Das ist ein hässliches Gebrechen, wenn Menschen wie die Bücher sprechen.
Doch reich und fruchtbar sind für jeden, die Bücher, die wie Menschen reden.
Oskar Blumenthal
Während ihrer Lebenszeit veröffentlichte Elizabeth nicht einen Roman (vollständig) unter ihrem richtigen Namen. Gerade am Anfang der Schriftsteller-Karriere war es eine Frage der Schicklichkeit - für eine Gutsfrau in Preußen "gehörte es sich nicht", Bücher zu schreiben. Obwohl zur damaligen Zeit sowohl Gartenbücher als auch "schreibende Frauen" ein Trend waren.
Da der Erstling so erfolgreich war, verzichteten die Verleger bei den nachfolgenden Werken ebenfalls auf einen Autorennamen und gaben lediglich den Querverweis by the author of Elizabeth and her German Garden. Aus diesem Erfolg heraus wird Elizabeth als Autorin diesen Vornamen künftig weiter tragen. Die Gründe? Ihre Mutter trug denselben Vornamen, ebenso ihre zweite Tochter, möglicherweise ließ sie sich bei Bettina von Arnim inspirieren (die eigentlich Catharina Elisabeth hieß), vielleicht übernahm sie den Namen ihrer allerersten, autobiografisch gezeichneten Protagonistin...
Nach ihrer zweiten Heirat erschienen die Romane Vera, Die unvergessliche Stunde und Alle meine Hunde unter dem Namen Elizabeth Russell.
Den "falschen" Vornamen behielt sie einfach bei, während zumindest der Nachname stimmte.
Zu dieser Zeit war bekannt, welche reale Person als Autor hinter den Büchern steckte und dass Elizabeth auf die bisherige Anonymität
verzichtete - und auch verzichten konnte. Jüngling/Roßbeck zitieren einen Brief von Vita Sackville-West: "...Es rührt alles
daher, dass Gwen Tauchnitz-Ausgaben der Werke von Countess Russell liest..."
Letztlich ließ es sich diese Kenntnis nicht ganz vermeiden, nachdem das Theaterstück
Enchanted April 1925 Premiere hatte. Zwar verzichtete Elizabeth selbst auf die Honneurs, sie schickte aber ihre drei ältesten
Töchter, die vom Publikom erkannt wurden, auf die Ehrenplätze - so schildern es Jüngling und
Roßbeck in ihrer Biografie.
Ein echtes Pseudonym verwendete Elizabeth von Arnim für ihren 1917 erscheinenden Roman Christine: Alice Cholmondeley. Während ihrer gesamten Lebenszeit ist dieses Pseudonym nicht entschlüsselt worden. Das Buch enthält die fiktiven Briefe eines in Deutschland studierenden Mädchens an ihre Mutter in England kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs. Der Tonfall von Christine wird gegen Ende immer zeitkritischer und am Ende stirbt die Tochter, nicht zuletzt aufgrund der sich verschärfenden Vorkriegsbedingungen, ohne dass sich Mutter und Tochter noch einmal sehen konnten.
Für das Pseudonym gibt es mehrere mögliche Erklärungen:
Elizabeth hatte 1917, als der Roman erschien, selber eine Tochter in Deutschland (Trix). Sie befürchtete, diese in
Schwierigkeiten zu bringen, sollte man einen Zusammenhang zwischen ihr, dem Buch und der Tochter herstellen können.
Elizabeth verlor durch Krankheit eine Tochter (Felicitas starb 1916), ohne sie vorher noch einmal sehen zu können - ganz
genau wie die Mutter im Buch. Einige Fachleute gehen davon aus, dass Elizabeth ihre Trauer in diesem Buch verarbeitet hat und daher
für die Öffentlichkeit jeden persönlichen Bezug vermeiden wollte*.
Die Entscheidung zum Pseudonym mag noch einen dritten Grund haben: Wie Margit Wolfsberger geschrieben hat, kam der 1909 erschienene Roman Die Reisegesellschaft während des ersten Weltkriegs in Deutschland auf die schwarze Liste: Wegen seiner beißenden Charakterisierung einiger Protagonisten - allen voran ein deutscher Major. Und nun noch ein so kritisches Buch unter demselben Namen - nur wenige Jahre später, als sich die Wogen der Ressentiments sicher noch nicht geglättet hatten? Elizabeths Plädoyer gegen nationale Vorurteile kommt erst 1919 heraus: Christopher und Columbus.
* Nachwort von Angelika Beck in der 2004-Ausgabe von Christine des Diana Verlag