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Rex Stout – Es klingelte an der Tür

Rex Stout - Es klingelte an der TürDie reiche Exzentrikerin Rachel Bruner hat die Nase voll vom amerikanischen Geheimdienst. Sie kauft zehntausend Exemplare eines Enthüllungsbuchs und verschickt es landesweit. Klar, dass das Ärger gibt: Das FBI lässt sie auf Schritt und Tritt überwachen. In ihrer Not wendet sich die vornehme Dame an Nero Wolfe, den berühmtesten Privatermittler von New York. Doch wie soll der ihr helfen? Sein Gegenspieler ist immerhin kein Geringerer als J. Edgar Hoover. Ein Scheck über 100 000 Dollar überzeugt ihn, es zumindest zu versuchen. Da kommt ihm ein Mordfall an einem Journalisten sehr gelegen.

Rezension

Wie beendet man die Überwachung einer Mandantin durch das FBI? Eigentlich ein sinnloses Unterfangen, darüber ist sich Nero Wolfe im Klaren. Dass er sich Gedanken macht, liegt nur am Scheck. Den Vorschuss von satten $ 100.000 muss er nämlich nicht zurückzahlen, unabhängig vom Erfolg. So viel Geld bedeutet für den Orchideenzüchter Wolfe, dass er für mehrere Monate ausgesorgt hätte.

Bis das FBI allerdings von Rachel Bruner ablässt, läuft eine extrem verzwickte Geschichte ab. Wolfe, der das FBI schlecht direkt angehen kann, stürzt sich auf den Mord an einem Journalisten, der womöglich wegen einer Story über das FBI von selbigem ermordet wurde. Wenn der Coup klappen sollte, dann überhaupt nur durch die Hintertür.

Wolfes Exekutive ist sein Mitarbeiter Archie Goodwin, der einzige des Duos, der das Haus verlässt. Wolfe würde so etwas nie tun. Schließlich ist er ein so bewegungsunfreudiger Mensch, dass er nicht einmal die Stockwerke seines Hauses über die Treppe wechselt, sondern nur über den Lift. Die Geschichte wird also aus Goodwins Perspektive erzählt, der den Leser sowohl durch seine aktiven Ermittlungen als auch durch die Gespräche mit seinem Chef informiert.

Auslöser von Bruners Beschattung ist das FBI-kritische Werk „The FBI nobody knows“ des Investigativjournalisten Fred J. Cook, das 1964 tatsächlich bei Macmillan erschienen war. Cook war ein ausgesprochen unerschrockener Journalist, der sich mehrfach mit politischen Größen anlgete und in den 1950ern einer der ersten war, die offen über Bestechungen von Politikern an Journalisten sprach. Damals kostete es ihn seine Offenheit den Job, doch zehn Jahre später kam heraus, dass Cook völlig recht hatte.

Bruner verschickte Cooks reales Buch in Stouts fiktivem Werk an zehntausend einflussreiche Bürger und Amtsträger und wird so zum Ziel des FBI. So unbeliebt, wie Cook beim FBI war, so unbeliebt machte sich Stout auch selbst mit seiner FBI-Kritik. So sehr der Krimi ein Kind seiner Zeit ist, so aktuell ist das Thema geblieben: Was darf der Staat mit dem Argument der Sicherheit alles tun? Und was geht zu weit?

Der Verlag tat mit dem Titel einen guten Griff und unternahm einiges, um die Krimiklassiker, die das Verlagsprogramm künftig zieren werden, ins rechte Licht zu rücken. Das geht los beim Einband aus feinem Leinen, der „einerseits das historische Kolorit und den unterschwelligen Humor der Serie transportieren sollte, andererseits Eleganz, Feinheit und Sammelbarkeit der Ausgaben zu gewährleisten hatte.“ Und es geht weiter bei der Übersetzung, die erstmals den kompletten Text des Originals im Deutschen liefere, so der Verlag.

Für frühere Stout-Leser bietet sich eine gute Gelegenheit, den blitzgescheiten Nero Wolfe in einer dem Original viel näheren Version neu zu entdecken; für Neuleser die Gelegenheit, einen wegen seines politischen Themas wenig gealterten Krimi kennenzulernen.

Bibliografische Angaben

Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 978-3-608-98111-7
Originaltitel: The doorbell rang
Erstveröffentlichung: 1965
Deutsche Erstveröffentlichung: 1968
Übersetzung: Conny Lösch

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