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Saxnight im Bücherladen Marianne Sax; Foto: Bettina Schnerr

Nachts in der Buchhandlung

Wer tagsüber beim Bücherladen Marianne Sax in Frauenfeld vorbei kommt, sieht einen schönen kleinen Laden am Ende der Fußgängerzone – perfekt gelegen, zu Fuß und mit dem Auto zu erreichen (vor allem letzteres ist prima, dann muss man seine Einkäufe nicht so arg weit schleppen).

Was aber passiert, wenn man nachts im Laden sitzt? Ich habe es ausprobiert. Im Bücherladen kann man gegen Entgelt nämlich eine „SaxNight“ verbringen. Weil es alleine nicht gar so viel Freude bereitet, schlossen wir uns zu viert zusammen: Anya (Bücher in meiner Hand), Nicole (Favolas Lesestoff) und Damaris (Damaris liest & Damaris liest mini) kamen mit nach Frauenfeld.

Marianne Sax zeigte uns die Kaffeemaschine für den Erhalt der Lebensgeister, verriet uns ihre Telefonnummer für den kleinen Notfall, die Nummer der Feuerwehr für den großen. Und beruhigte uns: Das Lesegerät für die Kartenzahlung würde nachher kurz vor 20 Uhr noch funktionieren. Wir müssten also nichts im Laden liegen lassen, was uns gefällt.

Die Bewohner wissen, dass wir heute eine Veranstaltung haben, die rufen also nicht gleich die Polizei.
Marianne Sax

Versorgt mit Sandwiches, Getränken, Obst und Dessert — beste Voraussetzungen für volle drei Stunden zwischen den Regalen. Also erst einmal hinsetzen, sich und die Blogs vorstellen. Via Twitter kannten wir uns, persönlich aber noch nicht alle untereinander. Vom Kinderbuchblog bis zu All-Age, Spannungsliteratur und allgemeiner Belletristik decken wir zu viert übrigens ein recht großes Spektrum ab.

Immer „Guten Abend“ sagen: Buchladen mit Hausflur

Bücherladen Marianne Sax; Foto: Bettina SchnerrDer Bücherladen dürfte so ziemlich der einzige Laden sein, durch den ein Hauseingang läuft. Auf der einen Seite davon tauchten Nicole und Damaris öfter für ihre Kinderbuchblogs in der üppigen Kinder- und Jugendabteilung unter, während ich auf der anderen Seite des Flurs vor allem die mittlere Reihe ins Auge fasste: Kriminalstories aller Art! Und in den Nachbarreihen Reiseführer (es fehlte „111 Orte in Tokio, die man gesehen haben muss“ von Christine Izeki und Björn Neumann, dafür war aus dieser Reihe verständlicherweise so ziemlich alles da, was die Schweiz abdeckt), Bücher mit Bienen als Coverbild oder im Titel (die uns am Abend auf fast jedem Tisch auffielen und von Anya bereits notiert) oder Kochbücher (von einem satten Laubfrosch bewacht), ein Globus (per orangener Penguin-Lampe ausgeleuchtet) und Postkarten, Notizbücher, Wanderkarten oder Ratgeber.

Bücherladen Marianne Sax, Globus im Laden; Foto: Bettina SchnerrZwischendrin das eine oder andere beeindruckende Fundstück: Ein riesiger Bildband über das Matterhorn beispielsweise (während gerade eben bei den Reiseführern noch ein Japantitel fehlte, macht dieses Buch es wieder wett — es ist sechssprachig verfasst und Japanisch ist eine davon) oder die fast 1000 Seiten starke Dokumentation „Der Gotthard“ über das Gotthardmassiv, den Mythos und den Tunnelbau von Marianne Burkhalter und Christian Sumi (immerhin dreisprachig). Hier wäre statt Angabe der Seitenzahl eine Gewichtsangabe gar nicht schlecht gewesen.

