Weder Tapeten noch Bilder verleihen einer Wand soviel Lebendigkeit
wie ein Bücherregal.

in: Wohnen & Garten November 2008, in einer Bildunterschrift

Feuilleton

Eine Community macht Autoren

Bei Epidu gibt's die Bücher von morgen

Mit dem Slogan "Wir machen Autoren" wirbt das Unternehmen Epidu für seine Idee vom Verlag 2.0. Streng genommen ist dieser Satz für einen Verlag nichts Neues; was Epidu allerdings deutlich anders macht als andere, ist die Auswahl der künftigen Autoren. Der Aachener Verlag setzt in seinem Konzept starke Akzente bei digitalen Medien und Social Media.

Zunächst fängt für den potenziellen Autoren alles im Internet auf der Epidu-Website an: Er stellt sein Buch oder Leseproben daraus online, wartet eine dreimonatige Bewertungsphase lang ab, wie gut sein Werk von den registrierten Lesern beurteilt wird und steht es am Ende weit oben im Ranking, nimmt es der Verlag genauer unter die Lupe. Haben die Epidu-Macher den Eindruck, dass sich das Buch tatsächlich verkaufen lässt und dass es zum Programm passt, starten Lektorat und Layout mit ihrer Arbeit. Kurze Zeit später ist das Buch dann als Taschenbuch und vielleicht auch als E-Book erhältlich.

Die Idee zu Epidu hatten die Brüder Cao Hung und Cao Thanh Nguyen, die den Verlag gemeinsam mit Andreas Hudzieczek und Lars Puda führen. Wie Cao Hung Nguyen erzählt, ist die Idee für Epidu schon fast zwei Jahre alt und entstand beim Brainstormen in der Küche: "Ich habe den Boom des iPhone und die Lancierung des Sony E-Readers von Beginn an erlebt und war sofort der Meinung, dass solche Tools im Buchmarkt künftig eine große Rolle spielen werden," erzählt Nguyen. "Das Konzept dieser Produkte war insofern der Zeit voraus, da es nun die technischen Möglichkeiten für digitale Bücher gab, parallel dazu aber noch keine großen E-Book-Quellen und -Portale." Warum also sollte man seine eigene Geschäftsidee nicht mit den neuen technischen Möglichkeiten kombinieren?

Ein Kernelement von Epidu ist folgerichtig die Konzentration auf das Internet. Nguyen findet, dass sich das Verlagswesen immer mehr ändert: "Social Media spielen eine immer größere Rolle, das Internet wächst und die Auftritte dort werden immer wichtiger," beobachtet er. "Sowohl Verlage als auch Autoren können sich dort einen Namen machen und können ganz andere Marketingmöglichkeiten nutzen, als das bisher der Fall war." Auch Mechanismen können seiner Meinung nach kippen: Verlage folgen Trends und Massengeschmack, Fans aber können nun gezielt Autoren folgen und sie aufbauen und fördern. Daraus leitet Epidu auch sein Konzept für das Lektorat ab: "Wir denken, dass die Leser am besten entscheiden können, welche Werke ihnen gefallen. Deshalb möchten wir diese Entscheidung im Wesentlichen auch den Lesern übergeben."

Ein Schlüsselelement bei Epidu ist das System für die Bewertung der Leseproben, das so genannte Scouten: "Wichtig ist uns, dass dieses so fair wie möglich geschieht," sagt Nguyen. "Wir haben viel Zeit investiert und getüftelt, weil von Beginn an klar war, dass dies ein echter Knackpunkt ist." Das Epidu-eigene Verfahren soll zum Beispiel gewährleisten, dass Bewertungen neuer Mitglieder oder die Bewertung neuer Bücher in einem vernünftigen Maß gegenüber Top-Titeln oder den Bewertungen von fleißigen Scoutern stehen.

Nur auf E-Books setzen wollten die Brüder Nguyen aber nicht: "Wir werden den Lesern zuliebe immer zweigleisig fahren," verspricht Cao Hung Nguyen. Dank Digitaldruck können die Auflagen mit vernünftigen Kosten kalkuliert werden, selbst in Kleinauflagen, bei denen wegen guter Nachfrage Nachdrucke in Auftrag gegeben werden müssen, meint er.

Das Social Media-Konzept von Epidu erfordert nicht nur eine digitale Präsenz an sich, sondern auch den permanenten Kontakt zur Community. Epidu nutzt Social Media-Kanäle wie Twitter oder Facebook, um Autoren vorzustellen und Neuigkeiten zu verbreiten. Die Dynamik der eigenen Plattform gestaltet Epidu zum Beispiel mit Wettbewerben, an der Autoren, Scouts und Leser gleichermaßen teilnehmen können. Ein aktuelles Beispiel dazu ist die Aktion Geschlechterduell, bei der die Community herausfinden will, ob das kleine Dogma stimmt, dass Frauen nicht nur anders schreiben als Männer, sondern auch, ob man das auch recht schnell an der Schreibe herausfindet.

Community überhaupt wird bei Epidu recht groß geschrieben. Nguyen erzählt, dass der kleine Verlag seine Weihnachtsfeier gemeinsam mit Mitgliedern gefeiert hat und auch künftig nicht nur virtuell versuchen will, Leser, Verlag und Autoren miteinander zu verbinden.

Eine ganz neues Standbein von Epidu sind die so genannten eBookCards. Eine hervorragende Resonanz habe der Verlag zu diesem Produkt bereits bekommen, erzählt Nguyen: "Die Idee dahinter ist es, E-Books im wahrsten Sinn des Wortes erfassbar zu machen. Man bezahlt nicht nur für digitale Daten, die per Download auf den Reader kommen, sondern hält tatsächlich ein Produkt in den Händen, das zum gewünschten Buch gehört." Karten wie diese könnten somit auch das Dilemma lösen, E-Books attraktiv in Buchhandlungen anzubieten: Platzieren lassen sich die Karten überall, so Nguyen, in Aufstellern oder in Auslagen, an der Kasse oder thematisch sortiert. Auf jeder Karte steht ein Download-Code, mit dessen Hilfe man das Buch über die eBookCard-Website beziehen kann. Inzwischen bieten die ersten Buchhandlungen in Deutschland E-Books mit Hilfe der Karte an.

Wer sich im Verlagsprogramm von Epidu umschauen möchte, kann sich inzwischen nicht nur online mit Leseproben befassen. Die ersten drei Veröffentlichungen sind seit kurzem wahlweise als E-Book oder als Taschenbuch im Verkauf, darunter zwei Vampirromane (Der weibliche Biss von Daniel Bock und Beiß mich Käthe von Björn Willems) und die Anthologie Hotel China mit 16 Kurzgeschichten von Autoren aus Hong Kong.

© Bettina Schnerr-Laube, Dezember 2010