Pablo Tusset - Sakamura, Corrales und die lachenden Leichen

Kurzbeschreibung

Drei Ausländer werden an der Costa Brava tot aufgefunden. Alle drei sind krebsrot, und alle drei haben ein unerklärliches Lachen auf den Lippen. Der Fall scheint für Rafael Corrales von der Guardia Civil klar zu sein: Das müssen Quallen gewesen sein, deren Gift den Einheimischen offenbar nichts ausmacht, weil "wir eine bessere Haut haben". Inspektor Sakamura jedoch, der verehrungswürdige japanische Zen-Meister, der von Interpol ausgesandt wurde, um den Fall zu lösen, hat den Verdacht, dass noch viel mehr dahinter stecken könnte - und er hat offensichtlich recht.


Rezension

Beim heiklen Fall um drei tote Ausländer arbeiten die Ermittlungseliten zweier Länder zusammen: Der Spanier Rafael Corrales, der normalerweise beim spanischen Zoll Schreibtischarbeit leistet, und der Japaner Skamura, der von der französischen Interpol-Zentrale entsandt wurde. Corrales: Chronisch unpünktlich, leicht schlampig gekleidet und immer mit einem anzüglichen Spruch für die Damenwelt auf den Lippen. Sakamura: Perfekter Kampfküstler, Meditationsspezialist und mehrsprachig durch intensive Lerneinheiten mit Hilfe verschiedener Bedienungsanleitungen. Kann das gut gehen?

In dem Spanien, das Tusset entwirft, ist das Gespann Corrales/Sakamura keineswegs die größte Seltsamkeit. Regiert wird das Land von der herzhaft fluchenden Königin Eusebia I, eher unkonventionell an die Macht gekommen, nachdem Thronfolger Felipe de Borbón mit Ehefrau Doña Letizia lieber als Zitherspieler durch das Land tingeln möchte. Eusebia hat die königliche Schnauze aber schnell voll, mitten unter den presidente der zahlreichen autonomen Regionen Spaniens, die hartnäckig und spitzfindig ihre jeweilige Unabhängigkeit erreichen wollen und gerne ermahnt von den Untertanen, die sie mit Vorliebe daran erinnern, dass sie in einer von ihren teuren Steuergeldern bezahlten Ausstattung lebt.

Sakamura und Corrales ermitteln in dieser Politsatire, geleitet von Sakamuras fotografischem Gedächtnis und bedrängt von Agentin 69, einer äußerst attraktiven Porsche-Fahrerin, die die beiden von allzu erfolgreichen Ermittlungen abhalten soll. Der Fall an sich ist grotesk, aber sehr amüsant - auch, wenn man wohl Spanier sein müsste, um dem sehr typisch spanischen Setting noch mehr abgewinnen zu können. Ich hätte mich gefreut, wenn zum Beispiel all die Handymelodien übersetzt worden wären, mit denen die Politiker eingehende Anrufe den verschiedenen Anrufergruppen zuordnen können. Dafür wird gegen andere auch für den deutschen Leser verständlicher vom Leder gezogen. Eine kleine Gruppe von Unabhängigkeitskämpfern namens Iraultzaren Komando Euskaldun Abertzaleak wird (verständlicherweise) kurz "Die Unaussprechlichen" genannt; die Sympathisanten sagen schlicht "IKEA". Allerdings fehlt auch hier eine Übersetzung des sicher gezielt gewählten Names, denn Tusset kokettiert auch sonst gerne mit sauber gepflegten Sprachbarrieren:

"Was gibt's, Koldo?", begrüsste er ihn auf baskisch.
"Wenn du wüsstest, was für interessante Neuigkeiten ich für dich habe," antwortete Koldo (falls ein spanischer Autor seinen baskischen Protagonisten richtig versteht).

Summa summarum finde ich Tussets Krimisatire wunderbar unterhaltsam. Voller Spitzen, grandios überzeichnet und mit einem wahnwitzigen Corpus Delicti, hinter dem die Polizei, die Unaussprechlichen und die presidente hinterher sind wie hinter einem Lottogewinn. Und das für jedermann außerhalb Kataloniens tatsächlich einen Gewinn darstellt, wie Tusset mit einer gewagten These schlüssig beweisen will. Ganz große Komödie!

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt
ISBN: 978-3-62700-169-8
Originaltitel: Sakamura, Corrales y los muertes rientes
Erstveröffentlichung: 2009
Deutsche Erstveröffentlichung: 2012
Schauplatz: Spanien

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Es gibt für mich nichts Schöneres, als abends um halb neun mit einem Buch ins Bett zu gehen.

Emma Thompson

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