Martin Walker - Delikatessen

Kurzbeschreibung

Für Brunos Geschmack ist im malerischen Saint Denis im Périgord entschieden zu viel los: Ein spanisch-französisches Gipfeltreffen ruft die Separatistenbewegung ETA auf den Plan, eine Gänsefarm wird von Tierschutzaktivisten attackiert, und dann ist da auch noch die archäologische Ausgrabungsstätte, deren deutscher Forschungsleiter nach einem prähistorischen Menschen sucht. Das Skelett, das dann auch gefunden wird, ist allerdings längst nicht so alt wie erhofft, und Bruno muss gute Nerven beweisen, um all die Fäden zusammenzuführen.


Rezension

Bruno Courrèges stellt Knöllchen aus: Ausgerechnet die neue Amtsrichterin fräst wie von der Tarantel gestochen ins Dorf und legt die Markierungen der Parkbuchten sehr großzügig aus. Kein sehr guter Start für eine Zusammenarbeit, die prompt weiter auf die Probe gestellt wird: Anschläge auf kleine Gänsefarmen werden von offensichtlich militanten Peta-Anhängern verübt und bei archäologischen Ausgrabungsarbeiten wird ein viel zu junges Skelett gefunden. Den größten Teil seiner Arbeit nimmt allerdings ein Ministertreffen in Anspruch, das möglicherweise von der ETA torpediert werden könnte.

Auch in "Delikatessen" folgt Martin Walker seiner typischen Struktur: Er verbindet die persönliche Liebe zum Périgord mit einem kleinen Blick in die Geschichte der Region. Die Anschläge auf die Gänsefarmen kann er relativ schnell klären und Bruno findet eine Lösung, die ohne die Inanspruchnahme der recht aggressiv auftretenden Amtsrichterin auskommt. Richtiggehend Kopfzerbrechen jedoch macht das Ministertreffen, denn plötzlich scheint es in Saint Denis von ETA-Kontakten und Sympathisanten nur so zu wimmeln. Bruno leistet ganze Arbeit und hat dennoch das Gefühl, nicht alle Informationen erhalten zu haben.

Selbstverständlich bekommt auch sein Privatleben eine kräftige Portion Bewegung ab: Seine Beziehung zur englischen Nachbarin Pamela stellt sich in Frage, während seine alte und große Liebe Isabelle wieder aus Paris aufkreuzt und den "begehrtesten Junggesellen" des Ortes in tiefe Verwirrung stürzt. Andere alte Bekannte trifft man beim Rugby wieder und auch die Jagdfreunde haben wieder Auftritte in unterschiedlichem Umfang. Die gesamte Palette des südfranzösischen Savoir-vivre liegt auf dem Tisch und sorgt wieder für ein Leseflair voller Lavendel, Landleben und großartigem Essen. Der Kontrast durch speziell den roten Faden der ETA ist umso härter und nimmt diesem Band bis zu einem rasanten Finale immer mehr Raum ein. Ein bisschen viel in diesem Setting, wobei mit Bruno ein Mann auf der Matte steht, der auf Grund seiner persönlichen Erfahrungen ganz anders reagieren kann als vermutlich die meisten Polizisten der Region. Bisher war die Kriminalität immer sehr gut in das beschauliche Umfeld dosiert, ist jetzt allerdings etwas übergeschwappt. Nichtsdestotrotz bleibt die Serie lesenswert.

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-25706-819-1
Originaltitel: The crowded grave
Erstveröffentlichung: 2011
Deutsche Erstveröffentlichung: 2012
Schauplatz: Périgord / Frankreich
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