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Ich hab‘ sie noch alle: Elizabeth von Arnims Bücher

Der August rief in diesem Jahr Erinnerungen an eine gute alte Bekannte wach. Janine Rumrich, die den Blog Kapri-zioes betreibt, fragte für die Neuauflage ihrer Blogparade #Buchpassion nach einer Edition: Lieblingsautorinnen und -autoren.

Erste Reaktion: Lieblingsautoren habe ich nicht.
Zweite Reaktion: Ja, da war früher mal was. Agatha Christie, Scherz Crime Classics, die frühen Martha Grimes, gar Karl May oder Rex Stout.
Dritte Reaktion: Da war noch viel mehr! Und da war mal so viel, dass davon bis heute etwas Bestand hat!

Ich habe sie nämlich noch, ich habe nämlich noch alle Bände von Elizabeth von Arnim. Und das, obwohl ich gelesene Bücher fast immer weggebe und auch ansonsten verflixt wenig Bücher besitze (für eine Vielleserin jedenfalls). Jedes Mal, wenn ich in den letzten 20 Jahren Hand an die Arnimschen Titel legte und überlegte, ob ich sie nicht auch langsam aber sicher weggeben sollte, zuckte die Hand zurück. Und so stehen sie im Gegensatz zu allen anderen vergangenen Vorlieben nach wie vor komplett bei mir zu Hause.

Elizabeth von Arnim war für mich tatsächlich so eine Lieblingsautorin, wie Janine sie sucht. Das erste Buch schrieb diese Autorin 1898 mit dem Titel Elizabeth und ihr Garten und lieferte danach 21 weitere Romane ab, fast jeder davon ein Bestseller seiner Zeit.

Erstes Comeback

Eine Renaissance erlebten diese Bücher in den 1990er Jahren. Das war auch der Zeitraum, in dem ich die Autorin kennen lernte. Ich bin mir sicher, dass es ausgerechnet ihr bis heute bekanntester Titel, Verzauberter April, gerade nicht war. Es war Die englische Reise, ein spöttelnder Roman über ihre Erlebnisse während einer Kutschenreise durch England.

Die Bücher von Elizabeth von Arnim wurden für das Theater aufbereitet, die Buchtitel tauchten in Spalten mit Lesetipps auf, Zeitungen befassten sich mit der Autorin.

Mitte der 90er erschienen zwei neue Biografien über von Arnim auf Deutsch — natürlich hatte ich sie beide und beide gelesen. Es gab thematisch sortierte Anthologien mit Texten aus ihren Büchern — zwei davon habe ich auch. Es gab eine Dissertation über ihren Humor — ich besitze sie. Darüber hinaus einen Text- und Bildband über eine Spurensuche auf Rügen — habe ich und habe auf Rügen selbst geschaut, wo ihre Fußstapfen noch zu sehen sind. Die erste Biografie von 1958 — mit Hilfe eines Antiquars bezahlbar in Frankreich aufgetrieben. Die BBC-Verfilmung von Verzauberter April — steht natürlich auch immer noch im Schrank.

Warum mache ich das eigentlich nicht mehr?

Screenshot des früheren Webspecials zu Elizabeth von Arnim auf BleisatzMein persönliches Highlight: Über viele Jahre hinweg hatte ich ein eigenes Special zu Elizabeth von Arnim im Internet. Ich schrieb dafür die BBC an (die nie antwortete), bekam eine Mail einer Biografie-Autorin deswegen, sogar Anfragen aus dem Ausland, ob ich was über wissenschaftliche Arbeiten zu von Arnims Werken wüsste (in Italien gab es übrigens ebenfalls mindestens eine, aber die habe ich im Gegensatz zur deutschen Dissertation nicht). Ich nahm Kontakt mit Theatern auf, ob ich Bilder aus den Auffühungen verwenden dürfe. Manches ging sogar per Post raus, trotz Internet und Email, denn damals konnte man die Seriosität der Anfrage mit Papier noch maßgeblich unterstreichen.

Mein Mann fragt in den letzten Tagen häufiger, was denn aus diesem Special geworden sei.

Damals war ich noch halbwegs fit bei der Titelzuordnung. Da all die Bücher durch mehrere Verlage reisten, verschiedene Übersetzungen erlebten und infolgedessen auch die Rechte an den übersetzten Buchtiteln nie konsistent waren, ergab sich eine wilde Suche danach, welches englische Original sich hinter einer möglichen Neuausgabe versteckte. Im Special gab es aus diesem Grund auch eine Tabelle für Interessenten, damit sie problemlos herausfinden konnten, welches Buch sie tatsächlich in der Hand hatten und nichts doppelt organisierten. Soweit ich das sehe, liegt der aktuelle Rekord bei drei verschiedenen deutschen Titeln für ein und dasselbe Buch (The solitary summer kennen deutsche Leser als Sommer ohne Gäste, Einsamer Sommer und neu als Ein Sommer im Garten).

