Kultur-Geplauder

Was ist eigentlich ein Feuilleton?

Die Existenz des Feuilletons verdanken wir - der Name lässt es vermuten - den Franzosen: Der vermutlich früheste Beleg findet sich 1738, als Abbé Granet in seiner Zeitschrift Réflexions sur les ouvrages de littérature eine Broschüre besprach. Und das wohl so erfolgreich, dass er daraus einen eigenen Zeitungsteil machte und in der zugehörigen Anküdigung den Begriff "Feuilleton" verwandte und kommentierte (feuille-ton.de).

Populärer wurde der Begriff durch das Journal des Débats, das Theaternachrichten und Kritiken in einer Beilage zur regulären Ausgabe veröffentlichte. Die Beilage kam so gut bei den Lesern an, dass die Neuigkeiten aus dem Theater bald den Sprung ins Hauptblatt schafften. Was das Journal des Débats gestartet hatte, war bald in nahezu allen Zeitungen zu finden und entwickelte sich zu einer eigenständigen redaktionellen Form.

Besonders populär wurde im frühen 19. Jahrhundert der Feuilletonroman, d.h. der Fortsetzungsabdruck von unterhaltsamen oder spannenden Romanen in mehreren Teilen. Daraus entwickelte sich eine spezielle Form von Romanen, Erzählungen und Novellen: Kurze Spannungsbögen und cliff hanger, offene Schlüsse und erinnernde Wiederholungen.

Mit "Feuilleton" beschreibt man nach wie vor den Kulturteil einer Zeitung, wo sich die Artikel und Berichte zu Buch, Film und Kunst finden. Darüber definieren es auch viele Geisteswissenschaftler: Über Inhalt, Form oder Haltung. Wäre da nicht ein gewisser Kai Kauffmann, der das Feuilleton über seine "Undefinierbarkeit" definiert. Denn schon längst gelangen auch Themen aus Politik, Wirtschaft, Technik oder Naturwissenschaften ins Feuilleton.

Bettina Schnerr, Februar 2007

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  • Bild: chival, aboutpixel (Paris 1966: Passanten lesen den Aushang des Figaro)