Bookcrossing

Bleisatz wird 5 Jahre alt

"Liest das eigentlich jemand?"

Diese kritische Frage dürfte es für einen Webauftritt bzw. für dessen Anbieter wohl öfter geben. Ich habe sie bisher offensichtlich wenigstens halbwegs zufriedenstellend beantwortet. Denn Bleisatz existiert inzwischen seit fünf Jahren.

1999, vor vierzehn Jahren, startete ich meine erste Website, schrieb aus Spaß an der Sache immer mehr Inhalte, layoutete munter und schrieb weiter ... Die obige Frage beantwortete ich vor fünf Jahren dann sehr einschneidend: Was nicht mit Literatur zu tun hat, geht vom Netz. Alle anderen Bereiche konnte ich alleine aus Zeitgründen schon nicht mehr bedienen und somit konzentrierte ich mich auf das Naheliegendste, das Hobby, das ich am längsten ausübe und das ich mit Leidenschaft über all die Jahre immer gemacht habe (nur Schwimmen käme bei diesen Kriterien noch in Frage, aber das stand nicht zur Debatte).

Nach dem gnadenlosen Relaunch im Januar 2008 blieb allerallerallerhöchstens ein Drittel übrig, schätze ich. Alles andere staubt nicht einmal mehr auf meiner Festplatte vor sich hin. Glaube ich zumindest. In jener Ecke jedenfalls war ich schon lange nicht mehr.

Die Nutzerzahlen hüpften damals zum Dank (so nehme ich mal an) innerhalb kurzer Zeit auf das Doppelte, ich hab' mich gefreut und motiviert weitergemacht. Weiter gelesen hätte ich sowieso.

Im Sommer 2010 betrat Bleisatz die Bühne der Social Media-Kanäle. Facebook und später auch Google+, während Twitter noch weitere zwei Jahre auf sich warten ließ (wer die Links zu den Social Media-Kanälen sucht, wird übrigens auf der Titelseite fündig). Ein begnadeter Tipper auf dem Handy war ich nicht, bin es nicht und der 20. Geburtstag der SMS im Dezember 2012 ging unspektakulär an mir vorüber. Während ich in all meinen Online-Jahren html-Seiten im dreistelligen Bereich geschrieben habe, lassen sich meine SMS in demselben Zeitraum fast "an einer Hand abzählen". Yippie, da siehste mal, die Schreibmaschinenstunden in den 1980er Jahren machen sich nachhaltig bezahlt.

Historischer Einschub: Welcher meiner Leser weiß, was eine Schreibmaschine ist und könnte ein mechanisches Modell noch bedienen? Ich werfe für die Historiker unter uns mal den Namen "meines" Klassikers unter die Leute: Triumph Kofferschreibmaschine gabriele 35.

Unsereiner hat Programmieren auf einem Commodore oder einem der ersten Apple-Modelle gelernt, war stolz auf seine Basic-Kenntnisse und wird heute von den gewieften Programmierern für diese Kenntnisse herzlich ausgelacht. Die Anfänge von Bleisatz bzw. dem damals so genannten digitalen Zuhause tippte ich mit einem html-Editor, den der antike Browser Netscape Navigator enthielt: Alle html-Codes mussten zu Fuß eingegeben werden, es dauerte seine Zeit, aber es hat viel Spaß gemacht. 2008 freundete ich mich mit css-Codes an und mit Ausnahme der php-Programmierung (wie gesagt: ich kann bloß Basic) schreibe ich nötige Codes bis heute selber.

Zurück zu den Büchern.

2006 entdeckte ich Hörbücher für mich. Damit ließen sich gerade damals Spaziergänge auf weiter Flur gestalten und heute höre ich sie meist im Auto. Anno 2011 kam ein Reader ins Haus und seither gehören auch eBooks zum Fundus. Noch sind diese abends auf dem Lesesofa eher selten, weil ich einen recht großen SUB aus Papierbüchern besitze, aber ich finde meinen Sony-Reader sehr komfortabel und mag ihn nicht mehr missen.

Inzwischen sind fast 500 Kritiken auf der Website online und täglich kommen zwischen 500 und 1500 Leute zu Besuch. Ob das in der Szene der Bücherwebsites und Literaturblogs nun viel oder wenig ist? Egal. Ich jedenfalls freue mich über jeden Besucher, den ich in irgendeiner Form begeistern kann, dem ich mit einer Buchempfehlung helfen kann oder der bei mir etwas nachgucken möchte.

In diesem Sinne: Bleisatz mag noch weitere fünf Jahre machen. Mindestens. Und die Lust am Lesen wird ohnehin nicht vergehen. Dafür gibt es viel zu viele Bücher, die mich neugierig machen und Autoren, die mich mit solchen Werken versorgen. In diesem Sinne verkrieche ich mich wieder auf das Lesesofa und sage: Auf Wiederlesen!

Bettina Schnerr-Laube, Januar 2013

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  • Foto: Bettina Schnerr