Gutenbergstatue

Danke Johannes!

Was uns Gutenberg Gutes getan hat

Irgendwann bin ich die Erklärung schuldig, warum diese Website ausgerechnet Bleisatz heißt: Damit bedanke ich mich sozusagen beim Urvater dieser Drucktechnik, die den Buchdruck vereinfachte, beschleunigte und die somit Bücher im Lauf der Zeit immer besser zugänglich machte. Und wer kann sich heute eine Welt ohne Bücher noch vorstellen? Eine Welt, in der wir das Werk unserer Wünsche schnell und günstig bekommen können und in der schlicht Autoren für jeden Geschmack zur Verfügung stehen?

Das sagt das Lexikon:
Bleisatz: Verfahren zur Herstellung von Druckformen für den Buchdruck. Einzelne Lettern oder Einzelbuchstaben, die aus einer Blei-Zinn-Antimon-Legierung gegossen sind, werden zu der vollständigen Form einer Seite zusammengesetzt. Nach dem Abdruck können die Druckformen wieder in ihre Einzelteile zerlegt und die Lettern neu verwendet werden.

Als Erfinder des Buchdrucks gilt Johannes Gutenberg, der um 1440 den Druck mit beweglichen Lettern neu entwickelte. Naja, nicht so ganz: Die Druckkunst ist viel älter - und schon lange vor Gutenbergs Geburt kannten die Chinesen das System der beweglichen Lettern. In größerer Menge reproduzierbar wurde Schrift, als den Chinesen vor rund 2200 Jahren die Erfindung des Papiers gelang: Plötzlich standen große Schreibflächen zur Verfügung. Klar, dass irgendwann überlegt wurde, ob man nicht auch die Schriftzeichen ebenso reproduzierbar erzeugen könnte. Die erste Lösung: Steininschriften, die mit Tusche versehen wurden und von denen Abdrucke auf Papier genommen wurden. Das konnte man in China bereits im 2. Jh. und im 7. Jh. setzte sich der Holztafeldruck durch - das erste Hochdruckverfahren.

Letter, beweg dich ...

Die ersten Versuche, bewegliche, einzelne Druckstempel für Texte zu nutzen, begannen zu Beginn des 11. Jh. in China. Druckstempel aus Keramik wurden auf einer Eisenform zu Texten angeordnet und mit einer Schicht Wachs und Harz fixiert. Von da an war es gar nicht mehr schwer, andere Lettern aus Holz, Kupfer, Blei oder Messing herzustellen sowie ihre Größen zu normen. Durchsetzen wollte sich die Technik aber nicht recht; kein Wunder, denn es gab ungeheuer viele verschiedene Schriftzeichen, die sich eben nicht einfach und schnell zusammensetzen ließen. Gutenberg hatte mit nur 26 Lettern und zusätzlichen Hilfszeichen wesentlich bessere Ausgangsbedingungen. Was bei Gutenberg im Vergleich zu den Chinesen auf jeden Fall neu war, war die Verwendung von Weichmetallen wie Blei und Zinn sowie die Konstruktion eines Gießinstrumentes mit auswechselbarer Matrize. Auch unterscheiden sich die Satztechniken, weil der asiatische Satz auf Zeichenfolgen (bildzeichenhaften Worten) und der europäische auf separaten Buchstaben basiert.

Von Hand oder per Maschine

Früher geschah alles im Handsatz: So genannte Setzer kümmerten sich um die korrekte Belegung der Setzbretter. Im Bild zu sehen sind ein Satzregal und die Ecke eines Setzkastens im Gutenberg-Museum Mainz. Die fertig zusammengesetzten Seiten werden von Bändern eingeschnürt zusammengehalten.
Bald wurden Maschinen entwickelt, die diese Aufgabe übernahmen. Je nach Bautyp nutzen sog. Typensetzmaschinen Lettern aus Setzkäten. Manuelle Nacharbeit war allerdings nötig. Andere Maschinen, die Einzelbuchstabensetz- und Gießmaschinen Monotype gossen von Matrizen neue Lettern. Zeilenguss-Maschinen (z. B. Linotype, Typograph) erstellten jede Schriftzeile aus einem einzigen Stück. Fehlerhafte Zeile mussten komplett neu gegossen werden. Die Gießmaschinen konnten mit ca. 6000 Zeichen/Stunde die Satzleistung eines Handsetzers (bis 1500 Zeichen) weit überbieten.

Was vom Handsatz übrig blieb

Bis in die heutige Drucktechnik haben sich zahlreiche Begriffe aus der alten Satztechnik erhalten. Ein Beispiel dafür ist der "Stehsatz". Ursprünglich wurden die einzelnen Lettern in so genannte Satzbretter eingelegt, die als solches jeweils eine Druckseite ergaben. Satzbretter waren stapelbar, sodass man in Regalen z. B. die fertigen Druckvorlagen für ein Buch zurecht legen konnte. Danach konnte man die so vorhandenen Matrizen entweder weiter lagern oder aber wieder demontieren. Trotz digitaler Technik gibt es den Stehsatz in vielen Redaktionen nach wie vor: Darunter versteht man bereits fertige Artikel, die zwar in der aktuellen Ausgabe einer Publikation nicht erschienen sind, die aber für eine mögliche Veröffentlichung in kommenden Ausgaben eingeplant werden.

Auch die Maßeinheiten der Typografie haben sich vielfach erhalten. Die präzise Einhaltung von Maßen war Pflicht, weil sich für jede Seite ein gleichgroßes Satzbrett ergeben musste, in dem die Lettern nicht verrutschen durften. Schrift- und Ausschlussmaterial basierten auf dem typografischen Punkt und dem dodekaedrischen Rechenmodell. Ausgehend von der alten Einheit "Fuß" entwickelte sich der "Punkt" als Maßeinheit. 12 Didot-Punkte (benannt nach ihrem Erfinder) ergaben 1 Cicero und ausgehend ab der Dicke 1/2 Punkt waren alle Schriftgrößen und Zwischenstücke lückenlos kombinierbar. Im Lauf der Zeit gab es auch andere Größen, doch die Bezeichnung "Punkt" hat sich erhalten: Wer heute Texte in den Computer tippt und seine Schriften formatiert, kennt sicher die Abkürzung "pt".

Bettina Schnerr, März 2009

Beitrag teilen:

  • Foto Gutenberg-Statue: PictureArt/Fotolia.com
    Foto Satzregal: Pressedienst Stadt Mainz