Nie so ganz von der Bildfläche verschwunden

Elizabeth von Arnim ist nie ganz in der Versenkung verschwunden. Seit 2015 gibt es sogar eine Elizabeth von Arnim Society mit Sitz im englischen Cambridge.

Als ich das letzte Mal meine Bücher sortiert hatte, fiel mir auf, dass alle 22 Titel während ihrer großen Renaissance in insgesamt fünf verschiedenen Verlagen bzw. Imprints erschienen waren. Derzeit kümmert sich einzig der Insel Verlag weiter um ihre bekanntesten Titel. Gerade erst letztes Jahr erschienen zum 150. Geburtstag der Autorin zwei Titel mit neu gestalteten Covern ganz frisch poliert für das Publikum. So schön, dass ich sie mir fast auch ins Regal gestellt hätte, aber ich habe die alten Ausgaben ja noch. Oder soll man Bücher doppelt besitzen? Aber nun, das ist wieder eine ganz andere Diskussion.

Habt ihr Lust auf eine Cover-Zeitreise? Nehmen wir doch einfach den Titel, mit dem bei mir die gute Beziehung zu Elizabeth von Arnim anfing:

Jetzt frage ich mich natürlich: Wer von euch kennt Elizabeth von Arnim nicht nur, wer von teilt oder teilte mit mir seinerzeit die Begeisterung für sie?

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7 comments

  1. Liebe Bettina,
    ich kenne Elizabeth von Arnim nur vom Hörensagen, aber du hast sie und ihre Bücher so lebendig beschrieben, dass ich sie mir unbedingt näher ansehen muss. Es wäre doch wirklich toll, wenn du dich um das Special kümmern würdest 🙂

    Viele Grüße
    Ina

  2. Schnipps, schnipps – ich erinnere mich nicht nur. Ich habe auch sehr viele ihrer Bücher! 🙂

    Tatsächlich ist es zwar schon viele Jahre her, dass ich sie gelesen habe, aber aus dem Haus gekommen ist mir seither trotzdem nicht ein einziger Band!

    Meine intensivste Erinnerung ist die an „Elisabeth auf Rügen“: Ich war damals mit einer Freundin auf Rügen und haben uns dort gegenseitig aus dem Buch vorgelesen. 🙂
    Und ich erinnere mich auch, dass die Freundin beharrlichst „Potbus“ vorlas statt „Putbus“. Wohl in Verschmelzung des Namens mit dem der Stadt Cottbus.
    Und an so was erinnert man sich noch geschätzte zwei Jahrzehnte später … 😉

    Danke für diesen Blogpost! Ich werde morgen definitiv alle meine Bücher von Elisabeth wieder rauskramen! „… auf Rügen“ habe ich schon rausgelegt: eine Taschenbuchausgabe mit maximal 8-Punkt-Schrift und mit DM-Preis drauf. :))

    Liebe Grüße!
    Jennifer aka Leseträumchen

    1. Guten Morgen Jennifer,

      schön zu hören, dass es dir ähnlich geht! Meine Bücher sind übrigens auch alle noch aus DM-Zeiten.
      Ich war erst Jahre nach meiner Rügen-Lektüre auf der Insel, habe es aber vergleichbar gemacht: Ich zog mir die englische Ausgabe auf den Reader und schmökerte nebenher darin 😉

      Es festigt sich die Idee, das Special aufzupolieren und neu online zu stellen …

      Liebe Grüße,
      Bettina

      1. Jaa, das ist eine gute Idee! Ich habe auch wirklich Lust, die ganzen Bücher mal wieder in die Hand zu nehmen. Zum Lesen komme ich grade nicht, aber allein ihren Spirit zu atmen, hat schon was … So eine schöne, vergangene Zeit. Und ihr Humor ist toll. 🙂

        Liebe Grüße!

  3. Liebe Bettina,

    dein Artikel hat mich gerade umgehauen. 🙂 Danke für diesen Beitrag und wenn man das nicht als Buchpassion bezeichnen kann, dann weiß ich auch nicht. Ich muss ehrlich sagen, mit Elizabeth von Arnim habe ich mich bisher so gar nicht beschäftigt, aber du machst mir wirklich Lust darauf mit deiner Begeisterung und Treue für und zu dieser Autorin.

    Danke!
    Janine

    1. Liebe Janine,

      danke für die wunderbare Rückmeldung! Mich juckt es seit dem Schreiben dieses Artikels ja, das Special wieder zu heben. So weit geht diese Buchpassion, dass auch nach all den Jahren niemals Schluss ist.
      Solltest du Elizabeth von Arnim antesten, ich werde es mitbekommen 😉

      Sonnige Grüße,
      Bettina

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