anvertraut, wer wolle gerne eine Buch schreiben mit dem Titel "Ich fing...". Dieses Buch wird es unter dem Titel "I caught Crippen" 1935 von Dew wirklich geben.
Ich mag das Buch wirklich und bin froh, dass ich es die letzten 15 Jahre stets behalten habe. Die Wiederholungslektüre hat sich absolut gelohnt, zumal ich ein Faible habe für den heftigen Spott, mit dem Trow über Holmes und Watson herzieht oder den leichten Spott, mit dem Trow seine Witze sonst unterbringt. Wenn die Umstände für die armen Bevölkerungsschichten geschildert werden, kommt Trow nicht umhin, den "Wohltätern" von damals posthum einen Tritt zu verpassen. Als Lestrade im Arbeitshaus Losungen wie "Gott ist Güte" entdeckt, schließt er sogleich, dass Gott woanders sein muss.
Trow hat viele Anmerkungen im Anhang beigefügt, die zusätzlich eine Reihe von Informationen liefern und manche Wortspiele, die bei der Übersetzung verloren gehen, haben ebenfalls ihren Weg dorthin gefunden. Der Anhang und eine kleine Landkarte sind eine sinnvolle Ergänzung. Wie es scheint, haben die deutschen Verlage irgendwann die Übersetzung von Trows Krimis aufgegeben. Warum, ist mir schleierhaft ...