Und man muss die sich bietenden Chancen nutzen, einen Blick hinter die Kulissen des Buchhandels zu werfen. Über dem Regal mit den Vorbestellungen wohnt ein Igel aus Ton und Stroh, der die Hintertür im Blick hat. Das hellbraune Buch oben rechts an der Säule neben der Kasse ist eine unverkäufliche Fälschung. Hauseigenes Paketband hat’s noch für die kommenden acht Monate, strategisch verteilt. Es sind des nachts noch nicht alle grauen Lieferkisten vom Buchhandelszentrum ausgepackt, deshalb war „Neues aus alten Landkarten“ leider am Samstag noch nicht im Laden erhältlich. Der Tacker liegt rechts neben dem Geschenkband unter dem Tresen und die Stehlampe ist mit klangvollen Autorennamen bedruckt.

Und noch was: Die Bücher über Burn-out beim Hund, der Reiseführer Thailand, Sofia Oksanens „Die Sache mit Norma“ sowie „Weil ich ein Mädchen bin“ von Ilona Einwohlt, der Küchenratgeber für den Römertopf und auch der Bau-Ratgeber „Der Mond im Haus“ können von ihren Bestellern abgeholt werden! Die Bücher sind eingetroffen. Wer auch immer der Lieferant „BZ“ ist.

Bunte Lesezeichen geben Tipps

Bücherladen Marianne Sax, Tisch mit Empfehlungen des Teams; Foto: Bettina SchnerrAngesichts so vieler Bücher gibt das Team des Ladens auf sehr bunte Art Orientierung für Stöberer. Aus deren jeweiligen Favoriten schaut ein buntes Lesezeichen heraus: „Marianne Sax empfiehlt“ zum Beispiel in der Farbe Rot und „Annina Hilty empfiehlt“ in Blau. Ein Empfehlungskonzept übrigens, das die Kunden wegen des persönlichen Charakters sehr mögen, sagt Sax.

Tags drauf übrigens absolvierte die Lehrtochter des Hauses ihre Abschlussprüfung im Laden, ein Tisch bereits geleert für die Präsentation und die passende Dekoration zum Thema „Papier“ noch versteckt im Büro. Aber diese großartigen Büchervasen mit Papierblumen zeigte uns die stolze Chefin dann doch noch.

Wir hatten Frau Sax angeboten, uns nicht schon nach drei Stunden wieder rauszulassen und gehofft, der sture Frauenfelder Regen könnte unserer Forderung Nachdruck verleihen. Wer geht da schon freiwillig aus dem Haus?

Doch was will man tun gegen Menschen mit Regenschirmen? Unsere SaxNight schloss vergleichsweise pünktlich … und unter den Schirmen bibbernd folgte der Beschluss, dass es nicht die letzte Nacht in der Buchhandlung bleiben soll. Die Mischung aus Stöbern und Austausch ist in dieser Kulisse auf alle Fälle etwas Besonderes.

Und noch was: Die Bücher „Müller und die Ambulanzexplosion“ von Raphael Zehnder, „Steinland“ von Bernhard Jaumann, das hübsche „Das Buch vom Tee“ von Kazuko Okakura sowie die schöne Leinenausgabe von „Der große Schlaf“ von Raymond Chandler sind nicht mehr im Laden! Die habe ich jetzt. Aber Frau Sax bestellt bei Interesse im Zweifelsfall nach.

SaxNight-Galerie

Links


Fotos: Bettina Schnerr

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2 comments

  1. Toller Bericht, Bettina!
    Das BZ ist übrigens das BuchZentrum (mit 6 Millionen Titel an Lager), es liefert bestellte Bücher an die Buchhandlungen aus. Eine der wichtigsten Abkürzungen, wenn man in der Schweiz in einer Buchhandlung arbeitet. Die grauen Kisten sind nach wie vor ihr Markenzeichen und wahrscheinlich hat jeder Buchhandlungsmitarbeiter schon mal von diesen geträumt…
    Liebe Grüsse, Anya

    1. Vielen Dank Anya!

      Und Merci für die Info zu BZ. Es ist gut, dass wir das untergebracht habe – beim Schreiben gefiel mir dieses flapsige Nichtwissen im Text nur so viel besser, dass ich nichts weiter dazu schreiben wollte …
      Ich hoffe nur, die Träume mit den Kisten sind erholsam!

      Viele Grüße,
      Bettina

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