Schreib den ersten Satz so,
dass der Leser unbedingt auch den zweiten lesen will.

William Faulkner

Das Buch

Elizabeth George - Gott schütze dieses Haus

ISBN-10: 3-442-44128-5

Über den Autor
• auf den Seiten von Bleisatz

Bestellen bei
Amazon

Kurzbeschreibung / Klappentext

Jahrhunderte hat ein Nest im englischen Yorkshire im Dornröschenschlaf verbracht - bis ein brutaler Mord die Spinnweben zerreißt: Der Pfarrer des Dorfes entdeckt die enthauptete Leiche seines treuen Schäfchens William Teys in seiner Scheune. Und neben dem Toten kauert Roberta, seine leicht debile Tochter und behauptet "Ich war's." Danach verstummt sie.

Originaltitel: A great deliverance (1988)
Deutsche Erstveröffentlichung: 1989
Schauplatz: York, ein wenig London

Mein Leseeindruck

Gegensätzlicher hätte George das Ermittlerteam um Lynley und Havers nicht aufbauen können: Aristokratischer Lebemann trifft auf verbitterte Vorstadtfrau. Während Lynley sich über die Einteilung zwar wundert, platzt Havers fast vor Hass und Vorurteilen auf diesen "Lackaffen". Probleme mit sich selbst haben nicht nur einige Bewohner am Tatort in York, die haben auch die Protagonisten, und das nicht zu knapp.

Zwar sind Lynley und Havers auch in der Schublade der Ermittler gelandet, denen kein privates Glück vergönnt ist, aber die beiden ergänzen sich trotz der verbalen Giftpfeile von Havers hervorragend. Einen anderen Partner hätte man keinem der beiden an die Seite stellen können: Sie funktionieren irgendwie komplementär, weil keiner ohne seine eigenen Probleme die Augen für die des anderen hätte - so jedenfalls wirken die beiden auf mich.
Trotzdem blieb das Buch bei mir nicht als seitenlange Oper voller Selbstzweifel hängen. Ich finde das Buch klug geschrieben und sehr gut erzählt. Wer die Augen offenhält, kann sehen, wohin der Hase läuft und zumindest im Ansatz den ungeheuerlichen Hintergrund der Tat erkennen. Es kommen am Ende genug Details ans Licht, die den Atem stocken lassen.

Georges Erstling reiht sich in die Familie der Bücher ein, die den Leser verstört hinterlassen. Nicht, weil das Buch schlecht geschrieben ist, nicht, weil es merkwürdig konstruiert ist - sondern weil am Ende das Begreifen steht, dass sich an diesem (ohnehin schlimmen) Fall ausgerechnet ein Mensch mitschuldig gemacht hat, der für Hilfe und Erlösung steht: Mit unglaublicher Naivität denkt sich der Betreffende seine Umwelt schön und heil und zerstört mit seiner konsequenten Ignoranz drei Menschenleben.

Meine Bewertung