Einen Bibliophilen erkennt man daran, wie er ein Buch anfasst.
Arturo Pérez-Reverte, in: Der Club Dumas
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ISBN-10: 3-548-68046-1 |
Über den Autor |
Der Ankauf der privaten Bibliothek von Clare Templeton Forbes scheint ein echter Glücksfall für die Londoner Antiquarin Dido Hoare zu sein. Denn in den verstaubten Regalen der exzentrischen Dame aus Oxford schlummern wahre Schätze – vor allem heiß begehrte Erstausgaben und Manuskripte des berühmten amerikanischen Dichters Orrin Forbes, mit dem Clare einst ein Verhältnis hatte. Dido wird geradezu euphorisch, als sie sich des Wertes dieser Sammlung bewusst wird. Doch die Verhandlungen ziehen sich in die Länge, denn die junge Antiquarin scheint nicht die einzige Interessentin zu sein: Auch Professor Roslin, der sich in Clares verfallener Villa als Untermieter eingenistet hat, um eine Biographie über Forbes zu schreiben, ist an dem Material interessiert. Und dann ist da noch Clares Templetons Familie, die über den Ausverkauf des Familienerbes alles andere als glücklich ist.
Originaltitel: Smoke screen (1999)
Deutsche Erstveröffentlichung: 2003
Schauplatz: London
Dido Hoare hat einen Glücksgriff getan: Sie konnte für ihr Antiquariat die Privatbibliothek von Clare Templeton Forbes aufkaufen. Zwar kursieren über die Verkäuferin unschöne Geschichten und bei so manch einem Verkauf in der Vergangenheit soll sie getrickst haben, doch Hoares Kauf ist offensichtlich ganz vernünftig abgelaufen. Ärger gibt es allerdings, als im Nachlass des Dichters Orrin Forbes das Manuskript für eine längst verloren geglaubte Textpassage auftaucht. Zwar standen die Forbes-Texte nicht zum Verkauf, aber das Manuskript liegt trotzdem in Hoares Auto. Und Clare Templeton liegt nach einem Brand in ihrem Haus tot in ihrem Zimmer.
Aus dem staubigen Berufsalltag wird unversehens ein verwirrener Balanceakt zwischen Wahrheitsfindung und Selbstverteidigung, denn Dido Hoare steht selbstverständlich umgehend ganz oben auf der Verdächtigenliste. Doch sie kann auf Hilfe zählen: Das Kindermädchen legt bei der Betreuung des wenige Monate alten Sohnes Sonderschichten ein, der Student Ernie kümmert sich etwas mehr um den Laden als sonst und auch Vater Barnabas, ein emeritierter Literaturprofessor, lässt Beziehungen spielen, um seiner Tochter zu helfen. Zu prüfen haben die drei genug, denn abgesehen davon, dass die ehemalige Forbes-Geliebte Clare Templeton eine gerissene Zeitgenossin war, gibt der amerikanische Forbes-Forscher Roslin Rätsel auf. Templetons Enkelin verschwindet spurlos, ist aber dennoch verblüffend gut über das Geschehen daheim informiert.
Macdonald schreibt zügig und flott; wenig nur im Buch ist Füllmaterial oder Erzählung über Dido und ihr Familienleben. Das tut dem Krimi richtig gut und das Buch ist nur schwer aus der Hand zu legen. Man vergisst schnell, dass sich das Geschehen doch über viele Tage zieht. Das gilt gerade dann, wenn man sich darüber wundert, wie vermeintlich oft und unvorhergesehen Dido Hoare ihren Sohn bei Barnabas oder der Nanny zu lassen scheint. Plötzliche Touren nach Oxford häufen sich, Dido kann selbst mal eine Nacht fortbleiben und trotzdem laufen Familie und Laden irgendwie weiter. Ein wenig leidet die Glaubwürdigkeit der Mutter-Figur unter der Handlungsdichte. Die Story an sich aber passt. Die Antiquarin und ihr sachverständiger Vater geben ein gutes Team ab, das sich ergänzt, das sich verständlicherweise aber auch in den Haaren liegt. Welcher Vater sieht seine Tochter gerne gegen gerichtliche Auflagen verstoßen?
"Die letzte Strophe" mag vielleicht für das Werk von Orrin Forbes gelten, bei Bleisatz jedenfalls ist für Dido Hoare noch nicht der letzte Vorhang gefallen.