Jahresrückblick 2012

Jahresabschluss 2012

buchsaiten blogparade no. 4

Kann man einen solchen Aufruf ungehört verhallen lassen? Kann man nicht! Dem Jahresrückblick 2012, den buchsaiten lanciert hat, schließe ich mich mit Vergnügen an. Fünf Fragen - fünf Antworten!

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat?

Ich habe im Lauf des Jahres ein oder zwei Bücher gelesen, die mich positiv überrascht haben. Mit den geringsten Erwartungen allerdings ging ich an das Billard mit Kokosnüssen von J. Maarten Troost. Das war ein Beitrag für Kiribati bei meiner literarischen Weltreise. Troost beschreibt mit viel Augenzwinkern nicht nur den zwangsläufig eintretenden Kulturschock. Ihm wird die Insel immer sympathischer, er lebt sich ein und beginnt, mit den Augen des Insulaners über die Unzulänglichkeiten der Insel, aber auch über die der wohlmeinenden Ratgeber aus dem Ausland zu schreiben, die in Ermangelung ordentlicher Sachkenntnis groteske Hilfsprojekte starten. Der Titel lässt einen reichlichen Ulk vermuten, aber es wird nicht nur amüsant, sondern deutlich tiefsinniger, wenn man sich drauf einlässt.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?

An dieser Stelle nenne ich jetzt doch zwei. Das eine war Claudia Martinis Debut Frau in Stöckeln mit diesem herrlichen Cover. Ich hatte die Entstehung verfolgt und wusste daher, dass Martini einen Profigrafiker und einen Profilektor angeheuert hatte. Der Grafiker war super, vom Lektor war aber nichts zu spüren. Für meine Begriffe war zuviel im Endprodukt drin, was ein Lektor hätte eliminieren müssen. Das reichte vom Tippfehler über Wortwiederholungen bis hin zu zahllosen Füllwörtern.

Das zweite Häkchen setze ich beim MacKenzie Coup von Ian Rankin. Es war sehr vorhersehbar, wie sich der gelangweilte reiche Herr als Gentleman-Gauner versucht. Und da ich es nicht einmal irgendwie gut erzählt fand, war ziemlich schnell die Luft raus.

Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Ein Punkt geht in die Schweiz. An den Krimiautor Sunil Mann. Von ihm habe ich zwar nur ein Buch bisher gelesen, nämlich den Fangschuss, doch die Story vom indisch-stämmigen Privatdetektiv Vijay Kumar in Zürich war sowohl von der Idee als auch vom Stil her absolut mein Geschmack.

Ein weiterer Punkt geht nach Frankreich. An die Krimiautorin Hannelore Cayre. Auch hier habe ich nur ein Buch gelesen, in diesem Fall den Lumpenadvokat. Hier beeindruckte mich der zynische Blick hinter die Kulissen des französischen Rechtssystems, das Cayre als Anwältin bestens kennt. Viel Spielraum für Tricks und hinterhältige Schachzüge, die Cayres Personenfundus weidlich auszunutzen weiß.

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

Das Cover schlechthin gibt es für mich nicht. Mir sind insgesamt drei Motive besonders aufgefallen, von denen jedes alleine schon dadurch auffiel, weil es einen guten Bezug zum Buch herstellt und nicht nur gute grafische Arbeit beweist.

Bei den Covern für Cotterill gefällt mir der Stil an sich bereits sehr und auch die Tatsache, dass stets mehrere Motive zu finden sind, die in der Geschichte selbst eine Rolle spielen. Bei diesem Cover zu Grandad, there's a head on the beach, wie auf denen von Dr. Siri auch, setzt sich die Grafik auf der Rückseite fort und dort entdeckt man dann auch den Kopf, von dem im Buchtitel die Rede ist. Das zweite Cover ziert eine Anthologie mit weihnachtlichen Kurzkrimis, die Lamettaleichen. Das Motiv wurde herrlich fies mit schwarzem Humor entworfen, was man erst beim zweiten Blick bemerkt. Diese Hinterlist, versteckt in einer ganz schlicht gehaltenen Machart, macht das Cover aus. Das dritte Cover für Silicon Jungle spielt mit der Optik der Bildschirme, die ich von (den alten?) UNIX-Rechnern kenne: Schwarzer Grund und leuchtende grüne Buchstaben, alle haben dieselbe Breite und "rieseln" beim Scrollen über den Schirm. Einfach super gewählt für ein Buch, in dem es um Daten, Daten und Daten geht.

Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2013 lesen und warum?

Vergesst es! Darauf gibt es keine vernünftige Antwort. Jedenfalls von mir nicht, weil ich grundsätzlich so viele Ideen habe, dass ich erstens gar nicht alle umsetzen kann und weil das zweitens dazu führt, dass ich morgen schon wieder neue Ideen habe, die übermorgen bereits abgelöst werden. Leselisten aufzustellen habe ich aufgegeben. Mit solchen Listen habe ich mich lange genug herum geschlagen und lasse es seither also klugerweise bleiben.

Bettina Schnerr, Dezember 2012

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