A book is to me like a hat or a coat - a very uncomfortable thing until the newness has been worn off.

Charles B. Fairbanks

Feuilleton

Bücher auf Reisen

Mit Bookcrossing durch die Welt

wer im Zug, auf der Raststätte oder in der Umkleide seines Fitnessstudios ein Buch findet mit dem Aufkleber "Ich bin kein Fundstück - ich bin nicht verloren gegangen", der ist auf sein erstes Buch auf Reisen gestossen. Bookcrosser verlegen die Bücher absichtlich an öffentlichen Plätzen, nachdem sie sie im Internet registriert haben. Bei Bookcrossing bekommt jedes Buch eine Registriernummer, die auf Aufklebern auf und im Buch angegeben wird. Und jeder, der ein Buch findet, kann es lesen, oder einfach weitergeben. Im Internet kann der Zufallsleser anschließend (auch anonym möglich) einen Kommentar abgeben und vermerken, wo er das Buch seine Reise fortsetzen ließ. Dank der Registriernummer kann man jedes Buch aufstöbern und seinen Weg genau verfolgen.

Mit Bookcrossing hat der Amerikaner Ron Hornbaker 2001 einen neuen Lesestil eingeläutet. Frei nach dem Motto "Ein Buch, das nur im Regal liegt, kann niemanden erfreuen". Ende 2003 waren schon rund 200.000 Leser weltweit registriert, die ihre Bücher in das weltweite "Verleihnetz" einspeisen. Was Hornbaker hoffen lässt, dass er bis 2006 locker die Millionengrenze an Mitgliedern knackt. Auch das Team von Bookcrossing.com ist mit fünf Mitgliedern recht gewaltig.
Die Lösung dafür ist relativ einfach. Vier der Mitglieder sind Freunde und damit auch Gründer und Entwickler des Systems. Zudem aber soll sich der Betrieb der Seiten selbst tragen und vielleicht irgendwann Gewinn abwerfen. Zwar ist das System kostenlos für alle Teilnehmer, aber für den Unterhalt der Seite wurde ein e-shop eingerichtet, in dem man fertig nummerierte Aufkleber, Stempel oder T-Shirts mit dem Bookcrossing-Logo kaufen kann. Das ist auch meine einzige kritische Anmerkung: Ich hoffe, dass die Verbindung mit einer Geschäftsidee nicht bedeutet, dass der Zugang zur Bookcrossing-Familie irgendwann durch Kosten gebremst wird.

Mittlerweile gibt es sogar eine Fangemeinde des Bookcrossing, die gezielt nach Büchern sucht, geleitet von z.T. recht detaillierten Hinweisen vom "Vorbesitzer" aus dem Internet. Hornbaker, dessen Website in hunderten von Zeitschriften, im Radio und im TV vorgestellt wurde, ist überzeugt, dass die Nutzer der Initiative gesellige Menschen sind. Daher hat er gleich einen weltweit gültigen Termin vorgeschlagen, an dem sich Fans treffen können. Um 19:00 Ortszeit, jeden zweiten Dienstag im Monat. Verabredungen lassen sich über das Forum treffen.

Bücher können übrigens auch durch direktes Ansprechen der Mitglieder ausgetauscht werden: Mit "available" gekennzeichnete Bücher werden von vielen Bookcrossern direkt an Interessenten verschickt. Vorteil: Man kann gezielt nach Wunschbüchern suchen und der Versender weiß, dass sein Buch nicht in der Versenkung verschwindet - einige der ausgesetzten Bücher werden nicht besprochen oder erst nach Monaten kommentiert. Aber das Abenteuer Bookcrossing lohnt sich allemal für jedes Buch.

Die Website: Bookcrossing

© Bettina Laube, September 2004