Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.
Arabisches Sprichwort
Elizabeth und ihr Garten :: Christopher und Columbus :: Christine
Die preußische Ehe
Grundlage ihres Erstlings war der hauseigene Garten von Gut Nassenheide.
Elizabeth hatte bereits während ihrer Kindheit in London intensiv mit ihrem Vater zusammen den dortigen Garten bearbeitet
und in Nassenheide fand sich ein geeignter neuer Platz für ihre floristischen Interessen. Vielleicht übertreibt sie bei
einigen
ihrer Schilderungen etwas, aber die klimatischen Bedingungen dürften einige ihrer Gehversuche auf dem Gutshof erschwert
haben.
Elizabeths Mann Henning beschäftigte sich u.a. mit der Kartoffelzucht - mit wenig Erfolg, denn Elizabeth war hin und wieder
gefragt, mit ihrem Honorar als Autorin Lücken im Etat zu stopfen.
Zeitgenössische Kritiker warfen der anonymen Autorin mangelnde gärtnerische Kompetenz vor. Gartenbücher hatten
Konjunktur und so galt ein Buch, das zum Vergnügen statt zur Anleitung gedacht war, in ihren Augen als leicht suspekt.
Elizabeth fand die Vorbilder für die beiden Protagonistinnen in ihrer eigenen Familie: Die beiden ältesten Töchter
Evi und Liebet wanderten 1916 von England in die USA aus. Der 1. WK war in vollem Gange und die antideutschen Ressentiments ebenfalls.
Mit ihrer deutschen Staatsbürgerschaft und dem Nachnamen liefen Evi und Liebet immer wieder in deren Fänge. Später
folgte übrigens auch Henning Bernd seinen Schwestern nach.
Margit Wolfensberger schreibt zu diesem Buch, es sei ein Plädoyer gegen nationale Vorurteile. Elizabeth von Arnim
äußerte sich in ihren Büchern sicher immer wieder kritisch Deutschland oder einigen Traditionen gegenüber
(z.B. in Christine, Die Reisegesellschaft), aber sie überspannt den Bogen nicht. Dazu sind Elizabeth
und ihre Familie selbst zusehr zwischen den Kulturen zu Hause.
Der Roman ist der einzige, den Elizabeth unter einem Pseudonym geschrieben hat - zu einer Zeit, als sie persönlich bereits als
Autorin bekannt war und auch bekannt war, dass sie die Autorin der zunächst anonym veröffentlichen Bücher wie
Elizabeth und ihr Garten war.
Einige Zeitgenossen vermuteten zwar, dass Elizabeth hinter dem Namen der fiktiven Alice Cholmoneley steckte und sprachen sie
darauf an, aber sie schaffte es erfolgreich, immer wieder von sich abzulenken. Zeit ihres Lebens wurde das Pseudonym nie
entschlüsselt. Einige Details mehr können im Beitrag über Pseudonyme nachgelesen werden.
"...ist derjenige unter ihren 22 Romanen, an dem Elizabeth von Arnim am längsten gearbeitet hat. Immer wieder hat sie das
Manuskript geändert, verworfen, neu angefangen und wieder umgeschrieben. Begonnen hat sie damit in den ersten Jahren ihrer Ehe,
aber veröffentlicht hat sie das Buch erst nach dem Tod ihres Mannes ... und zufrieden war sie vermutlich nie damit"
schreibt Annemarie Stoltenberg in ihrem Nachwort zur 2002-Ausgabe von List.
Die Parallelen zu ihrem eigenen Leben waren vielleicht zu eng? Begonnen mit dem Manuskript hat Elizabeth 1896, nachdem die ersten drei
Kinder von einem Kindermädchen betreut werden konnten. Zwar liebte sie die Kinder, aber die beschwerlichen Schwangerschaften, die
kurz hintereinander folgten, waren nichts für Elizabeth, die Einschränkungen jedweder Art missbilligte. Und dazu gehörten
die körperlichen genauso wie die gesellschaftlichen.
Wie die Ingeborg aus dem Buch hat auch Elizabeth insgesamt sechs Kinder und erst nach deren Geburt beginnen beide Frauen, ausserhalb der
Ehe nach Zielen und Ablenkung zu suchen.
Ein weiterer Anknüpfungspunkt ist der Name Ingram, den sie dem Liebhaber Ingeborgs gibt. Literaturkenner vermuten, dass sie in
dieser Person ihrem ehemaligen Geliebten H.G. Wells einen Seitenhieb verpasste. Der Name Ingram sei von Elizabeths Dogge Ingraban abgeleitet,
die unruhig und erregt wurde, wenn sie Wild sah. Und von Wells hatte sich Elizabeth getrennt, weil sie nicht die einzige war, mit der er
seine Frau betrog - in Ingram unterstelle sie Wells eben diesen Trieb nach jungem Wild, der auch den Hund charakterisierte.
Stoltenberg schreibt weiter, auch Schwester und Mutter Ingeborgs fänden ihre Vorbilder in Elizabeths Familie: Bei ihrer Schwester Charlotte und ihrer Mutter Louey. Einige der Komplimente, die Ingram seiner Geliebten macht, finden sich in den ersten Briefen von Francis Russell an Elizabeth wieder.
© Bettina Laube
Bilder (v.o.n.u.): aboutpixel © darkin; N-Loader