Eric Ambler - Topkapi

Kurzbeschreibung

Athen, Saloniki, Istanbul - das sind die Schauplätze, auf denen eine internationale Bande von Gangstern einen beispiellosen Coup plant. Es geht um nichts Geringeres als einen Raub in der absolut einbruchsicheren, mit modernsten Alarmanlagen ausgestatteten Schatzkammer des Palastmuseums 'Topkapi' in Istanbul.


Rezension

Der kleine Gauner Arthur Abdel Simpson sucht sich in Athen wohlhabende Fluggäste, bietet ihnen seine Fahrtdienste an und hofft, sie dabei kräftig ausnehmen zu können. Sein eigentlicher Job als Journalist wirft nicht genug ab und die Zeitungen fragen lieber nach Arbeitsproben statt Aufträge zu erteilen. Also versucht er sein Glück bei dem Fluggast Harper aus Wien, doch da verkalkuliert er sich heftig. Harper hat offenbar Geld und viel Reiseschecks, von denen man einige unentdeckt entwenden könnte, aber Harper ist auf Zack und erwischt Simpson mit den Fingern in seiner Tasche. Statt Simpson der Polizei auszuliefern, nutzt Harper den Diebsathl zu seinen Gunsten als Druckmittel aus. Für 100 Dollar soll Simpson einen teuren Lincoln nach Istanbul überführen und an Fräulein Lipp aus der Schweiz übergeben.

Um der Polizei zu entgehen, macht Simpson mit. Misstrauisch untersucht er jede Ritze des Autos, denn er ahnt, dass die Fahrt nicht ohne Hintergedanken angefragt wurde. Hätte Simpson besser auf seinen Pass geachtet, wäre alles gut gegangen. So aber gerät er erneut unter Druck: Natürlich hat die Polizei im Wagen etwas gefunden, eine ganze Menge Waffen, und Simpson muss die Fahrt zu Ende bringen und als verdeckter Ermittler so viele Informationen über Harper, Lipp und andere Mitglieder der Gruppe herbeischaffen. Die türkischen Behörden befürchten einen politischen Anschlag, wissen aber bisher zu wenig.

Arthur Simpson ist allerdings nicht der Top-Spion, den sich die Behörden erhoffen. Klar, Simpson ist ein Gauner, aber einer ohne Größe und Klasse, wie auch die Türken schnell feststellen: "Der Direktor fragt sich, ob Sie soviel Verstand hätten, das einzusehen." Er ist großartig mit Ausflüchten, merkt manchmal aber zu spät, wann er die Klappe halten sollte, um es nicht schlimmer zu machen. "Sie sind ein Mann über fünfzig, aber sie haben anscheinend nichts gelernt. Sie sehen in anderen Menschen immer nur Ihr eigenes Spiegelbild." Die leicht dusselige Aura von Simpson rettet allerdings seinen Einsatz. Harper und seine Kollegen akzeptieren ihn als Fahrer und Simpson kann den türkischen Behörden eine Reihe von Informationen übermitteln. Beim Ziel der Operation merkt Simpson viel zu spät, worauf es Harpers Bande eigentlich ankommt, obwohl er sich im Nachhinein für seine kleinen Unaufmerksamkeiten sehr wohl schämt. Kein Drogenschmuggel, keine politische Aktion, sondern ein groß angelegter Raub im Museum ist das Ziel der Bande.

Ich weiß nicht, wie Eric Ambler seinen Roman platzieren wollte, aber für mich ist Topkapi eine spannende, raffinierte Krimikomödie. Ich habe gelesen, dieses Urteil gelte offiziell zwar nur für die Verfilmung (die ich nicht kenne), aber ich kann nicht anders als in Simpson einen harmlosen Kleinkriminellen sehen, der listig auf die großen Gauner losgelassen wird. Vielleicht hätte man auch nicht gerade dieses spezielle Foto von Peter Ustinov auf das Cover drucken dürfen? Jedenfalls: Es ist ein Genuss zu lesen, wie sich der mit den großen Tricks unbedarfte Touristennepper redlich abmüht, zwischen dem energischen türkischen Major Tufan von der zweiten Sektion und dem gewieften Harper halbwegs Oberwasser zu behalten. Man erfährt sehr spät, dass sich die ganze krumme Tour um einen Raub dreht. Erst die Umbenennung des Romans und der Film haben das bekannt gemacht, jetzt steht es überall bei den Buchinfos, doch im Buch ist vom Topkapi kaum die Rede und die Unsicherheit um das eigentliche Ziel macht viel von der Spannung und von Simpsons Unsicherheit aus. Erst als er begreift, was für einen Typ Kriminelle er "beschattet", wagt er am Ende einen kleinen Aufstand.

Arthur Simpson ist kein sympathischer Held, sich windend und unehrlich, ein schlechter Taktiker und alles, was mit Gesetzen zu tun hat, ist ihm herzlich egal. Und trotzdem ist er die große Identifikationsfigur, die uns ihre Geschichte erzählt und sich bemüht, wenigstens dabei offen und ehrlich mit uns zu sein. Aus welchem Grund auch immer, Simpson ist in seinem Leben insgesamt wenig gelungen und das teure englische Internat hat ihm keine brillante Zukunft gesichert. So ein erfolgloser Gauner kann mindestens auf Mitgefühl zählen und den Leser beschäftigt unablässig die Frage, wie Simpson wohl seinen Kopf aus der Schlinge ziehen kann.

Wer Topkapi in die Finger bekommt, sollte einen Blick riskieren. Nicht zuletzt, weil Eric Ambler Spannung ohne blutige Action erzeugen kann, eine Kunst, die nicht viele beherrschen.

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: SZ Kriminalbibliothek
ISBN: 978-3-86615-262-5
Originaltitel: The light of day
Erstveröffentlichung: 1962
Deutsche Erstveröffentlichung: 1965
Schauplatz: Istanbul

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Es gibt für mich nichts Schöneres, als abends um halb neun mit einem Buch ins Bett zu gehen.

Emma Thompson

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