Martin Walker - Femme fatale

Kurzbeschreibung

Das Périgord ist ein Paradies für Schlemmer, Kanufahrer und Liebhaber des gemächlichen süßen Lebens. Doch im April, kurz vor Beginn der Touristensaison, stören ein höchst profitables Touristikprojekt, Satanisten und eine nackte Frauenleiche in einem Kahn die beschaulichen Ufer der Vézère. Und Bruno, den örtlichen Chef de police, stören zusätzlich höchst verwirrende Frühlingsgefühle.


Rezension

Bruno genießt die Probe des Kirchenchors, als das Telefon schellt: In einem Kahn liegend treibt eine nackte Frauenleiche den Fluss hinunter. Also muss der Chor alleine weiter proben, während Bruno versucht, den Kahn an Land zu bekommen. Nicht nur bei der Bergung gibt es unnötigen Ärger, als ein Unbekannter sich ohne Abstimmung einmischt. Die Aufmachung des Kahns alleine genügt und die Presse präsentiert sensationslüsterne Schlagzeilen, die wiederum noch mehr Presse, Schaulustige und Folgeprobleme nach Saint-Denis holen: Das Stichwort Satanismus macht die Runde und das ruft nicht nur fragwürdige Fans auf den Plan, sondern scheint sogar Nachahmer anzulocken. Stoff zum Nachdenken gäbe es im Dorf allerdings auch so genug, seit sich Investoren für die Ansiedlung eines luxuriösen Resorts in der Nähe stark machen.

Der fünfte Fall für Bruno folgt dem bewährten Muster der Serie: Der Kriminalfall wird kombiniert mit harmonischem Lokalkolorit und einer regional spezifischen Problematik. Mal war das die Schließung eines Sägewerkes mit vielen Arbeitsplätzen, mal waren es die Aktivitäten der Landsleute im Zweiten Weltkrieg. Jetzt reibt sich das Dorf an der Frage, ob es den Bau eines Ferienrtesorts in der Nähe genehmigen soll. Solider Tourismus oder ruhige Kleinstadtstrukturen?

Freilich darf Bruno auch nicht ohne Frauengeschichten arbeiten. Ohne lukullische Genüsse aus dem Périgord wäre das Buch natürlich auch kein echter "Bruno" und wer nach den kleinen, persönlichen und unbürokratischen Lösungen sucht, mit denen man in Saint-Denis Probleme löst, kommt ebenfalls auf seine Kosten. Um das Paket richtig rund zu machen, hat der Verlag dem Buch einen kleinen Reiseführer beigelegt, in dem Walker selbst eine Auswahl an Reise- und Ausflugszielen vorstellt, darunter selbstverständlich einige Schauplätze aus den Büchern.

Gleichwohl trumpft das Finale so arg auf, wie es schon im vierten Fall geschah. Nachdem so viel Vorleistung durch ruhige Polizeiarbeit und kluge Rückschlüsse geleistet wurde, platzen beim Finale förmlich die Nähte. Es passt nicht ganz ins Gesamtbild, dass hektische Funkkontakte massive Bewaffnung auslösen, Gendarmes Mobiles mit Sturmgewehr anrücken und den Leuten plötzlich Sprengsätze  um die Ohren fliegen. Nicht, dass die Rasanz fehlen würde, aber im Rahmen des Konzepts fehlt die Spannung für solche Passagen, denn bei Bruno muss im Großen und Ganzen alles gut ausgehen.

Warum das Buch alles in allem vier Sterne erhält: Bruno unterhält flüssig, transportiert den Lokalkolorit, wegen dem das Buch so gerne geschmökert wird und wirft im Hintergrund dezent eine Handvoll Fragen zu Umwelt, Gesellschaft Politik, Moral und Zukunft auf. Da dringt viel von den Fragestellungen durch, mit dem sich Martin Walker beruflich beschäftigt und für die er im Périgord offensichtlich eine Leinwand gefunden hat.

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-25706-862-7
Originaltitel: The Devil's Cave
Erstveröffentlichung: 2012
Deutsche Erstveröffentlichung: 2013
Schauplatz: Frankreich
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