Martin Walker - Reiner Wein

Kurzbeschreibung

Im Wein liegt die Wahrheit – aber es gibt Wahrheiten, die will man lieber nicht wissen. In Martin Walkers sechstem ›Bruno‹-Roman geht es um einen glorreichen Eisenbahnraub durch die französische Résistance und die unrühmliche Verwendung der Beute. Um gestohlene Weine und Antiquitäten, deren Besitzer sich als britischer Geheimdienstchef a.D. entpuppt. Und um eine Enthüllungsstory über Frankreichs Nuklearverteidigung, die kurz vor Drucklegung entwendet wird. Diese scheinbar unzusammenhängenden Verbrechen bringen Brunos unvergessene Liebe, Inspectrice Isabelle, auf den Plan.


Rezension

Bruno Courrèges, Kleinstadtpolizist im idyllischen Saint-Denis, kümmert sich um die Beerdigung eines Résistance-Veteranen. Dieser Loïc Murcoing allerdings hinterlässt ihm ein Rätsel. In der Hand hatte der Tote einen Geldschein aus der Zeit des Vichy-Regimes, der den Gerüchten zufolge aus einem legendären Geldraub stammt. Murcoing war zeitlebens davon überzeugt, dass das meiste Geld niemals, wie vorgesehen, bei der Résitance angekommen war, sondern heimlich beiseite geschafft worden war und einigen wenigen einen gut gefütterten Neustart nach dem Krieg ermöglicht hatte. Während Bruno das Begräbnis organisiert, häufen sich Einbrüche in der Region, bei denen vorrangig alte Möbel, Teppiche, Weine und Gemälde verschwinden. Obendrein findet man bei einem Ferienhaus den Briten Francis Fullerton erschlagen auf. Fullerton war Antiquitätenhändler, dessen Möbelladung nach dem Mord verschwunden ist. Als wäre das nicht genug, erfährt Bruno, dass eines der Einbruchsopfer nicht einfach ein britischer Rentner ist, wie ganz Saint-Denis immer dachte, sondern früher einen brisanten Job für die Regierung erledigte. Also schaltet sich sicherheitshalber Paris ein und Brunos ehemalige Geliebte Isabelle taucht im Périgord auf.

Walker mischt wieder kräftig lokale und internationale Zutaten, Résistance-Probleme und zeitgenössische Kriminalität. Dabei baut sich die Frage auf, welches Ereignis mit welchem verknüpft sein könnte. Haben die Einbrüche mit der Résistance zu tun? Spielen die Recherchen einer in Saint-Denis niedergelassenen, amerikanischen Historikerin zu Frankreichs Nuklearplänen eine Rolle? Zu schaffen macht der Polizei auch der Enkel Murcoings Paul, der gemeinsam mit seiner Schwester verschwunden ist und sich damit fabelhaft als Täter präsentiert. Nicht zuletzt, weil herauskommt, dass sowohl Paul als auch Fullerton homosexuell sind und sich kannten. Die komplizierten Ermittlungen lassen die Polizeiführung aufstöhnen; sie fallen offenbar so aufwändig aus, dass das Budget bereits zum Ende des Frühjahrs ziemlich strapaziert ist.

Natürlich kommt das Leben im Périgord nicht zu kurz. Bruno hat sein Dach ausgebaut und einen neuen Hund. Er reitet aus und tafelt mit seinen Freunden und verrät selbstverständlich wieder Rezepte für die kulinarischen Köstlichkeiten der Region. Unweigerlich schaut man auf seinen Esstisch und ist dankbar dafür, dass es Ausziehplatten gibt, denn will man mit Freunden essen wie bei Bruno, kommen zu den eingeladenen Leuten schnell ein paar mehr dazu. Alles in allem ein Lebensstil, mit dem Bruno zutiefst zufrieden ist:

"Ärgert es dich, dass sie mehr verdient als du?"
"Nein, ich hätte ja gar keine Zeit, es auszugeben. Was ich zum Essen brauche, geben mir der Garten und die Jagd umsonst; den Rest beziehe ich von befreundeten Landwirten für kleines Geld. Für meine Uniformen muss ich auch nichts bezahlen, und was ich sonst trage, ist nicht teuer. ... Mein Haus ist schuldenfrei. Ich habe ein wundervolles Pferd und gute Weine im Keller. ... und diese Nacht habe ich mit einer schönen Frau verbracht, die mir ofenfrische Croissants ans Bett bringt. Ich schätze, ich bin der reichste Mann in ganz Saint-Denis."

Diese Mischung fällt wie immer üppig aus, und wäre das Buch eine Mahlzeit, würde man spontan vielleicht das Dessert zurückgehen lassen, so viel liegt da auf dem Tisch. Und trotzdem kann man von Walker irgendwie nicht lassen. Die geschichtlichen und aktuellen Fakten sind sauber recherchiert (und Quellen in der Danksagung mit Links erwähnt), sodass man eine kleine, bestens erzählte Geschichtsstunde mitbekommt. Die Fäden entwirren sich im Lauf der Erzählung sauber und logisch. Und der Lebensstil, den Martin Walker seinen Bruno leben lässt, tut wahrscheinlich ein übriges. Denn so gut geerdet, stadtübergreifend vernetzt, so nachbarschaftlich und freundschaftlich trifft man doch gerne mit anderen Menschen zusammen. Also hofft man auf den siebten Fall, von dem man sich eben nicht nur einen kniffligen Kriminalfall wünscht, sondern eben auch das savoir vivre, das gute Essen und die wunderbare Atmosphäre.

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-25706-896-2
Originaltitel: The resistance man
Erstveröffentlichung: 2013
Deutsche Erstveröffentlichung: 2014
Schauplatz: Frankreich
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