Das ist ein hässliches Gebrechen, wenn Menschen wie die Bücher sprechen.
Doch reich und fruchtbar sind für jeden, die Bücher, die wie Menschen reden.
Oskar Blumenthal
Eine Unterhaltung mit Leseratten kann anstrengend sein, wenn zuviele bibliophile Vokabeln fallen, die man noch nie
zuvor in seinem Leben gehört hat. Besonders beliebt sind Abkürzungen, um die Unterteilung der
hauseigenen Büchersammlung
zu beschreiben. Damit können einige Leute ganze Diskussionen bestreiten und erbauliche Statistiken basteln.
Um den Durchblick im Aküfidschu (Abkürzungsfimmel-Dschungel) zu behalten,
stelle ich die wichtigsten Kürzel zusammen. Ergänzungen folgen nach Bedarf.
SUB: Stapel ungelesener Bücher
Der wichtigste Stapel überhaupt! Denn der birgt eine Menge Schätze und kann beeindruckende Zahlen annehmen.
Je mehr, desto besser: Der SUB ist das wahre Statussymbol in Zeiten, in denen andere gerade mal den Trend zum
Zweitbuch entdeckt haben (und ausgerechnet die glauben auch noch, sie hätten das Ei des Kolumbus dabei gefunden *totlach*). Das
kann so weit gehen, dass einzelne Leseratten gar reden vom:
RUB: Regal ungelesener Bücher
Das bedeutet: Ich habe so viel Lesefutter, das mir auch ohne Zukauf in zehn Jahren noch nicht ausgegangen sein wird. "Ohne Zukauf"
tritt natürlich niemals ein. Leseratten suchen immer neues Lesefutter. Abkürzungen wie KUB, ZUB oder DUB machen auch
schon mal die Runde - Keller, Zimmer oder ganze Dachböden voller ungelesener Bücher.
SUA: Stapel ungelesener Autoren
ist eine Unterkategorie des SUB und bezeichnet Autoren im SUB, von denen bisher noch nie ein Buch gelesen wurde. Angesichts
der vielen Schriftsteller gibt es davon natürlich eine ganze Menge und der SUA ist einer der Gründe, warum neue Bücher
gekauft werden.
SGB: Stapel gelesener Bücher
häuft sich im Laufe eines Leserlebens ganz beträchtlich und ist je nach Lesegeschmack ein buntes Sammelsurium.
SGA: Stapel gelesener Autoren
eine Unterkategorie des SGB. Wobei zu beachten ist, dass SGA-Mitglieder so gute Bücher im SGB hinterlassen haben
können, dass sich dabei ganz selbstverständlich etwas Neues entwickelt:
SWB: Stapel wieder zu lesender Bücher
bezeichnet eine spezielle Unterkategorie des SGB, nämlich all die Bücher, die so gut waren, dass man sie unbedingt
noch einmal lesen muss.
SAB: Stapel angefangener Bücher
Bücher, die begonnen und nach einigen Seiten wieder zugeklappt wurden. Es kann
sein, dass sie nie fertig gelesen werden.
P.S. (post scriptum):
In Aktion zu erleben und in den Alltag problemlos eingebunden ist der Gebrauch solcher Abkürzungen im Großen
Forum von Literaturschock.
© Bettina Schnerr-Laube, April 2007