Jirō Taniguchi - Gipfel der Götter 5

Kurzbeschreibung

Der Fotograf Fukamachi folgt Habu von Weitem mit der Kamera auf dessen spektakulärem Alleingang auf den Everest. Vor der letzten Etappe muss Fukamachi ihn verlassen. Zusammen mit dem Sherpa Ang Tshering wartet er im Basislager, während Habu wegen eines plötzlichen Wetterumschwungs auf über 8000m festsitzt.
Das dramatische Finale der Bergsteiger-Saga.


Rezension

Der finale Band der großartigen Bergsteigersaga beginnt im Biwak: Das Wetter hat sich gebessert und Habu macht sich an die letzten zwei Etappen seines Aufstiegs. Fukamachi hingegen wird wieder absteigen, will das für ihn lebensrettende Camp am Warship Rock auf 6900 Metern erreichen. Das Wetter schlägt um und hält beide Bergsteiger drei Tage in der Wand fest. Als es aufklart, steigt Fukamachi so ab, dass er von einem Felshang aus die Schlüsselstelle unterhalb des Gipfels mit der Kamera im Blick hat. Unruhig waretet er darauf, wann Habu im Sucher der Kamera erscheinen würde. Unsicher, ob und wie Habu den Wetterumschwung überstanden hat und weil er nach dem fehlenden Kontakt in den letzten Tagen nicht weiß, wo Habu überhaupt in der Wand zu finden ist.

Fukamachi findet Habu, auf direktem Weg nach oben kletternd, der denkbar schwierigste Weg. Die Autoren verbinden diesen Part geschickt mit zwei Rückblenden. Fukamachi hat ein Déjà-vu und verbindet die Szenen mit dem Absturz zweier japanischer Bergsteiger, die bei seiner letzten Expedition ums Leben kamen und deren Absturz er hilflos aus der Ferne beobachten musste. Habu aber stürzt nicht ab, arbeitet sich weiter und weiter nach oben. Fukamachi fiebert lebahft mit dem Mann mit, mit dem er am Berg aufsteigen durfte. Als Habu in Wolkenfetzen verschwindet, denkt Fukamachi unwillkürlich an die Expedition von 1924. Auch Mallory und Irvine verschwanden in einer Wolke und danach hatte man die beiden nie wieder gesehen. Fukamachi hofft zutiefst, dass seine Parallelen nur Hirngespinste sind. Er kehrt ins Basislager zurück und wartet mit Ang Tshering auf die Rückkehr Habus.

Es wird bis zu Fukamachis Alleinbegehung des Everest anno 1995 dauern, bis sich die Ereignisse zwei Jahre zuvor endgültig aufklären. Es ist ein fantastisches Finale, das Taniguchi und Yumemakura entwickelt haben. Es führt noch einmal vor Augen, was für ein Ausnahmebergsteiger Habu Yoshi war und was für eine Faszinaton auf Fukamachi wirkt. Was als Jagd nach Mallorys Kamera und der Geschichte dahinter begann, entwickelte sich für Fukamachi zu einem sehr viel größeren Abenteuer, als er es je hätte ahnen können. Es wurde eine Herausforderung, die ihn persönlich viel mehr forderte als die rein berufliche Perspektive. Er erfuhr selbst, wie stark die Berge einen Menschen für sich einnehmen können, sobald man sich auf sie einlässt, aber auch, was sie einem für das Gipfelglück abverlangen.

Was Taniguchi und Yumemakura auf sehr elegante Weise lösen, ist die Antwort auf die Frage, die seit der ersten Seite über der Geschichte schwebt: Haben Mallory und Irvine seinerzeit den Gipfel erreicht? Die begehrte Kamera brauchen sie für ihre Art der Antwort nicht.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Die Bildsprache setzt die gewaltigen Szenen im Berg perfekt um. Die Zeichnungen sind fotorealistisch und ich bin neugierig, wie Taniguchi die Bilder von den Bergmassiven so eindrucksvoll umsetzen konnte. Die Panoramen und Kletterszenen fangen die Faszination der Berge hervorragend ein, die Story dahinter ist sehr spannend und kenntnisreich entwickelt. Alles in allem ist den beiden Autoren eine großartige Story gelungen, die ich einfach so jedem empfehlen möchte.

Meine Bewertung

bibliografische Angaben

Verlag: Schreiber und Leser
ISBN: 978-3-93710-299-3
Originaltitel: Kamigami no itadaki, 神々の山嶺, かみがみのいただき
Erstveröffentlichung: 2000-2003
Deutsche Erstveröffentlichung: 2008
Schauplatz: Japan, Nepal

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