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aus einem Ratgeber für Zeitmanagement
Die Wissower Klinken auf Rügen sind Wahrzeichen, Touristenmagnet und beliebtes Fotomotiv gleichermaßen. Auch Elizabeth wird sie sich auf ihrer Reise angesehen haben. Sogar Caspar David Friedrich sollen die berühmten Felsen so sehr beeindruckt haben, dass er sie in seinem Bild "Kreidefelsen auf Rügen" verewigte. Seit Januar 2005 sorgt ein Naturschauspiel jedoch für völlig neue Einsichten.
Seit Januar sind die weltberühmten Steilfelsen Geschichte, seit rund 50.000 Tonnen Gestein auf den Strand und in das Meer
stürzten. Zwei bis zu 20 Meter hohe Zinnen wurden Opfer der strengen Witterungsbedingungen.
An und für sich sind solche Erosionserscheinungen an der Sassnitzer Steilküste nichts Ungewöhnliches. Das relativ
weiche Gestein ändert seit jeher durch den Einfluss von Wind und Wasser seine Gestalt. In diesem Winter hat sich jedoch eine
kritische Menge gefrorenes Wasser in dem porösen Gestein angesammelt und das Gestein gesprengt, sodass es zu diesem enormen
Abbruch kam.
Für den Tourismus ist das Naturschauspiel eine Katastrophe. Jährlich besuchen bis zu 1,5 Millionen Touristen die rund
13 Kilometer lange Steilküste.
Viele Autoren schrieben jahrelang, dass Friedrich die Wissower Klinken in Leinwand gebannt hat. Seit einigen Jahren wankt diese
Theorie allerdings mächtig. Kunsthistoriker verweisen darauf, dass Friedrich in den meisten seiner Werke verschiedene Ansichten
vermischt habe - von fotorealistischer Dokumentation also keine Spur. Schließlich sei auch das Bild vom Watzmann
ausschließlich nach Skizzen Fremder entstanden, denn Friedrich selbst habe den Berg nie gesehen. Lediglich ein Aquarell,
ebenfalls namens "Kreidefelsen auf Rügen", hat vor ihren Augen als vermutlich naturgetreue Wiedergabe Bestand.
Der Zeitung »Die Welt« bestätigte das Nationalparkamt Rügen, dass das Gemäde vermutlich die sog.
Victoria-Sicht darstellt. Das Amt argumentiert, die Wissower Klinken hätten in der Form, wie wir sie kennen gelernt haben, vor
fast 200 Jahren noch gar nicht exisitiert. Einfach, weil die Erosion auch in den letzten Jahrzehnten aktiv war und das Bild der gesamten
Küste laufend verändert und verändert hat.
Problemloser Rückblick jederzeitDie Winterthurer Zeitung "Landbote" zeigte schnell eine unkomplizierte Lösung für Sehnsüchtige. Sie empfehlen statt einer Rügenreise einen Abstecher nach Winterthur selbst. In der Sammlung Oskar Reinhart kann das Originalbild von C.D. Friedrich bewundert werden, das 1818 nach seiner Hochzeitsreise nach Rügen entstand. Das gleichnamige Aquarell wird im Leipziger Museum der Bildenden Künste aufbewahrt.
Wer erst einmal vor den Bildern steht, lässt sich schnell von den beeindruckenden Felsformationen fesseln und ob dann der wahre Standort der abgebildeten Felsen noch relevant ist?
© Bettina Laube, Januar 2005