Das ist ein hässliches Gebrechen, wenn Menschen wie die Bücher sprechen.
Doch reich und fruchtbar sind für jeden, die Bücher, die wie Menschen reden.
Oskar Blumenthal
Weihnachten steht vor der Tür und das macht gleich zwei Interessegruppen ratlos. Da sind zum einen die, die Geschenke aussuchen. Was schenkt man einem, der einen vollen Bücherschrank hat und bei dem man Angst haben muss, dass er dieses oder jenes Buch schon hat? Da sind zum anderen die, die die Geschenke bekommen und vielleicht der schlimmen Frage ausgesetzt sind 'Was wünschst du dir eigentlich?'. Hat man da spontan eine Antwort parat?
Natürlich gibt es auch auf der Wunschliste eingefleischter Leser ausreichend Krimis, die man sich schenken lassen kann. Tipps leuchten allüberall auf den Tannenspitzen. Aber selbst für den geneigten Krimileser birgt die Weihnachtszeit einige Überraschungen: Nichts geht über den amüsanten Praxistest, ob man selber zum Detektiv taugt oder doch besser beim Lesen bleibt. Bleisatz findet, dass es schon genug Webseiten, Zeitungsspecials und Auslagen mit Buchtipps rund um den Krimi gibt. Hier also die wahre Alternative!
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Ein Klassiker wird nach wie vor mit derselben Begeisterung gespielt wie in den 1980ern, als er auf den Markt kam: Scotland Yard; nicht umsonst wurde das Spiel rund um die Jagd nach einem Unbekannten mit einem neuen Design versehen und wieder neu aufgelegt.
Worum geht es? Mister X (einer der Spieler in der Sonderrolle) ist in London untergetaucht und der einzige Anhaltspunkt für die Fahndung sind seine Fahrscheine. Hin und wieder wird Mister X kurz gesehen. Dann gilt es, schnell mögliche Fluchtwege zu rekonstruieren, den weiteren Weg vorherzusehen und ihn clever einzukreisen.
Das Spiel des Jahres 1983 kann von 3-6 Spielern gespielt werden und wird ab einem Alter von 10 empfohlen.

Noch ein Klassiker: Cluedo, der sogar schon einiges länger auf dem Markt ist (seit 1949) und der mittlerweile in den verschiedensten Variationen auf dem Markt ist. In den USA gab es zum Spiel sogar einen Film, für den verschiedene Auflösungen gedreht wurden, die an die verschiedenen Kinos ausgelieert wurden. Auch hier gab es immer wieder Auffrischungen im Design, aber die Grundidee ist nach wie vor dieselbe: Der Hausherr des Landhauses wird tot aufgefunden und einer der Anwesenden muss der Mörder gewesen sein. Aber bitte kein Skandal, keine Polizei - der Fall muss intern aufgeklärt werden. Die Spieler, allesamt natürlich höchst verdächtig, müssen sich langsam aber sicher an den Ablauf der Missetat herantasten.
Cluedo gibt es in zahlreichen Varianten, darunter eine
Kompaktausgabe,
ein Kartenspiel
oder ein Reise Cluedo
. Selbst eine
Cludeo Harry Potter-Version
und eine
Cluedo Simpsons-Version
haben den Weg auf den Markt gefunden.

Auch Heimlich & Co. war einmal Spiel des Jahres, 1986 nämlich. Sieben Spielsteine - Agenten - werden im Uhrzeigersinn gezogen. Dabei ist es egal, ob man den eigenen Stein zieht oder einen anderen, denn niemand weiß, wem welcher Stein gehört. Außer dem eigenen freilich und das sollte das ganze Spiel über so bleiben. Wer also zu offensichtlich zieht, wird schnell von den Mitspielern ausgebootet. Inzwischen ist das Spiel bei einem neuen Anbieter erschienen und leicht gegenüber der Originalversion verändert worden. Es gibt u.a. Ereigniskarten, die die taktischen Möglichkeiten ausbauen.
Gespielt wird mit 2-7 Personen ab 8 Jahren und im Gegensatz zu manch anderem Jagdspiel ist Heimlich & Co. eher ein Kinderspiel als eines für Erwachsene.

Ebenfalls unverwüstlich ist Inkognito, das 1988 erstmals auf dem Markt erschien und das zum Glück - wie die anderen vorgetellten Spielekollegen aus den 1980ern - eine Neuauflage erfahren durfte. Auch hier ein Spiel des Jahres mit einer Auszeichnung als "schönstes Spiel". Die Spieler schlüpfen in die Rolle der vier Geheimagenten Lord Fiddlebottom, Madame Zsa Zsa, Agent X und Colonel Bubble und sollen eine geheime Mission erfüllen; vielleicht muss man einen Gegener gefangen nehmen, vielleicht muss man sich mit seinem Partner an einer bestimmten Stelle treffen. Doch wie findet man in dem Trubel mit großen, kleinen, dicken und dünnen Agenten den Partner dazu, ohne die Gegner auf die eigene Fährte zu locken? Stellt sich die Mission am Ende als falsch heraus, gewinnt sofort das gegnerische Paar.
3-4 Spieler schlüpfen in die Rollen der Agenten - die Idealbesetzung liegt aber bei vier Spielern. Auch von Inkognito gibt es eine Variante als
Kartenspiel.

Herrlich schwarzen Humor verbreitet Kill Doktor Lucky. Im Gegensatz zu den Jagdspielen, bei denen man einen Täter jagt, wird man selber zum Schurken. Denn warum beginnen die Krimis alle, nachdem der ganze Spaß bereits vorüber ist? Die Aufgabe ist simpel: Finde eine Wafffe, verfolge den alten J. Robert Lucky und erledige ihn. Aber Fallstricke lauern überall. Zum einen ist Dr. Lucky zu Recht mit diesem klingenden Namen versehen; er bewegt sich von Raum zu Raum und muss erst einmal gestellt werden. Zum anderen darf man natürlich nicht beobachtet werden und jeder versucht, dem anderen ein Schnippchen zu schlagen und den Mord zu vereiteln. Jeder will schließlich selbst derjenige sein, der die Mission erfüllt und Dr. Lucky um die Ecke bringt.
Eine weitere Besonderheit ist die schlichte Ausstattung: Man wolle einen fairen Preis machen, das Spiel nur mit dem Wichtigsten ausstatten und deshalb Dinge aussparen, die jeder im Haus hat (wie Würfel und Spielsteine). Das Spiel ist für 2-8 Spieler gedacht und ab 12 Jahren spielbar. Ob man das Spiel angesichts der makaberen Idee nicht vielleicht erst später nutzt, bleibt den Besitzern überlassen.

Wer kontrolliert Chicago? Mit Gangster geht es zurück in die 1930er Jahre und jeder versucht, zum Boss auzusteigen. Mit der Limousine geht es durch die einzelnen Viertel, in denen möglichst viele eigene Leute platziert werden sollten. Um die eigene Position zu stärken verschwindet dann schon mal ein gegnerisches Bandenmitglied im Kofferraum oder auf Nimmerwiedersehen im Hafenbecken. Dreimal im Spiel gibt es einen "Tag der Abrechnung", an dem jeweils die Mehrheitsverhältnisse in Chicago geklärt werden und Punkte verteilt werden. Nach drei Abrechnungstagen gewinnt der Gangster-Boss mit dem größten Einfluss.
Gespielt wird mit 2-5 Personen, wobei sich die Spiele mit zahlreichen Teilnehmern oftmals als spannender entpuppen.
© Bettina Schnerr-Laube, Dezember 2008