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Kurzrezensionen - Episode 1; Foto: Joanna Kosinka (unsplash)

Bücher kurz und knackig – Episode I

Sujata Massey – Der Brautkimono

Rei Shimura bringt historische Kimono zu einer Ausstellung in die USA. Die konservativen Museumskuratoren in Japan scheinen ihr zwar nicht viel zuzutrauen, akzeptieren sie aber offenbar als Notlösung. Klar, dass etwas schiefgehen muss: Ein wertvoller Brautkimono verschwindet, eine andere japanische Reisende wird ermordet, die Museumsangestellten auf beiden Seiten des Pazifiks kochen eigene Süppchen und Shimura muss einen hanebüchenen Kuddelmuddel ausbaden. Die Eltern tauchen auf, der Ex-Geliebte, der aktuelle Geliebte, die Polizei, die japanischen Museumsleute.

Unterhaltsam ist es allemal, aber ein bisschen dick aufgetragen, was Massey ihrer Hobbydetektivin Shimura alles aufhalst. Im Vergleich zu den anderen Titeln, die ich bisher kenne, wirkt Shimura zudem einiges unreifer und ziemlich hilflos. Ein paar sehr interessante Details über die Geschichte des Kimono machen da nicht alles wieder wett. Wobei es sehr spannend zu lesen ist, wie Shimura dem Werdegang ihrer Exponate mit Hilfe verschiedener Fachtexte auf die Schliche kommt. Für Shimura-Serienleser alles kein Problem, ansonsten kein Muss.

ISBN: 978-3-492-24687-3
Verlag: Piper

Simone Buchholz – Knastpralinen

Staatsanwältin Chastity Riley muss sich um einsame Männerfüße kümmern – der Rest fehlt jeweils. Vermisst werden diese Reste aber nicht so richtig. Eigentlich eine komische Sache, bis Riley herausfindet, dass sich die betroffenen Männer als ekelhafte Zeitgenossen hervorgetan hatten und die Hinterbliebenen eher froh sind, dass sie die respektlosen Nerventöter los sind. Helfen wird das allerdings nicht so viel, denn ansonsten findet Riley keine Verbindung zwischen den Opfern.

Ihre ganze Kraft benötigt sie eigentlich für ihre Freundin Carla, die von zwei Männern im Keller ihrer Kneipe vergewaltigt wurde. Da die Kollegen von der zuständigen Abteilung nicht so recht voran kommen, kümmern sich Carlas Kumpel lieber persönlich darum. Deutlich erfolgreicher, deutlich schneller. Aber nicht so deutlich legal.

Simone Buchholz bereichert mit ihrem unverwechselbaren Stil die deutsche Krimiszene und liefert mit diesem zweiten Titel der Serie ebenso fabelhafte Szenen ab wie mit dem sechsten Band Blaue Nacht, der sie schlagartig bekannt gemacht hatte. Liegt das am Verlagswechsel? Man weiß es nicht, vermutet es aber und findet, dass die neu erworbene Popularität längst verdient ist.

ISBN: 978-3-426-50038-5
Verlag: Knaur

Ken Bruen – Kaliber

Wer sich nicht anständig benimmt, wird abgemurkst. Hatten wir gerade schon, jetzt kommt eine Londoner Variante davon. Im Gegensatz zu Riley ist der zuständige Inspector Brant aber einer, der selber fies daherkommt. Er beleidigt, rüpelt herum, ist korrupt und ein Aas erster Klasse. Der Killer ist belesen und kennt sämtliche Krimiklassiker, Brant liest nicht einmal „Rauchen verboten“-Schilder. Ausgerechnet dieser Brant aber bekommt die Rechtfertigungsbriefe des Killers, dabei würde Brant lieber selber rabiat aus dem Weg räumen, wer ihm zuwider ist. Um das Oberwasser im Revier zu behalten, macht sich Brant auf die Suche.

Ken Bruen nimmt den Leser mit auf ein ungemütliches Revier, das es besser nicht geben sollte. Die Kollegen kuschen, versagen, feinden sich an, übertreiben und überschreiten Grenzen nach allen Seiten. Der Killer hat sowieso eine krumme Selbsteinschätzung und damit ist das ganze Personal bei Bruen neben der Spur. Nach außen hin wird der Lack auf der Londoner Polizei mit vielen Tricks und Kniffen notdürftig zusammengehalten. Ein bisschen was fehlte mir am Ende der kurzen Story, sie hängt ein bisschen in der Luft. Aber ein Stil und ein Setting, das Lust auf mehr Bruen macht.

ISBN: 978-3-945-13312-5
Verlag: Polar

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